Sophie macht Theater (Foto: Filmteam)

Filmvorführung trotz Absage

Annabell Brockhues   19.01.2019 | 17:24 Uhr

Mit seinem Diplomfilm „Sophie macht Theater“ hatte sich Moritz Lenz beim Filmfestival Max Ophüls Preis beworben – und wurde abgelehnt. Dennoch ist er mit seinem Team nach Saarbrücken gekommen und hat den Film am Samstag in einer Privatvorstellung vor Publikum gezeigt. Nicht aus Trotz, sondern aus Lust am Film.

Das Filmteam von „Sophie macht Theater“  (Foto: Pasquale D'Angiolillo )
Das Filmteam von „Sophie macht Theater“

In den vergangenen Tagen ist Filmemacher Moritz Lenz über das Festival gezogen und hat für seinen Diplomfilm „Sophie macht Theater“ Werbung gemacht – mit Visitenkarten, Film-Flyern, bedruckten Streichholzschachteln. Und einem Herzlocher. Anstatt aber nur von seinem Film zu erzählen, hat er zu einer Privatvorstellung eingeladen: "Es ist ein Unterschied, ob man den Film als Stream oder im Kino sieht. Ich sage, nehmt die Kinoatmosphäre mit, seht das Potenzial." Sind die Leute interessiert, schreibt er ‚Eintrittskarte’ auf den Flyer und stempelt mit dem Herzchenlocher ab.

Für diese Privatvorstellung hat Lenz das Kino achteinhalb gemietet. Es ist das erste Mal, dass der Film außerhalb der Filmakademie Baden-Württemberg gezeigt wird. Keine richtige Premiere, eher eine Pressevorführung, sagt Produzent Chris Dohr. "Wir haben einfach Lust, den Film zu zeigen", begründet Schauspielern Godje Hansen, die die Hauptfigur Sophie spielt, die Entscheidung. So ein Abschlussfilm sei immer mit Hoffnungen verknüpft, sagt Lenz. Nach Absagen von verschiedenen Filmfestivals sei die Privatvorführung in Saarbrücken "eine Befreiung aus der Depression". Es gebe immer Wege, einen Film zu zeigen.

Vorstellung soll keine Konkurrenz zu Ophüls sein

Das Team legt großen Wert darauf, nicht als Konkurrenzveranstaltung zum Festival verstanden zu werden: "Wir wollen niemandem den Rang ablaufen", sagt Hansen. Daher habe man auch bei der Terminauswahl darauf geachtet, dass die Vorführung so wenig wie möglich mit anderen Filmvorstellungen kollidiert. Und dennoch gibt es einen bestimmten Grund, warum das Team "Sophie macht Theater" während der Festivalwoche zeigen wollte: "Das Festival ist unglaublich persönlich", sagt Dohr, der bereits 2018 als Produzent mit einem Kurzfilm in Saarbrücken war. Der direkte Kontakt zu anderen Filmemachern, den Organisatoren und der Bevölkerung sorge für einen ganz anderen Input als auf anderen Festivals. "Es ist einfach schön, wenn außer Fimschaffenden auch andere Menschen im Kino sind."

Inhalt: Sophie macht Theater

Sophie, gespielt von Godje Hansen, ist fast 30 und auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Geregelte Arbeitszeiten und ein regelmäßiges Einkommen als Sachbearbeiterin einer Versicherung, gemeinsame Wohnung mit dem Partner – das scheint nicht so recht zu ihr zu passen. Als ihr der Wohnungsschlüssel einer Theaterregisseurin in die Hände fällt, beginnt sie sich wie die Regisseurin zu kleiden und zu geben – exzentrischer, schicker, künstlerischer.

Der Kontakt zum Kino achteinhalb kam über Schauspieler Fridolin Sandmeyer zustande. Der gebürtige Saarbrücker spielt ebenfalls in dem Diplomfilm mit und hat privat Kontakte zum Kino – "im wahrsten Sinne eine saarländische Lösung", so Sandmeyer. "Der Kinobetreiber war sehr offen. Er hat sich den Trailer angeguckt und wollte uns mit dem Screening gerne unterstützen", erzählt Lenz. Einziger kritischer Punkt: Er dürfe öffentlich keine Werbung machen für die Vorführung im achteinhalb, weil es eine Privatveranstaltung sei. Mundpropaganda ja, Filmplakate nein.

Private Vorführung nicht ungewöhnlich

Auf Anfrage von SR.de sagte der Verantwortliche Waldemar Spallek, er wolle den Nachwuchs unterstützen. Daher biete er das Kino achteinhalb als Blackbox für private Vorführungen oder Vorab-Screenings an – für ihn nichts Ungewöhnliches. Allerdings wolle er auch keine Konkurrenz zum Max-Ophüls-Festival sein oder sich illoyal zeigen. Daher sei so eine Veranstaltung nur in einem geschlossenen Rahmen möglich. Lenz sei sehr offen gewesen, was die Absage vom Festival anginge – "das ist etwas kritischer, aber er hat das Kino gemietet", erklärt Spallek seine Position. Er könne gut verstehen, dass das Team einen Kinofilm auch in einem Kino vor Publikum zeigen wolle. Für ihn stehe die Vorführung im Dienste der Weiterentwicklung der Filmschaffenden.

Das Filmfestival Max Ophüls Preis sieht in dieser privaten Filmvorstellung kein Problem. Es sei toll, dass die Filmemacher diese Gelegenheit nutzen. Solange der Name des Festivals nicht benutzt werde, gebe es kein Problem.

Hier wird deutlich, wofür das Filmfestival Max Ophüls Preis steht: Es ist nicht nur eine Plattform zum Filme schauen, sondern bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich am Rande und abseits vom Festival zu vernetzen.


Rund um Ophüls 2019
"Das melancholische Mädchen" von Susanne Heinrich hat den Hauptpreis des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis gewonnen. Der Publikumspreis für den besten Spielfilm ging an "Kaviar". Hier gibt es alle Infos zum Festival 2019.