Die Gewinner des 40. Fimfestivals Max Ophüls Preis (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Susanne Heinrich gewinnt Max Ophüls Preis für "Das melancholische Mädchen"

  19.01.2019 | 22:13 Uhr

Susanne Heinrich hat den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für ihren Debütfilm "Das melancholische Mädchen" gewonnen. Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis geht an Daniela Gambaro und Francesco Rizzi für "Cronofobia". Das Publikum vergab seine Stimme an den Spielfilm "Kaviar" von Elena Tikhonova.

Der Preis für den besten Spielfilm gehe "an ein Filmkunstwerk, das in beschwingtem und elegantem Ton, mit präzisen analytischen Worten und in pastellfarbenen minutiös durchgestalteten Bildern die Odyssee einer jungen Frau im Dazwischen des postmodernen Kultur- und Identitätsüberflusses erzählt", so die Begründung der Jury.

Die Herzen sind vergeben
Video [SR.de, (c) Pasquale D'Angiolillo und Annabell Brockhues, 20.01.2019, Länge: 07:03 Min.]
Die Herzen sind vergeben

Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis ging an "Cronofobia". Als beste Nachwuchsdarstellerinnen wurden Joy Alphonsus für ihre Rolle in "Joy" und Simon Frühwirth für die Figur in "Nevrland" ausgezeichnet. Der Publikumspreis für den besten Langfilm ging an "Kaviar".


Die Preisträger im Überblick


Szene aus dem Film 'Das melancholische Mädchen' (Foto: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin)

SR Lounge: Das melancholische Mädchen
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 06:40 Min.]
SR Lounge: Das melancholische Mädchen

Max Ophüls Preis 2019: "Das melancholische Mädchen"
Regie: Susanne Heinrich
Deutschland, 2019
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Begründung der Jury: Der Preis für den besten Spielfilm geht an ein Filmkunstwerk, das in beschwingtem und elegantem Ton, mit präzisen analytischen Worten und in pastellfarbenen minutiös durchgestalteten Bildern die Odyssee einer jungen Frau im Dazwischen des postmodernen Kultur- und Identitätsüberflusses erzählt. Mit ironischer Genauigkeit und humoriger Schlagfertigkeit trifft der Film in seiner Übersetzung feministischer Theorien pausenlos den Nagel auf den Kopf. Ein Film, dem es endlich gelingt, eine Sprache für eine ganze Generation von traurigen Mädchen zu finden und sich im Grunde seinen Preis im Film zu Recht schon selbst verliehen hat.


Fritz-Raff-Drehbuchpreis: "Cronofobia"
Regie: Francesco Rizzi
Schweiz, 2018
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Begründung der Jury: Am Anfang darf man rätseln, zu welcher Geschichte man geladen ist. Am Ende weiß man: Es ist nicht nur eine Geschichte über Schuld und Schmerz, sondern vor allem über die Möglichkeiten der Liebe. Wie das Drehbuch die Figuren aus ihrer schicksalhaften Verstrickung befreit, das ist für einen Debütfilm beeindruckend erzählt. In der Kunst der Auslassung und der Andeutung, in dem gekonnten Spiel mit Motiven und Genreelementen entfaltet sich eine komplexe und zärtlich geführte Beziehung zweier Menschen. Die auch deshalb wahrhaftig wirkt, weil der Film da weiter erzählt, wo andere aufhören.


Szene aus dem Film 'Cronofobia' (Foto: Imagofilm Lugano)

Preis des saarländischen Ministerpräsidenten: "Cronofobia"
Regie: Francesco Rizzi
Schweiz, 2018
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Begründung der Jury: Ein Film wie eine geheimnisvolle Elegie, wie eine Sinfonie der menschlichen Verlorenheit, die unsere Gegenwart sozial und philosophisch hinterfragt. Die Regie führt nicht nur die beiden Hauptdarsteller zu Höchstleistungen. Durch die elegante Inszenierung der Auslassungen, durch poetische Bilder der Einsamkeit, in morbider Atmosphäre und traumhaft entrückter Architektur gelingt der Regie ein cineastisches Kunstwerk. Dieser Film feiert das Kino.


