Szene aus dem Film (Foto: Verleihfirma)

Einer von uns

Eine Rezension von Christian Schwarz   20.01.2016 | 20:00 Uhr

Atmosphärische Bilder und überzeugende Darsteller. Stephan Richters „Einer von uns“ zeigt einen Mikrokosmos, in dem die Protagonisten jeder für sich mit Problemen des Lebens zu kämpfen haben. Zugleich wirft der Film einen kritischen Blick auf unsere Konsumgesellschaft.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Ein Supermarkt im ländlichen Österreich und dessen Umgebung bilden den Rahmen für Stephan Richters „Einer von uns“. Drinnen ein scheinbar perfekt durchorganisierter Minikosmos, wo alles im Überfluss vorhanden ist – draußen ein trostloser Parkplatz voller junger Menschen, auf der Suche nach sich selbst. Einer davon ist der 14-jährige Julian (Jack Hofer), der vor dem Supermarkt den gerade aus dem Jugendknast freigekommenen Marko (Simon Morzé) kennenlernt. Eine Begegnung, die zu einem tragischen Zwischenfall in der bunten Warenwelt des Supermarktes führen soll.

Lieblingszitat: „Was willst du, du Opfer?“

Richter gelingt es, die beiden so unterschiedlichen Welten bildgewaltig in Szene zu setzen. Oftmals erwarten den Zuschauer ruhige, atmosphärische Sequenzen, die eine gewisse Beklemmung auslösen. Denn schnell zeigt sich, dass auch innerhalb der bunten und durchgestylten Welt des Supermarktes mehr Schein als Sein vorhanden ist. Eine Botschaft, die durchaus auch als Kritik am Kapitalismus und der Konsumgesellschaft verstanden werden kann.

Realer Hintergrund

Auf dem Parkplatz ist die Trostlosigkeit ebenfalls greifbar, mündet unter anderem in Respektlosigkeit, Vandalismus und Alkoholkonsum. Dabei zeigen die Darsteller eine überzeugende Leistung, auch wenn der österreichische Akzent nicht immer leicht zu verstehen ist. Insgesamt wirkt die Handlung sehr realitätsnah, die Unzufriedenheit der Protagonisten ist stets auch als Beobachter spürbar. Gleichzeitig merkt man, wie die Geschichte immer weiter auf ihren Höhepunkt zusteuert, der schließlich in Form einer tragisch endenden Aktion erreicht wird. Umso betroffener macht die Tatsache, dass eben dieses tragische Ereignis tatsächlich passiert ist und die Grundlage für Richters Drehbuch bildete.

Regie: Stephan Richter
Österreich 2015

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