Max Ophüls Preis Online Edition von zuhause aus. (Foto: SR/Pixabay/Frankundfrei)

Ophüls auf der Couch - 3

Sven Rech   20.01.2021 | 10:36 Uhr

Tag 3 des Festivalprogramms, das man in diesem Jahr statt im Kino nur zuhause gucken kann. Die Festivalmacher bieten dazu jeden Tag einen Parcours durch die „Highlights des Tages“ an, damit man nicht den Überblick verliert. Unser langjähriger Ophüls-Beobachter Sven Rech berichtet an dieser Stelle über seine eigenen Heimkino-Erlebnisse.

Die Österreicher!

Wenn man von den 42 Ophülsjahren ungefähr 30 als Berichterstatter mitbekommen hat (Verhältnis 4:3! Siehe Tagebuch von gestern), dann weiß man: es gibt einige Konstanten in der immer neuen Gleichung Jung mal deutschsprachig plus Film plus X in Klammern zum Quadrat (oder breitem Rechteck) gleich Ophülspreis. Eine dieser Konstanten ist Österreich. Von dort kommen jedes Jahr zuverlässig schräge, schwarzhumorige, schlecht gelaunte, aber schaurig-schöne Filme. Darauf freue ich mich schon im Februar wie ein Kind auf Weihnachten.

Die Riahi-Brüder!!

Die andere Konstante kommt ebenfalls aus Österreich und heißt Riahi, wahlweise Arash oder Arman mit Vornamen oder auch mal beides, denn Arash und Arman sind Brüder und produzieren ihre Filme meist zusammen. Konstant an der Konstante Riahi ist außerdem: ihre Filme sind niemals belanglos, denn die Riahi-Brüder sind sehr politische Menschen; sie sind niemals humorlos, denn die Riahis wissen, dass man mit einem Lachen mehr erreichen kann als mit hundert guten Argumenten. Und sie gewinnen eigentlich immer irgendeinen der Ophüls-Preise, denn die Riahis verstehen ihr Handwerk und machen ihre Filme mit einer traumwandlerischen Perfektion. Auch darauf freue ich mich jedes Jahr aufs Neue, allerdings schon direkt nach der Preisverleihung.

Fuchs im Bau

In diesem Jahr tritt nun Arman Riahi als Regisseur beim Wettbewerb an, Arash, der letztes Jahr mit EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH den Publikumspreis abgeräumt hat, hat ahier als Produzent im Hintergrund mitgearbeitet: FUCHS IM BAU erzählt von dem Lehrer Hannes Fuchs (Aleksandar Petrovic), der eine Schulklasse im Jugendgefängnis übernehmen soll; seine Vorgängerin Berger (die großartige Maria Hofstätter) geht der Gefängnisleitung schon lange mit ihren unkonventionellen Methoden auf die Nerven. Und statt ihren neuen Kollegen einzuarbeiten, stellt sie ihn auf immer neue schwierige Proben…

Arman T. Riahi, Autor und Regisseur, Fuchs im Bau (MOP Wettbewerb Spielfilm) (Foto: Michael Mazohl/Pressefoto)
Arman T. Riah, Autor und Regisseur, Fuchs im Bau

Der Ton ist rau und ruppig, die Farben düster, das Leben hoffnungslos – und doch sitzt man am Ende mit einem Glücksgefühl vor dem Abspann. Wie hat er das bloß wieder geschafft, der Arman Riahi? Selbst die unvermeidliche Lehrer-erringt-endlich-den-Respekt-seiner-bockigen-Schüler-Szene – die etwa in DER CLUB DER TOTEN DICHTER mit Robin Williams als pathetischer Kitsch daherkommt – entwickelt sich hier aus einer aufgestauten Wut und einem Nicht-weiter-wissen heraus. Und wirkt darum umso wahrhaftiger.

Einen Preis bekommt FUCHS IM BAU mit Sicherheit, ich weiß nur noch nicht welchen.

Die schärfste Konkurrenz...

…kommt ebenfalls aus Österreich, heißt Sebastian Brauneis und ist immerhin auch schon zum zweiten Mal mit einem langen Spielfilm dabei. Vor drei Jahren fiel er bei einer Ophüls-Talkrunde mit einem flammenden, um nicht zu sagen wütenden Plädoyer fürs nicht-kommerzielle Filmemachen auf, in diesem Jahr kommt er mit einem Film zurück, der nach seinen eigenen Angaben 2573 Euro gekostet hat. Bei einer Hollywood-Produktion entspricht das vermutlich dem Betrag, der für die Getränke des 3. Regieassistenten ausgegeben wird.

Wie im Märchen

Und doch sieht der Film 3FREUNDE2FEINDE an keiner Stelle billig aus. Im Gegenteil: er strotzt nur so von erzählerischen und cineastischen Einfällen, sogar gelegentliche Ausflüge in den Tanz- und Musical-Film waren bei dem geringen Budget noch drin. Alles in allem ein wunderbar leicht dahinschwebendes Sommermärchen in einer gnadenlos bösen, von Geld und Gier zerfressenen, aber an ihrer eigenen Dummheit zerbrechenden Welt. Also, wenn ich den Ophülspreis zu vergeben hätte…

Hab ich aber nicht. Ich wollte es nur mal gesagt haben.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja