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Monja Art gewinnt Max Ophüls Preis für "Siebzehn"

  28.01.2017 | 22:15 Uhr

Die Österreicherin Monja Art hat den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für ihren Debütfilm "Siebzehn" gewonnen. Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis geht in diesem Jahr an Jens Wischnewski für "Die Reste meines Lebens". Das Publikum vergab seine Stimme an eine Komödie.

Die Herzen sind vergeben
Video der Preisverleihung
Die Herzen sind vergeben

Sensibel und entschlossen inszeniert, erzähle "Siebzehn" von der ersten oder auch der zweiten Liebe, tiefen Sehnsüchten, der inneren Unsicherheit und der Suche nach der eigenen Identität, lautete die Begründung der Jury. In "Siebzehn" erzählt Regisseurin Monja Art die Geschichte der 17-jährigen Paula (Elisabeth Wabitsch). In ihrer Freizeit geht es neben dem üblichen Schulklatsch und -tratsch um die Themen Liebe und Sex. Dabei merkt Paula, dass bei ihr etwas anders ist. Denn sie interessiert sich nicht für ihre männlichen Verehrer, sondern für ihre Mitschülerin Charlotte.

Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis ging in diesem Jahr an "Die Reste meines Lebens". Als beste Nachwuchsdarstellerin wurde Elisabeth Wabitsch für ihre Rolle der "Paula" in "Siebzehn" ausgezeichnet. Leonard Kunz erhielt den Nachwuchsdarstellerpreis für die Figur des "Boris" in "Jenny". Der Publikumspreis für den besten Langfilm ging an "Die Migrantigen".

Ein Abend, viele Herzen


Die Preisträger im Überblick


Szene aus dem Wettbewerbsfilm "Siebzehn" beim Max Ophüls Preis 2017 (Foto: Pressefoto)

Max Ophüls Preis 2017: "Siebzehn"
Regie: Monja Art
Österreich, 2017
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Begründung der Jury: Sensibel und entschlossen inszeniert, erzählt dieser wunderbare Film von der ersten oder auch der zweiten Liebe, tiefen Sehnsüchten, der inneren Unsicherheit und der Suche nach der eigenen Identität. Es ist überaus erstaunlich, dass man diese wiederkehrenden Geschichten vom Erwachsenwerden so erfrischend und emotional mitreißend neu erfinden kann.


Szene aus dem Spielfilm "Die Reste meines Lebens" (Foto: Filmproduktion)

Fritz-Raff-Drehbuchpreis: "Die Reste meines Lebens"
Buch: Julia C. Kaiser und Jens Wischnewski
Deutschland, 2017
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Begründung der Jury: Eine Hauptfigur, die zu keiner Zeit weiß, was sie tut. Ein Film, der wild durcheinander erzählt, aber in jedem Moment weiß, wo er mit uns hin will. Ein Drehbuch, das schon beim Lesen Kino ist. Die beiden Autoren reihen die größten vorstellbaren Schrecklichkeiten aneinander – und das mit Witz, Wärme und Mut zur Ratlosigkeit.


Eine Szene aus dem Film Vanatoare (Foto: Pressefoto)

Preis  der Saarländischen Ministerpräsidentin: "Vanatoare"
Regie: Alexandra Balteanu
Deutschland, 2016
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Begründung der Jury: Die Regieleistung von Alexandra Balteanu ist ehrlich, genau, dramatisch, komisch und unerhört glaubwürdig. Die Kamera folgt ihren Protagonisten durch Momentaufnahmen ihres Lebens. Die Konflikte, die sie dabei austragen und aushalten, werden mit einer Unerbittlichkeit auserzählt, dass den Zuschauern gar nichts anderes übrig bleibt, als sich mit ihren Leben genauer auseinanderzusetzen.


Szene aus dem Spielfilm "Die Migrantigen" (Foto: Filmproduktion)

Publikumspreis Langfilm: "Die Migrantigen"
Regie: Arman T. Riahi
Deutschland, 2017
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Elisabeth Wabitsch  (Foto: Filmfestival Max Ophüls Preis)

Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin: Elisabeth Wabitsch für ihre Rolle in "Siebzehn"
Regie: Monja Art
Österreich, 2017
Zum Talk mit Elisabeth Wabitsch

Begründung der Jury: Das Schönste in einem Film ist, wenn eine Schauspielerin spielt, und alles sagt, ohne dabei sprechen zu müssen. Der Preis für die Beste Nachwuchsschauspielerin geht an Elisabeth Wabitsch in "Siebzehn".


Leonard Kunz (Foto: Filmfestival Max Ophüls Preis)

Preis für den besten Nachwuchsschauspieler: Leonard Kunz für seine Rolle in "Jenny"
Regie: Lea Becker
Deutschland, 2017

Begründung der Jury: Stell dir vor, dein Talent wäre ein Diamant. Du hütest ihn wie einen Schatz. Wenn das Licht sich eignet, betrachtest du ihn, aber bevor deine Augen tränen, schließt du ihn sorgfältig weg. Suche den besten Scheinwerfer, leuchte im richtigen Moment und tauche ab, bevor man sich an dein Spiel gewöhnt. Bleibe kostbar.


Szene aud dem Spielfiml "Club Europa" (Foto: Filmproduktion)

Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: "Club Europa"
Regie: Franziska M. Hoenisch
Deutschland, 2017
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Begründung der Jury: In dem Augenblick, in dem wir jemanden in unserer Intimsphäre zulassen, beginnt die wahre Auseinandersetzung.


Szene aus dem Spielfilm "Die Reste meines Lebens" (Foto: Filmproduktion)

Preis der Jugendjury: "Die Reste meines Lebens"
Regie: Jens Wischnewski
Deutschland, 2016
Zum Talk mit Christoph Letkowski und Jens Wischniewski

Begründung der Jury: Es kommt, wie es kommen soll, und auch der Tod ist nichts Schlimmes, sondern nur der Beginn von etwas Neuem. Ein Mann muss diese Lebensweisheit revidieren, als er nach dem plötzlichen Tod seiner geliebten Ehefrau sofort eine neue glückliche Liebesbeziehung beginnt, in der ihm nach und nach seine verdrängte Trauer einholt. Diese niederschmetternde Geschichte vom Verhältnis zwischen Mensch, Schicksal und Zufall wird mit solch einem spielerischen Humor erzählt, dass der Zuschauer dank filmsprachlicher Vielseitigkeit und origineller Handlungsstruktur leicht durch den Film getragen wird. Ein Film, der keine Angst davor hat, das Tabuthema Tod mit Humor anzugehen und dabei gleichzeitig die Komplexität einfängt, mit dem Gefühl des Verlustes umzugehen, denn Trauern ist eine Kunst, die gelernt sein muss.


Eine Szene aus dem Film Vanatoare (Foto: Pressefoto)

Preis der Ökumenischen Jury: "Vanatoare"
Regie: Alexandra Balteanu
Deutschland, 2016
Zum Mitternachttalk mit Alexandra Baltenau

Begründung der Jury: Dieser Film hat viel, das es dem Zuschauer nicht gerade einfach macht: Viele Dialoge (zum Teil in einer fremden Sprache), viel Handkamera, die lange und hartnäckig am Geschehen bleibt, ein ausgeklügeltes Sounddesign. Sie erzählen eine Geschichte von Armut – und von drei Frauen, die ihre Körper verkaufen, um es irgendwie, irgendwann einmal besser zu haben. Dies geschieht nicht mit voyeuristischem Blick (die Kamera weidet sich nicht am Objekt), sondern mit einem Blick, der eine fremde Welt aufschließt und sinnfällig macht. Wir als Ökumenische Jury sind diesen drei rumänischen Frauen gebannt gefolgt, und das, was sie binnen eines Tages erleben, hat uns bewegt und lässt uns nicht los. Kein „schöner“ Film, sondern ein starker.


Szene aus dem Film (Foto: Filmverleih)

Preis für den besten Dokumentarfilm: "Ohne diese Welt"
Regie: Nora Fingscheidt
Deutschland, 2017

Begründung der Jury: Der Preisträger des Besten Dokumentarfilms geht einen weiten Weg, um sich letztlich doch mit der Heimat im Hier und Jetzt zu beschäftigen. Gerade angesichts eines Zeitgeistes, der sich erschreckend oft in vergangene Zeiten zurücksehnt, ist der Film zeitaktuell und relevant, ohne journalistisch zu sein. Mit stilistischer Sicherheit und berührender Klarheit nimmt er uns auf die Reise in eine archaische Vergangenheit mit und widersteht der Versuchung, sich in seinen starken Bilderwelten zu verlieren. Vielmehr schafft er es auf beeindruckende Art, das Vertrauen und die Nähe einer Gemeinschaft zu gewinnen, die in ihrer eigenen Welt lebt – fast ohne diese Welt.


Szene aus dem Film (Foto: Filmverleih)

Preis für die beste Filmmusik Dokumentarfilm: "Zaunkönig - Tagebuch einer Freundschaft"
Regie: Ivo Zen
Musik: Trixa Arnold und Ilja Komarov
Schweiz, 2016
Zum Talk mit Ivo Zen

Begründung der Jury: Musik im Dokumentarfilm ist gelegentlich ein heikle Sache: Sie darf weder übergriffig noch beliebig sein. Sie muss keine gute, sondern vor allem die richtige Musik sein. Wenn sie aber beides erfüllt und dann noch dazu aus der Welt der Protagonisten des Filmes stammt, dann hat man einen Preisträger. Hier hören wir punkige, dreckige Gitarrenmusik, die – sparsam und pointiert komponiert – die Stimmung der Neunziger Jahre, in die uns der Film immer wieder rückblendenartig führt, unglaublich präsent macht. Und wir hören ein alpenländisches Akkordeon, das aber so zerrissen klingt, wie das Leben des Protagonisten. Beides setzen der Regisseur und seine beiden Komponisten gekonnt ein.


Szene aus dem Film (Foto: Filmverleih)

Bester mittellanger Film: "Wald der Echos"
Regie: Maria Luz Olivares Capelle
Österreich, 2016

Begründung der Jury: Für den mittellangen Film möchten wir einen zärtlich-morbiden Genrefilm auszeichnen. Er beschenkt den Zuschauer mit poetischen Bildern und schlägt raffiniert Brücken zur bildenden Kunst. Ein fantastischer, eigenwilliger, klug inspirierter Film, der nachhallt. Vielen Dank an Maria Luz Olivares Capelle für "Wald der Echos".


La Femme et le TGV (Filmstil) (Foto: Filmverleih)

Publikumspreis für den besten mittellangen Film: "La femme et le TGV"
Regie: Timo von Gunten
Schwei, 2016
Zum Talk mit Timo von Gunten


Szene aus dem Film (Foto: Filmverleih)

Preis für den besten Kurzfilm: Die Überstellung
Regie: Michael Grudsky
Deutschland, 2017

Begründung der Jury: Was soll ein Film? Was darf ein Film? Was kann ein Film? Wenn die Ordnung der Welt aus den Fugen gerät, wenn die politischen Verhältnisse jeglicher Voraussicht, Mitgefühl und Menschlichkeit entbehren, in Zeiten, in denen die Erste Nation Mauern baut ist die Kunst – in unserem Fall natürlich der Film – ein Ventil, ein Spiegel der Verhältnisse. Wer steht wo? Wer wechselt die Seiten? Wer bleibt in seiner Enge? Wer sucht das Weite? Politik im Kleinen als Parabel auf das Große. Mit hoher Sensibilität, mit starken Kinobildern und präzisem Spiel stellt dieser

Lobende Erwähnung für "Die kleine Welt"
Wir wurden entführt in eine geheimnisvolle, warmherzige und liebenswert verspielte Welt, und als wir zurück kamen, waren wir verzaubert. Wir vergeben eine lobende Erwähnung an diese große-kleine Welt im Film "Die kleine Welt" von Yasmin Angel


Szene aus dem Film (Foto: Filmverleih)

Publikumspreis für den besten Kurzfilm: Cigarbox Blues
Regie: Christopher Kaufmann
Deutschland, 2017


Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

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