SR Lounge: Kaviar
Video [SR.de, (c) SR, 18.01.2019, Länge: 05:49 Min.]
SR Lounge: Kaviar

Publikumspreis Spielfilm: "Kaviar"
Regie: Elena Tikhonova
Österreich, 2019
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Simon Frühwirth in der SR Lounge (Foto: SR)

Preis für den besten Schauspielnachwuchs: Simon Frühwirth für seine Rolle in "Nevrland"
Regie: Gregor Schmidinger
Österreich, 2019
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SR Lounge: Nevrland
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2019, Länge: 05:56 Min.]
SR Lounge: Nevrland

Begründung der Jury: Dieses Nachwuchstalent spielt sehr überlegt. Spielt mit großer Ruhe und im Sinne des Wortes mit unheimlicher Kraft. Sehr präzise entfaltet sich ein Menschenbild, das uns einnimmt, mitzieht, teilhaben lässt am persönlichen Schicksal der Figur. Dieser Schauspieler macht verstehbar, was zu oft unaussprechlich bleibt. Diese schauspielerische Leistung ist – in der Tat – beängstigend gut.


Szene aus dem Film 'Joy' (Foto: Freibeuterfilm)

Preis für den besten Schauspielnachwuchs: Joy Alphonsus für ihre Rolle in "Joy"
Regie: Sudabeh Mortezai
Österreich, 2018
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Begründung der Jury: Diese Figur ist – wie so viele – auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Sie ringt nach Selbstbestimmtheit, übernimmt gleichzeitig volle Verantwortung für sich und – gezwungenermaßen – auch für andere. Sie ist eine Kämpferin, die die Spielregeln beherrscht und gleichzeitig akzeptiert. Man kann sich auf sie verlassen. Ihr unterlaufen keine Fehler, ihre Notlagen entstehen dadurch, dass andere unehrlich sind oder sich nicht aus dem Fenster lehnen wollen, auch wenn für sie persönlich kaum etwas auf dem Spiel steht. Unsere Schauspielerin schafft es mit resolutem, aber unaufgeregtem Spiel, die Abgründe ihres Konfliktes mit einer Konsequenz darzustellen, dass es uns beim Zuschauen gar nicht in den Sinn kommt, die Ambivalenz ihres Handelns in Frage zu stellen. Die Frage nach Moral oder Sinn oder Glaube an das Gute stellt sich nicht, es geht im wahrsten Sinne des Wortes um das nackte Überleben.


Szene aus dem Film 'Joy' (Foto: Freibeuterfilm)

Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: "Joy"
Regie: Sudabeh Mortezai
Österreich, 2018
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Begründung der Jury: Der Film berührt uns mit der versteckten Realität, aus einer fernen Welt mitten am Rande der Mehrheitsgesellschaft. Die dokumentarisch inszenierende Kamera lässt den Protagonistinnen den Raum, die Geschichte selbst zu erzählen und schafft eine Intimität, zwischen Mitgefühl und Gnadenlosigkeit. Die Regisseurin lässt nicht zu, dass wir uns im Voyeurismus einrichten, sondern wir werden uns unserer Verantwortung dieser ausweglosen Situation schnell bewusst. Der Voodoo-Zauber globaler Ungerechtigkeiten treibt die Protagonistinnen vor sich her und die Versuchung zu Moralisieren bleibt uns durch die enttarnte Scheinheiligkeit unserer privilegierten Gesellschaft im Halse stecken. In diesem Moment, da unsere Gesellschaft an den falschen Rand zu rutschen droht, sind die Menschen, die nicht nur laut schreien, sondern den Leisesten unter uns eine Stimme geben, ein wahres Geschenk.


