Valesca Peters (Foto: SR/Carla Sommer)

Valesca Peters, ihre Mutter und Helmut Berger

Das Interview führte Carla Sommer   17.01.2019 | 12:39 Uhr

Eigentlich wollte Regisseurin Valesca Peters ein Porträt über Helmut Berger, den einst „schönsten Mann der Welt“, drehen. Doch als die Mutter der Regisseurin sieht, was aus ihrem damaligen Idol geworden ist, beschließt sie kurzerhand, Berger zu sich zu holen – in eine 700 Seelen-Gemeinde irgendwo in Niedersachsen. Über ihren ungewöhnlichen Film, das Zusammenleben mit Berger und darüber, warum das Projekt beinahe gescheitert wäre, spricht Valesca Peters im Interview mit SR.de.

SR.de: Woher hattest du den Mut für so ein unberechenbares Filmprojekt?

Valesca Peters: Dadurch, dass eigentlich meine Mutter die Idee hatte, hatte das gar nicht so viel mit Mut zu tun. Es war eher so, wie wenn eine Mutter zu ihrem Kind sagt, wie etwas zu machen ist und dann wird das auch so gemacht. Sie hatte die Idee und sie hatte auch den Mut und ich bin da eher so reingeraten.

SR.de: "Wie hast du reagiert, als deine Mutter mit dieser Idee zum ersten Mal um die Ecke kam?"

SR Lounge: Helmut Berger, meine Mutter und ich
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2019, Länge: 06:49 Min.]
SR Lounge: Helmut Berger, meine Mutter und ich

Peters: Ich habe sie nicht ernst genommen. Meine Mutter hat in ihrem Leben schon sehr viele Ideen gehabt, besonders für Fernsehsendungen. Das ist so ein kleines Faible von ihr und dann lachen meine Schwester und ich normalerweise immer nur. Aber dieses Mal war sie sich sicher, dass sie das wirklich machen will und hat sich da auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

SR.de: War es für dich komisch, dass es in dem Film auch um dich und deine Familie geht?

Standbild aus dem Dokumentarfilm „Helmut Berger, meine Mutter und ich“ (Foto: Kobalt Documentary)
Helmut Berger

Peters: Ich hatte eher ein Porträt im Kopf, so einen experimentellen Dokumentarfilm, der sich auch mit der Kunstfigur Helmut Berger beschäftigt. Mir war auf jeden Fall nicht klar, dass daraus später auch ein Familienfilm daraus werden würde. Wir hatten dann unseren ersten Drehs in Paris, Berlin und Salzburg und ich dachte, ich tauche jetzt richtig in das Leben von Helmut Berger ein. Aber zwei Wochen später ruft mich meine Mutter an und sagt: „Helmut Berger kommt jetzt nach Nordsehl (Ort in Niedersachen, Anm. d. Red.), dem geht es nicht gut, wir müssen was machen!“

SR.de: Normalerweise hält man sich in einem Dokumentarfilm ja eher zurück und beobachtet…

Peters: Ja, ich war dann auch echt sauer auf meine Mutter, dass sie mich erst reinholt in dieses Projekt und dann so ein Sozialprogramm daraus macht. Aber dann habe ich durch diesen familiären Zugang eine ganz andere Möglichkeit gehabt, ihn kennenzulernen. Wir haben Filme geguckt, Nudeln gekocht und waren einkaufen. Ich hatte dadurch einen ganz anderen Kontakt zu ihm, als wenn man mit einem Drehteam hingefahren wäre.

Max Ophüls Festival-Filmtipp: Helmut Berger, meine Mutter und ich
Audio [SR 3, (c) Barbara Grech, 17.01.2019, Länge: 05:51 Min.]
Max Ophüls Festival-Filmtipp: Helmut Berger, meine Mutter und ich

SR.de: Gab es einen Punkt in dem Projekt, an dem du dachtest, es scheitert oder er steigt aus?

Peters: Mehrfach! Ständig! Es gab unglaublich viele Konflikte, vor allem zwischen meiner Mutter und Helmut. Die waren wie ein altes Ehepaar, weil sie so zwei willensstarke Charaktere sind. Darum hat es echt oft gekracht und dann war ich immer dazwischen. Das hat wiederum auch zu Konflikten zwischen mir und meiner Mutter geführt und dann haben wir oft gedacht, dass das Projekt wohl doch zum Scheitern verurteilt ist.

Standbild aus dem Dokumentarfilm „Helmut Berger, meine Mutter und ich“ (Foto: Kobalt Documentary)
Standbild aus dem Dokumentarfilm „Helmut Berger, meine Mutter und ich“

SR.de: Würdest du sagen, dass Helmut Berger zum Schluss auch ein Teil eurer Familie war?

Peters: Es gab Phasen, da würde ich sagen, da war das so, weil wir alle sehr eng miteinander waren. Aber dann hat sich das auch wieder aufgelöst. Vielleicht ist dazu auch die Zeit, diese zwei Jahre, die wir zusammengearbeitet haben, irgendwie zu kurz gewesen. Aber er ist auf jeden Fall bis heute ein guter Freund.

SR.de: Weißt du, wie es Helmut Berger seitdem ergangen ist?

Peters: Ich weiß, dass er mit dem Regisseur der Berliner Volksbühne nochmal zusammengearbeitet hat und wohl auch noch ein paar Angebote kamen, aber so genau weiß ich es nicht. Er lebt jetzt wieder in Salzburg.

SR.de: Habt ihr den Menschen Helmut Berger verändert?

Peters: Wir haben es auf jeden Fall geschafft, ein anderes Bild von ihm zu vermitteln, als das, was man in den letzten Jahren aus dem Fernsehen von ihm kannte. Viele, die ihn vorher nicht kannten, haben dann auch mal angefangen zu gucken, wer denn dieser Mensch eigentlich ist und das freut mich dann, weil er jetzt durch diesen Film vielleicht ein bisschen vielschichtiger geworden ist.