Viel Impro in einem leisen Film

Luca tanzt leise

Eine Rezension von Annabell Brockhues   20.01.2016 | 20:00 Uhr

Jeden Morgen aufzustehen, ist für Luca ein Kampf. Ein Kampf, den sie nur dank ihrem Hund Mata zu gewinnen scheint. Nach zehn Jahren scheint Lucas Leben wieder normaler zu werden – auch auf Dauer? „Luca tanzt leise“ ist eine berührende, unaufgeregte Geschichte über die dunklen Tage des Lebens.

Bewertung: Drei von drei Herzen

„Kennst du das, wenn du es nicht schaffst, frühmorgens aus dem Bett aufzustehen? Und das über eine längere Zeit? Und du kannst nichts dagegen machen? Du zwingst dich, aber es hat keinen Zweck, keinen Sinn? Du schaffst es nicht einmal, dich zu waschen, dir frische Unterwäsche anzuziehen.“ Luca lehnt lässig an einem alten Alfa Romeo. Diese Sätze auszusprechen fällt ihr schwer. Zehn dunkle Jahre hat sie hinter sich. Jetzt ist sie auf einem guten Weg, dank Mata, ihrem Hund.

Eine bessere Zeit für Luca

Luca (Martina Schöne-Radunski) ist depressiv. Doch das schlimmste scheint sie hinter sich zu haben. Jetzt will sie ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen, sie steht kurz vor den Prüfungen. Damit es an Mathe nicht scheitert, macht sie mit ihrem viel älteren Sitznachbarn Kurt (Hans-Heinrich Hardt) einen Deal: Sie hilft ihm mit Englisch, dafür erklärt er ihr Mathe.

Lieblingszitat: „Dann machen wir ein 1,0 Abitur. Nein 0,9. Und du kannst endlich Medizin studieren und Frauenarzt werden. So wie der Plan war. Ursprünglich.“ Luca zu ihrem Sitznachbarn Kurt

Es scheint zu klappen. Mata sorgt dafür, dass Luca aufsteht. Immerhin muss der Hund mindestens zweimal am Tag vor die Tür. Und Kurt sorgt dafür, dass Luca lernt und zur Schule kommt. In seiner Gegenwart taut die sonst sehr zaghaft schüchterne Luca auf, macht Witze. Sie nähert sich auch ihrer Mutter wieder an. Diese neue Kraft will Luca jetzt weitergeben: an einen Freund, der ebenfalls sein Abitur nachmachen wollte, aber stattdessen lieber zockt und Party macht.

Am Abgrund

Ein Wochenende vor den Prüfungen kippt Lucas Leben wieder: Eine alte Freundin kommt zu Besuch. Statt zu lernen, feiert Luca Partys und kokst. Sie lässt sich auch wieder mit ihrem aggressiven und drogenabhängigen Ex-Freund Ben ein. Die Lage eskaliert.

Weniger ist oft mehr

„Leise“ ist das treffende Wort für diesen Film. Die Handlung ist unaufgeregt, ähnlich wie die Charaktere. Eher zurückhaltend als dramatisch wird die Schwierigkeit, den Alltag zu bewältigen, dargestellt – getreu dem Motto: weniger ist mehr. Regisseur Philipp Eichholtz nennt es deshalb auch einen „Liebesbrief an all diejenigen, deren größter Kampf es ist, jeden Tag überhaupt aufzustehen.“ Die Geschichte ist inspiriert von einem Erlebnis in Eichholtz direktem Umfeld.

Der Film lebt durch klare Bilder und den Charakteren. Von der schlagkräftigen Oma, die ihre Enkelin Luca in Schutz nimmt vor ihrer Mutter und sie aufbaut und von dem verlässlichen Kurt, der mit seinem stumpfen Humor für Witz sorgt. Martina Schöne-Radunski gestaltet ihre Rolle als sensible Luca sehr liebevoll. Man will sie beschützen, ihr gut zu reden, sie anfeuern. „Luca tanzt leise“ ist ein berührendes, statt dramatisches Werk.

Regie: Philipp Eichholtz
Deutschland 2016

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