Szene aus dem Film "Nevrland" (Foto: Pressefoto/Orbrock Filmprodukion)

Preis der Jugendjury: "Nevrland"
Regie: Gregor Schmidinger
Österreich, 2019
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SR Lounge: Nevrland
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2019, Länge: 05:56 Min.]
SR Lounge: Nevrland

Begründung der Jury: Das Gefühl, dass die eigene Wahrnehmung eins wird mit der des Protagonisten eines Films, ist selten. Und genau das ist uns passiert. Die Grenzen zwischen Realität und Rausch verschwimmen. Der Film nimmt uns mit in ein Labyrinth der Gefühle, in welchem die Hauptfigur gefangen ist. Er handelt vom Älterwerden, vom Entdecken der eigenen Sexualität und von den Ängsten eines Jugendlichen, die auch uns nicht fern sind. Eine atmosphärische Lichtführung kreiert eine bedrückende Atmosphäre. Dabei scheut er auch nicht vor tabuisierten Themen: Porno, Sex, Psychose. Kurz: Ein absoluter Brainfuck.


Szene aus dem Film 'Das melancholische Mädchen' (Foto: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin)

Preis der Ökumenischen Jury: "Das melancholische Mädchen"
Regie: Susanne Heinrich
Deutschland, 2018
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SR Lounge: Das melancholische Mädchen
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 06:40 Min.]
SR Lounge: Das melancholische Mädchen

Begründung der Jury: Unendlich komisch und gleichzeitig todtraurig, bis ins Detail komponierte Bilder, poetische Dialoge, in denen Beziehungen zum Lifestyle erkoren werden. Der Blick für den anderen verbleibt in der Leere. Die eigenwillig-konsequente Bildsprache eröffnet Leerstellen und Räume zum Weiterdenken. Schonungslos und präzise werden gesellschaftliche Zustände vorgeführt, hinterfragt und an die Zuschauenden weitergegeben. Eine junge Frau wird zur Symptomträgerin einer Gesellschaft, die ihre Glücksversprechen nicht einlöst.


Szene aus dem Film (Foto: Kloos & Co.)

Preis für den besten Dokumentarfilm: "Hi, A.I."
Regie: Isa Willinger
Deutschland, 2019

Begründung der Jury: Ein sensibler und intelligenter Film, der eine starke bildästhetische Vision verrät, die seinem Sujet entspricht. Gleichermaßen distanziert wie traumhaft erzählt der Film in klaren, tableauhaft komponierten Bildern. Faszinierend und verstörend bespielt die fein temperierte Filmmusik das Thema, das einen emotional nie zur Ruhe kommen lässt. Folgt man den portraitierten Beziehungen der Protagonisten im dichten Sog der Montage zunächst zögerlich und nicht ohne eine gewisse Sensationslust, so entdeckt man bald zutiefst humane Züge im neuen artifiziellen Lebensgeflecht.

“Unberechenbar, emotional, ängstlich, vorsichtig, intelligent, sexy" – Chuck hat die Wahl, wie seine fast perfekte blonde Roboterfrau Harmony auf ihn reagieren soll, aber ob sie auch zur "besten Ehefrau der Zukunft" für eine Mehrheit von Männern taugt, bleibt nochmal dahin gestellt. Wir blicken ihrer weiteren Entwicklung gespannt entgegen. Der Film zeichnet ambivalente Visionen, lädt aber dennoch zu einem spielerischen empathischen Blick ein, der einen auch immer wieder schmunzeln lässt. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team.


