Schrotten verbindet!

Schrotten!

Eine Rezension von Rick Reitler   20.01.2016 | 20:00 Uhr

Zwei Brüder in der Klemme: Um den Familien-Schrottplatz zu retten, muss ein Eisenbahnraub gelingen... Max Zähles zeitgemäße Hommage an den klassischen Western überzeugt als sympathisches, kleines Komödien-Meisterwerk.

Bewertung: Drei von drei Herzen

Vor 15 Jahren hatte Mirko (Lucas Gregorowicz) die Nase voll vom Familienschrottplatz. Im Wald, wo die Familie Talhammer schon seit drei Generationen Autowracks schreddert, geklaute Eisenbahnschienen stapelt und in zugigen Baracken haust, ließ es sich nicht wirklich anständig leben. Keine Knete, keine Karriere, und immer dreckige Finger. Da sah die Welt der Versicherungspaläste schon verlockender aus. Auch wenn's auch da nicht immer ganz sauber zuging: Auf der Jagd nach dem leicht verdienten Geld hielt Versicherungsmakler Mirko ein Schneeballsystem am Laufen, dessen Lawine ihn nach all der Zeit nun selbst zu begraben droht.

Auch Letscho Talhammer (Frederick Lau), dem standhaft auf dem Schrottplatz ausharrenden kleinen Bruder des verlorenen Sohns Mirko, steht das Wasser bis zum Hals: Der Metallgroßhandelsmarkt wird längst von "Big Playern" wie dem millionenschweren Baulöwen Kercher (Jan-Gregor Kremp) beherrscht, dem schon die halbe Stadt gehört und der den letzten Konkurrenten zu gerne auch noch schlucken würde. Doch ein Verkauf des Schrottplatzes würde das endgültige Aus für Letschos "Familie" bedeuten, zu der seit jeher auch eine bunte Schar treuer, kleinkrimineller Kumpels gehört.

Als die Not am größten ist, stirbt unerwartet Letschos und Mirkos „Vadda“ Fiete und hinterlässt seinen ungleichen Söhnen den Waldschrottplatz. Mirko will sofort verkaufen, doch Letscho schwört, weiter um seine Heimat zu kämpfen. Nach einer Reihe harter Auseinandersetzungen raufen sich die Talhammer-Brüder irgendwann zu Lösung C zusammen: Der Raub eines Kercher-Eisenbahnwaggons mit 40 Tonnen Kupfer an Bord soll alle Probleme der beiden Brüder auf einen Schlag lösen...

Alles vorhanden - bis auf eine Schießerei

Regisseur und Drehbuchautor Max Zähle ist mit "Schrotten" ein zeitgemäßer Western aus deutschen Landen gelungen. Der Kampf der Cowboys gegen den Rinderbaron, den korrupten Sheriff und seine Schergen wurde mit allerlei biblischen Anspielungen stilvoll in die norddeutsche Schrotti-Szene übertragen - straff erzählt und clever inszeniert. Genüsslich zitiert der Film in Bild und Ton dafür viele klassische Genrezutaten: die Hassliebe eines Brüderpaars, der gemeinsame Kampf gegen die Obrigkeit, jede Menge Schlägereien, den Eisenbahnraub, einen Pferdediebstahl und selbstverständlich auch den musikalisch dramatisch untermalten Showdown auf dem Marktplatz. Nur die Schießereien fehlen.

Einen großen Teil zum Gelingen des Gaunerstücks trug auch das Besetzungsbüro bei: Der Figurenschar voller liebenswerter Schrottplatz-Assis schaut man bei ihrem naiv-verbissenen Überlebenskampf gerne zu, und vor allem Frederick Lau überzeugt in der Rolle des simpel gestrickten, aber tapferen Familienmenschen Letscho. Unterm Strich: Ein sympathisches, kleines Komödien-Meisterwerk.

Regie: Max Zähle
Deutschland 2015

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja