"Ferien" von sich selbst

Ferien

Eine Rezension von Katrin König   19.01.2016 | 20:09 Uhr

Eines weiß Vivi: So kann das nicht weitergehen. Auf der Suche nach sich selbst findet sie sich auf einer Ferieninsel wieder. Der Abstand vom Alltag soll Vivi wieder auf Kurs bringen. Ob der Plan am Ende aufgeht? Ein Film über Veränderung und Orientierung, der stark anfängt, dem auf halber Strecke aber die Puste ausgeht.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Die Jura-Absolventin Vivi ist jung, unzufrieden, verzweifelt. Mit ihrer schlechten Laune und Antriebslosigkeit nervt sie nicht nur ihre Familie. Eine Auszeit auf einer Ferieninsel soll Vivi ein wenig ablenken und neue Lebensgeister wecken. Doch der geplante Kurzurlaub entwickelt sich zu einem längeren Aufenthalt. Vivi mietet sich kurzerhand bei der alleinerziehenden Inselbewohnerin Biene ein und drängt sich als Aushilfe in einem skurrilen Trödelladen auf. Nach und nach freundet sie sich mit den kauzigen Inselbewohnern an und scheint bald gar nicht mehr in ihr altes Leben zurück zu wollen. Auch ihr immer mal wieder auftauchender Vater, der um jeden Preis jugendlich bleiben will, kann Vivi nicht motivieren, die Auszeit zu beenden.

Lieblingszitat: Mit dir rede ich nicht, du bist verrückt - Eric zu Vivi

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Bienes Sohn Eric müssen die beiden ihre Differenzen gezwungenermaßen beilegen, als Biene plötzlich und ohne Ankündigung mit einem großen Rucksack das Haus verlässt und auf „Recherche“-Reise geht. Doch nun, auf sich allein gestellt, finden Eric und Vivi bald einen Draht zueinander und unternehmen Dinge, von denen Vivi kurz zuvor wohl nicht einmal geträumt hätte.

Schauspielerische Glanzleistungen

Mit Witz und Komik beginnt der Film von Bernadette Knoller vielversprechend. Glaubwürdig und kurzweilig baut sie die Story um ihre Protagonistin auf. Leider verliert „Ferien“ zusehends den Roten Faden, bis man sich - ähnlich wie Vivi und Biene – auf die Suche nach Orientierung begibt, die man den restlichen Film lang vergeblich sucht. Auch ein stimmiges Ende sucht man vergeblich, denn ein wirklicher Schlusspunkt fehlt dem Film genauso wie die Antwort auf die Frage, ob Vivi denn nun auf der Insel zu sich selbst gefunden hat oder nicht.

Ein Lichtblick in einem ansonsten über weite Strecken mittelmäßigen Film ist Britta Hammelstein. Sie verkörpert die nörgelige und antriebslose Vivi in Gestik und Mimik so überzeugend, dass den Zuschauer zwischenzeitlich der Drang überkommt, die Protagonistin schütteln zu wollen, um sie endlich aus ihrer Lethargie aufzuwecken. Auch wenn Vivi wegen ihrer nervigen Antriebslosigkeit sicher nicht die sympathischste Figur der Filmgeschichte ist, wurde Britta Hammelstein vollkommen zurecht für den Preis der besten Nachwuchsdarstellerin des Filmfestivals Max Ophüls Preis nominiert. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Detlev Buck in der Rolle von Vivis Vater und Biene-Darstellerin Inga Busch, die mit ihrer schauspielerischen Leistung immer wieder für Schmunzler sorgen.

Regie: Bernadette Knoller
Schweiz 2015

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