Andreas Berg und Niclas Mehne von Schlussklappe (Foto: SR)

"Eine Liebeserklärung an das Festival"

Das Interview führte Anne Schubert   17.01.2019 | 21:52 Uhr

Das Filmfestival Max Ophüls Preis steht jedes Jahr dick im Kalender von Andreas Berg und Niclas Mehne. Dieses Jahr haben sich die Filmemacher etwas Besonderes überlegt: In ihrem Film „Schlussklappe“ soll das Festival eine zentrale Rolle spielen. Um diese Idee zu verwirklichen, mussten einige Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Vor einem Jahr ist die Idee zum Film entstanden. Jetzt liegen bereits die ersten Drehtage hinter dem Team der Filmproduktion „Schlussklappe“. „Das Tempo, das wir hier vorlegen, ist schon sportlich“, erzählt Produzent Andreas Berg. Denn Autor Niclas Mehne hat ganz gezielt das 40. Jubiläum für die Dreharbeiten ausgesucht.    

SR.de: Herr Mehne, wie ist die Idee zu dem ungewöhnlichen Drehbuch von „Schlussklappe“ entstanden?

Niclas Mehne: Als ich letztes Jahr hier auf dem Max Ophüls Festival war, habe ich mich gefragt, warum es keinen Film gibt, der die Welt eines Filmfestivals zeigt? Viele Zuschauer wissen nicht, wie es für Filmschaffende nach einer Filmaufführung weitergeht. Es sieht immer nach Party aus. Doch die Wahrheit ist, dass ein Festival Arbeit bedeutet. Die Abende werden genutzt, um Kontakte für die weitere Karriere zu knüpfen. Dieses Bild wollte ich einfach mal zeigen.

SR.de: Warum war sofort klar, dass der Film auf dem Max Ophüls Festival spielen muss und nicht auf einem anderen Festival?

Andreas Berg: Das ist einfach zu beantworten. Ich komme seit acht Jahren hierher. Das Festival ist gerade im Vergleich zu vielen anderen Festivals sehr herzlich. Abends kommen alle in Lolas Bistro zusammen. Es ist relativ leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das ist bei anderen Festivals, wie der Berlinale, nicht der Fall. Da wird zum Teil auch eine Zweiklassengesellschaft aufgemacht, wo manche Gäste nicht auf jede Veranstaltung dürfen. Hier darf jeder mit jedem reden. Der Film ist also auch eine Liebeserklärung an das Festival.

SR.de: Ist es anders bei einem laufenden Event zu drehen als bei anderen Drehorten?

Andreas Berg: Ja, auf jeden Fall. Es gibt ein paar mehr Dinge, auf die wir achten müssen. Wir sind hier natürlich zu Gast und können nicht erwarten, dass alle ruhig sind, wenn wir eine Dialogszene drehen wollen. Aber es gibt Wege, um das zu umgehen. Am Donnerstag haben wir zum Beispiel ganz früh am Morgen eine Szene an der Kinokasse gedreht, als noch niemand da war. Und in Lolas Bistro drehen wir tagsüber, wenn es geschlossen hat. Da arbeiten wir dann mit Komparsen, damit wir ein klassisches Set haben. So können wir ohne Druck an den Dialogen arbeiten.

Niclas Mehne: Svenja Böttger, die Festivalleiterin, war und ist uns eine große Hilfe. Wenn sie "Nein" gesagt hätte, hätten wir den Film nicht realisieren können. Vielleicht wäre es möglich gewesen, den Film auf einem anderen Festival zu drehen, doch das wäre nicht das Gleiche gewesen. Dann hätten wir den Film nicht gemacht.

SR.de: Wie schwierig ist es, den Film zu realisieren?

Niclas Mehne: Es ist nicht einfach. Wir bekamen das Feedback, dass das Thema zu nischig ist. Dass es ein Film von Filmemachern über Filmemacher für Filmemacher ist und es wurde gefragt, wo denn das breite Publikum bleibt? Die Bedenken kann ich auf der einen Seite verstehen, doch auf der anderen Seite ist das Drehbuch schon so geschrieben, dass die Themen größer sind. Es geht auch um Selbstverwirklichung, um Familiengründung und solche Dinge. Nach dem Festival starten wir deswegen noch eine Crowdfunding-Aktion, um noch ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen.

Andreas Berg: Es ist schon eine große finanzielle Belastung, weil wir eben keine Förderung erhalten haben. Im Low-Budget-Bereich hat es auch viel mit Selbstausbeutung zu tun. Man glaubt an ein Projekt und steckt alles rein, was man hat.

SR.de: Ist das auch ein Punkt, der im Film thematisiert werden soll?

Niclas Mehne: Ja, durchaus. Es geht in dem Film auch ein bisschen darum, zu zeigen, unter welchem Druck Filmschaffende zum Teil stehen. In einem Handlungsstrang wird zum Beispiel erzählt, wie ein Schauspieler gesagt bekommt, dass er zu alt geworden ist.

SR.de: Die Idee zum Film ist auf dem Max Ophüls Festival entstanden, der Film spielt hier zum größten Teil. Soll er auch in Saarbrücken uraufgeführt werden?

Andreas Berg: Ja, das ist das Ziel. Wir hoffen, dass wir mit der Post-Produktion so schnell fertig sind, dass wir den Film zur 41. Festivalausgabe einreichen können. Wir würden uns sehr freuen, wenn der Film nächstes Jahr auf dem Festival Premiere feiert. Das wäre irgendwie auch die logische Konsequenz aus allem.


Rund um Ophüls 2019
"Das melancholische Mädchen" von Susanne Heinrich hat den Hauptpreis des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis gewonnen. Der Publikumspreis für den besten Spielfilm ging an "Kaviar". Hier gibt es alle Infos zum Festival 2019.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja