Ein Rollstuhl steht im hinteren Bereich eines Kinosaals. (Foto: dpa/SR)

„Teilhabe an Kultur sollte gewährleistet sein“

Katrin König/Sandra Schick   21.01.2017 | 16:25 Uhr

Das Max Ophüls Festival bietet auch in diesem Jahr für eine Reihe von Filmen eine sogenannte "Inklusionsfassung" an. Das bedeutet, sie können von Sehbehinderten und Hörgeschädigten genutzt werden. Die Landesbehindertenbeauftragte, Rupp, hätte sich aber ein größeres Angebot an Filmen gewünscht.

Das Festival setzt in diesem Jahr auf ein App-basiertes System: Sehbehinderte und Hörgeschädigte können eine Reihe von Vorstellungen besuchen und nach Download und Installation der App die Audiodeskription und Hörunterstüzung im Kino nutzen. Besucher können ihre eigenen Smartphones oder Tablets verwenden oder Kopfhörer und Displays im CineStar ausleihen.


Folgende Vorstellungen werden mit Audiodeskription für Sehbehinderte sowie mit spezieller Untertitelung für Hörgeschädigte angeboten:

  • Dienstag, 24.1., 16.30 Uhr, CineStar 4 - GAZA SURF CLUB
  • Mittwoch, 25.1., 22.15 Uhr, Kino achteinhalb - GAZA SURF CLUB
  • Donnerstag, 26.1., 19.15 Uhr, CineStar 1 - DIE RESTE MEINES LEBENS
  • Donnerstag, 26.1., 22.00 Uhr, CineStar 5 - GAZA SURF CLUB
  • Donnerstag, 26.1., 22.15 Uhr, CineStar 3 - WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?
  • Freitag, 27.1., 10.30 Uhr, CineStar 3 - WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?
  • Freitag, 27.1., 12.30 Uhr, CineStar 2 - GAZA SURF CLUB
  • Freitag, 27.1., 17.00 Uhr, CineStar 1 - WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?
  • Freitag, 27.1., 17.15 Uhr, CineStar 3 - DIE RESTE MEINES LEBENS
  • Freitag, 27.1., 22.15 Uhr, CineStar 2 - DIE RESTE MEINES LEBENS
  • Samstag, 28.1., 15.00 Uhr, Filmhaus -DIE RESTE MEINES LEBENS
  • Samstag, 28.1., 20.00 Uhr, CineStar 5 -WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?
  • Samstag, 28.1., 18.00 Uhr, CineStar 2 -WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?
  • Samstag, 28.1., 18.15 Uhr, CineStar 5 -DIE RESTE MEINES LEBENS


Service für Rollstuhlfahrer

Rollstuhlfahrer können im Saal 5 des CineStar alle 28 Beiträge aus den Wettbewerben Spielfilm und Dokumentarfilm ansehen. Durch Umbaumaßnahmen wurden die Kapazitäten in dem Kinosaal erhöht. Für eine reibungslose Platzreservierung sollten Rollstuhlfahrer allerdings den entsprechenden Rollstuhlplatz vor dem Tickekauf reservieren. Das geht per Email unter: ticketing@max-ophuels-preis.de oder unter 0152 / 284 225 96 oder 0152 / 527 435 60.

Rupp lobt Barrierefreiheit von Lolas Bistro

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Christa Rupp, die Landesbehindertenbeauftragte des Saarlandes, hat Anfang Januar Kontakt zu den Machern gehabt, um sich einen Überblick über die barrierefreien Angebote des Festivals zu verschaffen. Denn das Festival Max Ophüls Preis stand in den vergangenen Jahren in Sachen Barrierefreiheit immer wieder in der Kritik. Lobend erwähnt Rupp, dass man in diesem Jahr bei Lolas Bistro an Rollstuhlfahrer gedacht habe. „Ich bin zufrieden, dass man offenbar die Konsequenzen aus der Kritik der vergangenen Jahre zieht“, so Rupp.

Rupp, die selbst blind und Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins für das Saarland ist, kritisiert, dass die bürokratischen Hürden für die finanzielle Förderung für Filme in Inklusionsfassung zu hoch seien. Sie beklagt: „Wenn aber gerade einmal 25 Prozent der gezeigten Filme mit Audiodeskription oder Untertiteln gezeigt werden, dann ist das schon wenig.“ „Als Mensch mit Beeinträchtigung weiß man aber auch, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde. Trotzdem hätte ich mir natürlich ein größeres Angebot an barrierefreien Filmen gewünscht“, erklärt Rupp.

Ihrer Meinung nach ist aber nicht nur die Produzenten- und Verlegerseite verantwortlich für den Ausbau dieser Angebote. „Auch bei den Behinderten selber muss ein Umdenken stattfinden. Kino war für Blinde und Gehörlose lange Jahre kein Thema, weil es nicht nutzbar war. Die Betroffenen müssen verstehen lernen, dass Kino auch für sie barrierefrei sein kann und soll“, appelliert Rupp. Wichtig sei aber auch, dass Menschen mit Behinderung nicht nur Forderungen stellten, sondern die Angebote auch nutzten. „Es hilft ja auch nichts, wenn wir Filme mit Audiodeskription haben und es schaut sie keiner an“, resümiert die Landesbehindertenbeauftragte.

Nach dem Festival werde man Bilanz ziehen und schauen, „ob die Dinge wirklich so sind, wie sie von Menschen mit Behinderung benötigt werden.“ Denn: „Teilhabe an Kultur – und das Ophüls-Festival ist ein wichtiges Ereignis im Saarland – sollte gewährleistet sein.“

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