Szene aus dem Film (Foto: Verleihfirma)

Eine neue Zeit

Eine Rezension von Katrin König   18.01.2016 | 20:00 Uhr

Der Zweite Weltkrieg hat Spuren bei dem Kriegsrückkehrer Jules hinterlassen. Statt eines ruhigen Lebens in seinem luxemburgischen Heimatdorf, findet er sich schon bald in einer moralischen Zwickmühle und einem Mordfall wieder. Ein feinsinnig erzähltes Nachkriegsdrama, das unbedingt sehenswert ist.

Bewertung: Drei von drei Herzen

Luxemburg 1945, Jules kehrt nach drei Jahren Krieg und Kampf gegen die Nazis in sein Heimatdorf zurück. Hinter ihm liegen Folter, Gefangenschaft und grausame Erinnerungen. In seiner alten Heimat ist nach dem Krieg nichts mehr so wie es einmal war: Jules Schwester steht kurz vor ihrer Verlobung, seine frühere Freundin Léonie arbeitet ausgerechnet auf dem Bauernhof eines Deutschen als Magd und scheint nicht gerade begeistert von der Rückkehr des Kriegshelden zu sein, Jules Vater befindet sich im Arbeitslager. Nach anfänglicher Zurückhaltung nähern sich Jules und Léonie wieder an. Als ihr Arbeitgeber Peter anonyme Morddrohungen erhält, bittet Léonie Jules, der mittlerweile bei der Gendarmerie arbeitet, der Sache auf den Grund zu gehen. Jules nimmt die Drohungen aber nicht ernst und möchte Léonie den Umgang mit dem deutschen Peter untersagen.

Kurze Zeit später wird die Bauersfamilie brutal ermordet auf dem Hof aufgefunden. Auch Léonie ist unter den Opfern. Die Gendamerie geht von einem Raubmord aus. Doch als Jules die anonymen Morddrohungen findet, glaubt er nicht mehr an die Theorie seines Vorgesetzten und macht sich auf die Suche nach den wahren Hintergründen der Tat.

Düstere Stimmung und starke Bilder

Bedrückend und gleichzeitig bewegend erzählt Regisseur Christophe Wagner sein Nachkriegsdrama, das in einem kleinen Ort in Luxemburg spielt. Die spannende Erzählweise, bildgewaltige Aufnahmen und die starke musikalische Begleitung, für die André Dziezuk verantwortlich war, sowie die absolut professionelle Bildgestaltung und Kameraführung machen "Eine neue Zeit" zu einem sehenswerten Film.

Überzeugend verkörpert Luc Schiltz den vermeintlichen Kriegshelden Jules, in dessen Inneren sich ein Konflikt entspinnt, der ihn bis in seine Träume verfolgt. Und ähnlich wie Jules muss sich ein ganzes Dorf die Frage nach Moral und Wahrheit stellen und entscheiden, wie viel Wahrheit die Gesellschaft in der Lage ist zu ertragen.

Regie: Christophe Wagner
Luxemburg, Belgien 2015

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