Max Ophüls Preis Online Edition von zuhause aus. (Foto: SR/Pixabay/Frankundfrei)

Ophüls auf der Couch - 4

Sven Rech   21.01.2021 | 10:20 Uhr

Tag 4 des Festivalprogramms, das man in diesem Jahr statt im Kino nur zuhause gucken kann. Die Festivalmacher bieten dazu jeden Tag einen Parcours durch die "Highlights des Tages" an, damit man nicht den Überblick verliert. Unser langjähriger Ophüls-Beobachter Sven Rech berichtet an dieser Stelle über seine eigenen Heimkino-Erlebnisse.

Das Kino in der Küche

Szene aus dem Film "Handbook for a privileged european woman" (Foto: Filmakademie Baden-Württemberg / Jakob Fliedner)
Szene aus dem Film "Handbook for a privileged european woman"

Dass das Ophülsfestival in diesem Jahr vom Kino in unsere Wohnungen umgezogen ist, hat – zumindest bei mir – vor allem Vorteile für den Kurzfilm. Endlich kommt man mal dazu! Während die Kartoffeln kochen, kann man schnell mal das "Handbook for a privileged european woman" auf dem Laptop durchblättern. Ein witziges, weil intelligentes und bitterböses Lehrstück über Anspruch und Wirklichkeit des Frauseins im 21. Jahrhundert. Es kommt in der Form eines Youtube-Erklärstücks daher, es sprüht vor absurden Bildideen, ist schnell, dicht und in zehn Minuten vorbei. Kartoffeln abgießen nicht vergessen! Ah, sie brauchen noch…

Wir haben also noch Zeit für…

...Ein kleines Wunder

Sven Rech (Foto: Privat)
Sven Rech

Eine Autofahrt durch einen nächtlichen, nebligen Wald. "Auto" lautet der Titel in cooler Schlichtheit, und genauso lässig erzählt der Film in neun Minuten seine Geschichte – nicht. Wir sehen ein junges Paar im Auto streiten, das heißt: sie streitet, er fährt. Wir haben offenbar die Vorgeschichte verpasst, verstehen auch den Kontext nicht, ein falscher Schnurrbart wird enttarnt, und dann knallt auch schon irgendwas gegen den Wagen und für irgendwelche Erklärungen ist wieder nicht der Moment. Denn was dann passiert… wird auch hier nicht verraten. Nur ein Tipp für alle Tatort-Schreiber: Schaut euch diesen Film an! Lernziel: Dialoge sind nicht dazu da, den Zuschauern die Welt zu erklären.

Szene aus dem Film "Hitzig - Ein Saunagang" (Foto: (c) ERF)
Szene aus dem Film "Hitzig - Ein Saunagang"

Huch, jetzt wären vor lauter Begeisterung beinah die Kartoffeln zerkocht. Im Backofen schwitzt der Fisch vor sich hin, dazu würde "Hitzig – Ein Saunagang" passen, aber ehrlich gesagt: dessen Pointe lohnt den ganzen Schweiß nicht wirklich. Schauen wir lieber mal…

...Fische

Wir sind im Chinarestaurant, die Kellnerin ist schlecht gelaunt, der Gast noch schlechter und von den anderen Tischen vermischen sich die Gesprächsfetzen zu einem einzigen absurden Geplapper. Stumm sind nur die Fische im Aquarium, doch auch von denen bringt sich gleich einer um: ein selbstmörderischer Sprung aufs Parkett, wo er unbemerkt verröchelt. (Kommt Röcheln eigentlich von Rochen?)

Mittlerweile streiten sich an Tisch 7 oder 28 (wir wissen es nicht) der schlechtgelaunte Gast und seine neu hinzugekommene Schwester. Das heißt, sie streitet, er schaut bekümmert in die Speisekarte. Nach 16 Minuten haben wir nicht nur den Grund dieses Dramas erfahren, sondern auch das Kind am Nebentisch (beinah) verröcheln sehen, die schlecht gelaunte Kellnerin hat zwei Chauvis weggebissen (ja, wirklich, schauen Sie es sich an!) und das Aquarium hat einen neuen Bewohner bekommen (Fridolin). Absurd? Ja, sehr! Der Fisch muss aus dem Ofen.

Nach dem Essen

Szene aus dem Film "Magda fährt Motorrad" (Foto: (c) Lukas Allmaier)
Szene aus dem Film "Magda fährt Motorrad"

… empfehle ich "Magda fährt Motorrad". Der ist mit seinen 30 Minuten zwar schon mittellang, aber allein der Schauspielerin Maya Unger dabei zuzuschauen, wie sie Gas geben will und sich nicht traut, könnte gerne auch doppelt und dreimal so lange dauern!

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