SR Lounge: Let the bell ring
Video [SR.de, (c) SR, 19.01.2019, Länge: 05:35 Min.]
SR Lounge: Let the bell ring

Preis für die beste Filmmusik Dokumentarfilm: "Let the bell ring"
Regie: Christin Freitag
Musik: Jonathan Ritzel
Deutschland, 2018

Begründung der Jury: Virtuos werden pulsierende Song-Produktionen mit Score-Musik verwebt, gekonnt werden pathetische Musikklischees vermieden. Energetisch verdichtet sich die Musik immer mehr bis hin zum packenden Finale. Dokumentarfilme feiern das Leben. Die Filmmusik von Jonathan Ritzel feiert den Traum des Boxers Malcom mit einer Karriere als Profiboxer zu reüssieren und begleitet ihn auf seiner Heldenreise. Intelligenter Musikeinsatz unterstützt den genauen Blick der Regisseurin Christin Freitag auf unseren Protagonisten, begleitet ihn einfühlsam, ohne dabei den Zuschauer zu bevormunden. Der Rhythmus, der durch das Zusammenwirken von Anne Jünemanns Schnitt mit der Musik entsteht, zieht den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann, und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Das hervorragende Sounddesign von Sebastian Tesch, und die bis ins letzte Detail ausdifferenzierte, dichte Mischung von Florian Beck lassen den Zuschauer die Atmosphäre der Boxwelt akustisch atmen.


SR Lounge: Congo Calling
Video [SR.de, (c) SR, 18.01.2019, Länge: 06:06 Min.]
SR Lounge: Congo Calling

Publikumspreis für den besten Dokumentarfilm: "Congo calling"
Regie: Stephan Hilpert
Deutschland, 2019


SR Lounge: Label me
Video [SR.de, (c) SR, 18.01.2019, Länge: 06:56 Min.]
SR Lounge: Label me

Bester mittellanger Film: "Label me"
Regie: Kai Kreuser
Deutschland, 2019

Begründung der Jury: Zwei einsame Menschen, die in völlig gegensätzlichen Realitäten leben, lernen sich aufgrund eines finanziellen und sexuellen Abhängigkeitsverhältnisses langsam besser kennen. Doch ist diese Abhängigkeit der einzige Grund ihres täglichen Treffens? Beindruckend nah und bezaubernd genau erzählt dieser Film von Schmerz, Gewalt und Vorurteilen. Und von einer Liebe, die all das überbrücken könnte. Wir danken für diese intensive Erfahrung.


SR Lounge: Die Schwingen des Geistes
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 06:56 Min.]
SR Lounge: Die Schwingen des Geistes

Publikumspreis für den besten mittellangen Film: "Die Schwingen des Geistes"
Regie: Albert Meisl
Österreich, 2019


Szene aus dem Film (Foto: WILDart Film)

Preis für den besten Kurzfilm: "Boomerang"
Regie: Kurdwin Ayub
Österreich, 2018

Begründung der Jury: Während die Familie bei der Mutter feiert, sitzt der Vater im Auto vor der Tür. Er ist nicht eingeladen. Warum, das versteht er selbst nicht so ganz. Durch die Augen der Teenagertochter zeigt uns die Filmemacherin die Balance zwischen völliger Ablehnung und aufgedrängter Verantwortung. Wie diese drei Geschwister miteinander und mit der Unfähigkeit der Beziehung ihrer Eltern umgehen, haben wir so leichtfüßig, so faszinierend echt und so beiläufig komisch noch nie gesehen. Dieser Film ist wild und uneitel. Kino, von dem wir dringend mehr wollen. Herzlichen Glückwunsch und danke für dieses Erlebnis.


Szene aus dem Film (Foto: Zürcher Hochschule der Künste)

Publikumspreis für den besten Kurzfilm: "Stilles Land, gutes Land"
Regie: Johannes Bachmann
Schweiz 2018


Rund um Ophüls 2019
"Das melancholische Mädchen" von Susanne Heinrich hat den Hauptpreis des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis gewonnen. Der Publikumspreis für den besten Spielfilm ging an "Kaviar". Hier gibt es alle Infos zum Festival 2019.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR am 19.01.2019 berichtet.

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