Werkstattgespräch mit Doris Dörrie (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Probiert euch aus!"

Felicitas Fehrer   24.01.2018 | 21:06 Uhr

Doris Dörrie ist Ehrenpreisträgerin des diesjährigen Festivals. Sie gehört zu den erfolgreichsten Erzählerinnen des deutschen Kinos. Bis dahin war es ein langer Weg, auf dem sie vor allem eines gelernt hat: Wer gute Filme machen will, muss mit offenen Augen durchs Leben gehen.

Bis in die 80er Jahre reicht die Verbindung zwischen Doris Dörrie und dem Saarbrücker Filmfestival zurück. Mit ihrem Film "Mitten ins Herz" gewann sie 1984 den damals ersten Publikumspreis in der Kategorie Spielfilm. Seitdem ging es für die gebürtige Hannoveranerin steil bergauf: Nur ein Jahr später lockte sie mit "Männer" fünf Millionen Kinozuschauer vor die Leinwand. "Seit 20 Jahren ist auf die Inspirationsquelle Dörrie immer Verlass“, so Festivalleiterin Svenja Böttger.

"Wir wollen im Kino nicht nicht unterhalten werden"
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"Wir wollen im Kino nicht nicht unterhalten werden"

Ängste nutzen

Heute schreibt Dörrie nicht nur Drehbücher, sondern auch Romane – und nebenbei unterrichtet sie auch noch Studenten an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. "Als ich damals studiert habe, habe ich es vermisst, dass Kreatives Schreiben nicht unterrichtet wurde", erklärt Dörrie. "Alle sagten immer, man müsse nicht unbedingt Schreiben lernen, um Filme zu machen." Sie selbst habe sich das Drehbuchschreiben damals mühsam selbst beigebracht. Heute gibt sie dieses Wissen an ihre Studenten weiter.

Eindrücke vom Werkstattgespräch

"Viele Studenten, die heute an die Uni kommen, haben bereits ein großes Wissen, verschiedene Praktika beim Film absolviert und eine genaue Vorstellung von Formaten, denen sie sich widmen wollen", so Dörrie. Und genau das versucht sie ihnen auszutreiben. "Ich sage immer zu meinen Studenten: 'Nutzt die Spielwiese, die ihr während des Studiums habt, so lange ihr könnt. Probiert euch aus, löst euch von festen Vorstellungen und versucht vor allem, eure eigene Stimme zu finden'." Auch müssten die Studenten lernen, ihre Ängste zu erkennen und sie als "Benzin zu begreifen, das sie weiter nach vorne bringt".

Die Realität mit geschärften Sinnen aufsaugen – das macht für Doris Dörrie ein gutes Drehbuch aus. "Schreiben besteht zu 80 Prozent aus Zuhören und Zusehen. Das menschliche Verhalten studieren. Die eigene Fähigkeit trainieren, zu begreifen: 'Wie sehe ich diese Welt?'"

Vertrauen schafft Kreativität

Ein Treffen mit der Ophüls-Ehrenpreisträgerin Doris Dörrie
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Ein Treffen mit der Ophüls-Ehrenpreisträgerin Doris Dörrie

Bei ihren Filmprojekten greift Dörrie immer wieder auf dieselben Schauspieler zurück – darunter Hannelore Elsner und Ulrike Kriener. Für die Drehbuchautorin hat das etwas mit Vertrauen zu tun. "Mit manchen Menschen bleibt man gerne in Arbeit verbunden – denn man weiß, dass man sich auf sie verlassen und seine Kreativität voll ausleben kann. Das bringt große Freiheiten mit sich, die sehr wertvoll sind", erklärt sie.

Derzeit plant sie ein neues Projekt. Allzu viel verraten möchte sie aber noch nicht: "Es ist wie immer ein Drahtseilakt, das Geld für die Umsetzung zusammenzubekommen. Aber die Idee steht."


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