Gabriella Bandel, Max Ophüls Festivalleiterin (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

„Es ist nie geklärt worden, warum und wieso.“

Das Interview führte Annabell Brockhues   18.01.2019 | 10:23 Uhr

Fast zwei Jahrzehnte lang war Gabriella Bandel beim Filmfestival Max Ophüls Preis, seit 2008 als Leiterin. Vor drei Jahren verließ sie das Festival. Anlässlich des 40. Jubiläums ist sie wieder nach Saarbrücken gekommen. Im Gespräch mit SR.de erzählt Bandel von ihrem Weggang und wie es ist, wieder auf dem Festival sein.

SR.de: Ihr Abschied vom Filmfestival vor drei Jahren war sehr emotional. Sie wurden auf der Preisverleihung unter stehenden Ovationen verabschiedet, obwohl Sie das eigentlich gar nicht wollten.

Gabriella Bandel: Ich hatte im Vorfeld gesagt, dass ich keine große Verabschiedung möchte, schon gar nicht bei der Preisverleihung. Es ist eine Woche lang Programm gelaufen, da ist diese Anspannung am letzten Abend – und dieser Abend ist der wichtigste auf dem Festival. Das passte für mich nicht. Umso überraschter war ich, als ein Film zu meinem Abschied gezeigt wurde, der ja auch teilweise sehr emotional war. Ich hatte mich so gut vorbereitet mit einer Rede, aber nach der Aktion habe ich gar nichts mehr gesagt. Nur so einen ganz dämlichen Satz, dass ich jetzt Zeit habe mit allen Kaffee zu trinken. Etwas, das eigentlich nicht gesagt werden wollte oder sollte.

Zur Person

Fast 20 Jahre lang hat Gabriella Bandel beim Filmfestival Max Ophüls Preis gearbeitet. Angefangen im Büro und der Akkreditierung, übernahm sie 2002 nach Christel Drawers Weggang kurzzeitig die kommissarische Leitung des Festivals. Boris Penth nahm sich bald der Gesamtleitung an, Bandel leitete den Kurzfilmbereich. 2008 übernahm Bandel dann das Festivals, bis sie den Max Ophüls Preis und Saarbrücken 2016 verließ.

SR.de: Sie haben damals nicht nur das Festival verlassen, sondern auch Ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegt.

Bandel: Das war ganz furchtbar, aber mir blieb nichts anderes übrig. Für mich gab es hier in Saarbrücken keine Aufgabe im Kulturbereich. Das fand ich sehr schade, weil ich hier über zwanzig Jahre gelebt habe, meine Kinder sind hier geboren, meine ganzen Freunde sind hier. Wenn ich jetzt im Nachhinein darauf schaue, dann ist das ein Punkt, den ich sehr unterschätzt habe. Ich habe nicht berücksichtigt, wie schwierig es in meinem Alter ist, umzuziehen.

SR.de: Wie ist es heute für Sie, als Jubiläumsgast wieder in Saarbrücken und auf dem Filmfestival zu sein?

Bandel: Es ist ungewohnt. Ich freue mich – für mich ist das Festival, wie für alle Festivalleiter oder langjährige Mitarbeiter, wie ein Kind. Und da ist es ja auch so, dass man bei runden Geburtstagen dabei ist, das gehört sich einfach. Aber es ist komisch, das gebe ich zu. Mein Weggang war ja nicht unbelastet. Es ist nie geklärt worden, warum und wieso. Ich wollte gehen, aber es war wie ein Eklat. Und das macht es ein bisschen schwerer, als hätte ich einfach nur aufgehört. Bei manchen Leuten bin ich anscheinend auch nicht willkommen. Aber ich gehe erhobenen Hauptes da durch. Ich bin stolz darauf, was ich mit dem Team geleistet habe und wie sich das Festival in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. Dafür haben wir die Saat gelegt. Mit meiner Filmauswahl habe ich oft ins Schwarze getroffen und auch Veränderung gebracht. Deshalb denke ich auch, ich gehöre hierher, wenn so ein Jubiläum ansteht.

SR.de: Haben Sie beobachtet, wie sich das Festival in den vergangenen Jahren entwickelt hat?

Bandel: Nein, nicht wirklich, muss ich gestehen. Es war wichtig für mich, Abstand zu haben und es nicht zu verfolgen. Es ist ganz menschlich, dass man vergleicht und auf so etwas nicht neutral schaut. Aber ich wollte mir keine Meinung bilden. Das Festival ist aus sich heraus schon eine Perle, und mit diesem Goldstück kann man nicht viel verkehrt machen. Und dadurch, dass jetzt mehr Geld da ist, läuft es wirklich gut und in die richtige Richtung – das freut mich!

SR.de: Fehlt Ihnen das Festivaltreiben nicht?

Bandel: Tatsächlich fehlt mir etwas, was ich auch in Interviews immer wieder beklagt habe. Ich habe als Festivalleiterin immer alle Filme geschaut, die eingereicht wurden. Ich habe aus Freude daran monatelang die Nächte damit verbracht, Filme zu schauen. Das habe ich immer beklagt, weil es einfach zu viele waren. Aber das vermisse ich total! Ich habe über die Jahre einen unglaublichen Einblick bekommen, was in Deutschland im Nachwuchsbereich produziert wird. Jetzt bin ich etwas abgeschnitten.

SR.de: Vergleichen Sie das Festival in diesem Jahr mit denen aus Ihrer Zeit?

Bandel: Ich weiß, wo es gehapert und gehangen hat. Jetzt ist mehr Geld da und das macht vieles einfacher. Die Stimmung im Team ist auch besser. Ich habe den Eindruck, es läuft rund und das freut mich. Was ich von außen sehe ist, dass das Festival weiterhin so akzeptiert, angenommen und unterstützt wird.

SR.de: Bevor Sie vor fast zwanzig Jahren zum Festival gekommen sind, waren Sie als Produzentin tätig. Sind Sie immer noch in der Filmbranche?

Bandel: Ich habe mich tatsächlich ein bisschen verändert und mache etwas, woran ich großen Spaß habe. In Berlin habe ich ein Geschäft für handgefertigte Kunst, Wohnaccessoires und Möbel eröffnet. Das ist zwar eine andere Richtung, aber ich habe noch immer mit jungen, kreativen Leuten zu tun. Ich stehe jetzt nicht mehr unter diesem Druck, etwas beweisen zu müssen und Karriere in der Filmbranche zu machen. Das heißt, ich gehe diesen ganzen Filmbereich sehr entspannt an. Ich mache manchmal noch Moderationen oder arbeite mit einer Produktionsfirma aus Köln zusammen. Aber ich kann es mir aussuchen – und das ist ein großer Unterschied.

SR.de: In diesem Jahr sind Sie seit langem wieder als Privatperson auf dem Festival. Welche Filme schauen Sie sich an?

Bandel: Ich habe mir aus dem Katalog ausgesucht, was interessant wirkt. Natürlich will ich Filme schauen von Schauspielern, zu denen ich noch Kontakt habe, so wie Kida Ramadan (Kida Ramadans Film „Kanun“ feiert am Samstag Premiere, Anm. d. Red.). Aber ich werde mir vielleicht auch den Workshop mit Til Schweiger angucken, da ich Til Schweiger ja auch immer wieder eingeladen habe, er aber einfach nicht kam. Es freut mich, dass er zum 40. Jubiläum kommt und nochmal das Festival besucht. Die Filme gucke ich jetzt, das ist der Vorteil, nach meinem eigenen Geschmack, nach Lust und Laune.

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