Flashback in die 80er

Rockabilly Requiem

Eine Rezension von Rick Reitler   18.01.2016 | 20:00 Uhr

Statt gemeinsam auf der Konzertbühne durchzustarten, gibt's reichlich Familien-Trouble bei den Band-Kumpels Hubertus und Basti… Till Müller-Edenborns tiefschwarzes Jugenddrama enttäuscht trotz 80er-Jahre-Chic mit flachen Figuren und albernem Pathos.

Bewertung: Eins von drei Herzen

1982, irgendwo auf dem Land. Die beiden 18-jährigen Freunde Basti (Sebastian Tiede) und Hubertus (Ben Münchow) sind Teil der Rockabilly-Band "Rebels" - Hubertus als selbstbewusster Gitarrist und Leadsänger, Basti als eher schüchterner Soundmann. So unterschiedlich die Temperamente der zwei Helden, so ähnlich ihre Träume: Beide haben eine Schwäche für das toughe Rebels-Groupie Debbie (Ruby O. Fee), wünschen sich ein erfülltes Leben voller Spaß und Freiheit und fiebern auf den perfekten Gig, der ihrer Karriere als Könige der Konzertbühne den richtigen Schwung verleihen soll. Eine feine Exposition also für einen nostalgischen Feelgood-Buddy-Movie.

Doch "Rockabilly Requiem" funktioniert nicht nach den Hollywood-Gesetzen der guten Laune. Denn Basti und Hubertus kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen mit erstaunlich ängstlichen Müttern und grotesk unausstehlichen Vätern. Während Bastis Erziehungsberechtigter (Martin Feifel) aber bloß als gescheiterter Architekt mit Disziplin-, Geld- und Drogenproblemen nervt, hat Hubertus es daheim mit einer äußerst autoritären und gewalttätigen Nazi-Seele (Alexander Hauff) zu tun. Und irgendwann überspannt dieser Vorstadt-Teufel den Bogen ganz gewaltig...

Wenig glaubhafte Figuren

Trotz des ziemlich bemühten Beinahe-Happy-Ends handelt es sich bei Till Müller-Edenborns Kleinbürger-Oper um ein tiefschwarzes Jugenddrama, das vom Kampf einer unschuldigen Clique um Orientierung, Identität und Glück in einer Spießer-Welt erzählt, deren unerträgliche Regeln von übermächtig-herzlosen Diktatoren geschaffen wurden. Was den samt und sonders wenig glaubhaft gezeichneten Figuren dabei an Tiefe fehlt, versucht das Drehbuch (Müller-Edenborn, Jörg Bruhn) mit Dialogzeilen voll unfreiwillig albernem Pathos wettzumachen. Da können dann auch die exquisite Bildsprache von Kameramann Sönke Hansen, die feine Ausstattung (Bärbel Menzel) und die erfrischende Idee, die Geschichte einmal nicht im Punk-Milieu, sondern in der Rockabilly-Subkultur anzusiedeln, nicht mehr viel retten.

Deutschland 2016, Regie: Till Müller-Edenborn

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