Standbild aus „Nothing more perfect“ (Foto: MEAKSMY Films/Johannes Brugger)

Nothing more perfect

Eine Rezension von Leonie Rottmann  

In einer Welt voller Schönheitswahn, oberflächlicher Gespräche und streitender Eltern findet die 16-jährige Maya sich nicht mehr zurecht. Sie sehnt den Tod herbei. Anfangs sind es noch vage Vorstellungen, die im Laufe des Films zu einer realen Bedrohung werden.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Nothing more perfect: "Eine nicht greifbare Traurigkeit"
Video [SR.de, (c) SR, 25.01.2020, Länge: 06:28 Min.]
Nothing more perfect: "Eine nicht greifbare Traurigkeit"

Maya (Lilia Herrmann) ist unglücklich: Sie fühlt sich zu dick, eifert ihren sportlichen Freundinnen nach und ihre Eltern nehmen sie nicht ernst. Sie möchte nicht mehr leben und spricht in Live-Videos in einem Online-Suizid-Forum mit ihren Followern über verschiedene Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen. Eigentlich möchte sie ihr Umfeld aber nur ein Mal in Schrecken versetzen.

Das ändert sich allerdings, als Maya mit ihren, eigentlich getrennten, Eltern für einen Kurzurlaub nach Prag reist. Während ihre Eltern nur Spaß und Alkohol im Kopf haben, lernt Maya in einer Bar einen drogendealenden Medizinstudenten aus Prag kennen. Durch diese Bekanntschaft konkretisieren sich ihre Selbstmordpläne nach und nach in eine gefährliche Richtung.

Von Essstörungen bis Selbstmord

SR 1 Festivaltipp
Nothing more perfect

Regisseurin Teresa Hoerl spricht mit der Figur von Maya etwas zu ambitioniert viele gesellschaftlich relevante Themen an, führt sie aber nicht zu Ende: Eher nebensächlich für die Geschichte ist zum Beispiel das recht oberflächlich behandelte Schönheits- und Schlankheitsideal, das Maya durch Diäten und exzessiven Sport erreichen möchte.

Durch Selfie-Aufnahmen während ihrer Live-Videos bekommt der Zuschauer Einblicke in Mayas innere Zerrissenheit. Sie sucht Menschen, die ihr zuhören und ihr helfen, denn ihre Eltern tun es nicht, auch wenn sie sie darum bittet. Schauspielerin Lilia Herrmann zeigt ein wenig affektiert, wie sich die junge Frau stattdessen entscheidet, zu lächeln und den Schein zu wahren.

Außerdem blendet die Regisseurin immer wieder Kommentare der Follower ein, die Maya in ihren Vorhaben unterstützen. „Du musst das Wasser einatmen!“, kommentiert ein Zuschauer eines ihrer Videos, während sie unter Wasser in der Badewanne liegt. Auf erschreckende Weise wird in diesen Szenen deutlich, wie gefährlich Online-Foren sein können.

Platz für Interpretationen

Die Frage nach den Gründen für Mayas Traurigkeit lässt die Geschichte offen. „Der eigentliche Grund ist, dass es keinen gibt“, sagt Maya selbst. Dennoch deutet die Regisseurin in verschiedenen Szenen immer wieder mögliche Gründe an: Von der zerrütteten Ehe ihrer Eltern bis hin zu Freundinnen, die die 16-Jährige zu einer Schönheitsoperation drängen wollen.

Der Film zeigt zweifellos, wie schlecht es einem jungen Menschen gehen kann, dem es eigentlich gut gehen sollte. „Ich wohne nicht in einem Slum in Indien. Es gibt andere Mädchen, die sind Sex-Sklavinnen im IS. Ich darf nicht traurig sein. Genau das ist es: Dass ich nicht traurig sein darf.“ – Sätze, die trotz meist fehlender Tiefe im Film nachdenklich machen.

Regie: Teresa Hoerl
Deutschland 2020


Die Spielfilme im Wettbewerb
Diese 16 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konkurrierten um insgesamt neun Preise, darunter um den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis: Bester Spielfilm.

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