Fado: Eine tragische Liebesgeschichte

Fado

Eine Rezension von Annabell Brockhues   20.01.2016 | 20:00 Uhr

Wie viel Eifersucht verträgt eine Beziehung? Wie viel Angst kann das zerstören, was man sich am meisten wünscht im Leben? Fabian wünscht sich am liebsten Doro zurück, seine verflossene Liebe. Doch je mehr er versucht, sie wieder an sich zu binden, desto mehr scheint sie ihm zu entgleiten. Eine gut dargestellte Achterbahn der Gefühle, die Fabians Qualen nahezu erlebbar machen.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Als eine Patientin in der Notaufnahme stirbt, wird Fabian (Golo Euler) klar, dass er etwas an seinem Leben ändern muss: Er will Doro (Luise Heyer) wieder haben. Fluchtartig verlässt er Berlin und fährt nach Lissabon, wo seine Ex-Freundin als Architektin arbeitet. Als er sie das erste Mal wiedersieht, strahlt er wie ein frischverliebter Teenager. Doro ist weniger begeistert von dem spontanen Besuch – der alte Schmerz kommt wieder hoch, die alte Liebe steht beklemmend zwischen ihnen.

Zwischen Liebe und Misstrauen

Schnell wird deutlich, warum die Beziehung damals auseinandergebrochen ist: Fabians fast krankhafte Eifersucht. Aber diesmal scheint alles anders zu sein: Er sucht sich eine eigene Wohnung, fängt einen Sprachkurs an, hilft als Freiwilliger in einer Krankenstation aus. Doch sobald er Doro mit anderen Männern sprechen, lachen und tanzen sieht, schnürt sich seine Kehle merklich zu – und er wird zu einem verunsicherten kleinen Jungen.

Lieblingszitat: „Ich dachte du weißt nicht, ob du mich noch liebst“, Doro zu Fabian, als er auf einmal in Lissabon vor ihr steht

Vor allem die enge Beziehung zwischen Doro und ihrem Kollegen Francisco ist Fabian ein Dorn im Auge. Er fängt an zu stöbern – durchsucht ihr Handy, ihre Kamera, ihre Tasche. Er beginnt sie auszuquetschen. Doro streitet die Affäre mit Francisco ab, aber Fabian kann ihr nicht glauben. Seine Eifersucht bringt ihn dazu, Doro heimlich zu verfolgen, ihr nachzustellen. Als Doro ihn lauschend an einer Hoteltür findet, zerbricht die Beziehung. Fabian scheint vernünftig zu werden – bis er Doro zufällig mit einem anderen sieht.

Die Tretmühle der Eifersucht

Immer wieder aufkeimende Eifersucht bestimmt tretmühlenartig den Film. Sie steigert sich langsam, führt immer zu kleinen Spannungsspitzen. Dadurch hat der Film auch seine Längen. Zum Ende hin verliert die Geschichte leider etwas und schließt nicht richtig ab.

Für Regisseur Jonas Rothlaender geht es nur vordergründig um Eifersucht: „Es sind Ängste, die wir alle kennen. Wir versuchen, sie zu ignorieren, und hoffen, ihnen dadurch zu entkommen. Mit der Folge, dass diese verdrängten Ängste sich umso heftiger entladen.“ Es geht um die Angst, die Kontrolle zu verlieren, nicht gut genug zu sein. Konkurrenzdenken und Misstrauen bestimmen „Fado“. Fabians Realität wird durch seine fast krankhafte Eifersucht mit Wahnvorstellungen versetzt – bis auch der Zuschauer nicht mehr weiß, was Realität ist und was sich nur vor Fabians innerem Auge abspielt.

Erlebbare Gefühlsachterbahn

Golo Euler als Fabian transportiert diese Ängste vorwiegend durch seine Körpersprache. In überzeugender Weise macht er die Qual seiner Figur für den Zuschauer erlebbar. Auch Luise Heyer als Doro gestaltet die Achterbahnfahrt zwischen aufrichtiger Liebe und Verletzung sehr intensiv und kompromisslos. Beide wurden zu Recht für den Nachwuchsdarstellerpreis nominiert.

Regie: Jonas Rothlaender
Deutschland, Portugal 2016

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