Das ehemalige Hotel Messmer an der Ecke Kaiserstraße/Viktoriastraße in Saarbrücken (Foto: Burgard Landesarchiv Saar)

Vom Luxushotel zum Kaufhaus – und zurück?

  26.01.2020 | 09:26 Uhr

Das ehemalige C&A-Gebäude in Saarbrücken beherbergt während der Max-Ophüls-Woche den Festivalclub „Lolas Bistro“, in dem sich Filmschaffende und Fans abends zum Ausklingen des Kinotages treffen. Dass das frühere Hotel eine traditionsreiche Geschichte hat, die zudem eng mit der saarländischen Filmhistorie verbunden ist, wissen die Wenigsten.

„In Heerscharen standen damals die Leute vor dem Hotel und haben auf die Filmstars gewartet.“ Man mag es kaum glauben, aber Paul Burgard vom Landesarchiv Saar spricht tatsächlich über Saarbrücken – wohlgemerkt vor 70 Jahren.

Die Menschen warten gegenüber des Hotels auf ihre Stars. (Foto: Burgard Landesarchiv Saar)
Die Menschen warten gegenüber des Hotels auf ihre Stars.

Damals hatten Film und Kino in der Landeshauptstadt einen ganz besonderen Stellenwert. Da das Saarland teilautonom war, feierten viele deutsche Produktionen hier landesweite Premieren, was natürlich immer wieder auch Glamour und Stars in die Stadt zog. Viele von ihnen stiegen im Hotel Messmer ab, das in den 1880er Jahren an der Ecke Kaiserstraße/Viktoriastraße erbaut wurde und seitdem als eines der führenden Häuser in Saarbrücken galt.

Schon immer viele Kinofans an der Saar

Bereits mit Aufkommen des Kinos Ende des 19. Jahrhunderts seien die Menschen im damaligen Saargebiet sehr kinoaffin gewesen, sagt Burgard. In stark industrialisierten Gebieten wie dem Saarland habe man sich schneller an neue Eindrücke gewöhnt und diese adaptiert. So fanden die Menschen hier schneller ihre Liebe zum bewegten Bild als auf dem Land, wo es einfach weniger Neues zu entdecken gab.

So war das Thema Kino in Saarbrücken bereits vor dem Ersten Weltkrieg präsent. „Richtig los ging es dann aber in den 20 Jahren“, sagt Burgard. Damals seien pro Jahr eine Million Saarbrücker in die Kinos geströmt, heute eine schier unvorstellbare Zahl.

Diese Begeisterung schlug sich zum Beispiel auch darin nieder, dass der Regisseur Ernst Lubitsch 1922 nach Saarbrücken kam. Zur Eröffnung des UT-Kinos stellte er seinen Film „Das Weib des Pharaoh“ vor – sein letzter deutscher Film, bevor er den Sprung nach Hollywood wagte. Durchaus möglich, dass auch er im Messmer residierte, mutmaßt Burgard, als er die Geschichte erzählt.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges lag die deutschsprachige Filmindustrie darnieder, abgesehen von den Propagandawerken der Nationalsozialisten. Allerdings gab es bereits im Oktober 1945 – fünf Monate nach der Kapitulation – wieder erste provisorische Kinos in Saarbrücken.

Neben dem Johannishof in der Mainzerstraße nennt Burgard auch die Wartburg in der Martin-Luther-Straße. Das ehemalige evangelische Gemeindehaus war zu dieser Zeit der größte Veranstaltungsaal des Saarlandes und gilt außerdem auch als Geburtsstätte des Saarländischen Rundfunks beziehungsweise seines Vorgängersenders „Radio Saarbrücken“.

Bemerkenswert sei, so Burgard, dass diese Kinos auch sofort wieder voll gewesen seien. Natürlich sei es dabei auch viel um Eskapismus gegangen, also darum, dem eigenen Leben für zwei Stunden in eine heile Welt zu entfliehen – die zudem auch geheizt war.  

Großer Andrang vor dem Hotel. (Foto: Burgard Landesarchiv Saar)
Großer Andrang vor dem Hotel.

Auch das Hotel Messmer wurde ab 1945 wieder aufgebaut und nahm die bis heute bekannte Arkadenstruktur an, die man auch aus der Bahnhofstraße kennt. Anfang der 50er Jahre waren die Arbeiten daran abgeschlossen – pünktlich zur Wiederauferstehung der deutschen Filmindustrie. Besonders 1952 bis 1954 seien die Jahre der großen, prachtvollen Premieren gewesen.

Abriss, Neubau und C&A

Das C&A-Gebäude nach dem Neubau in der Saarbrücker Innenstadt. (Foto: Burgard Landesarchiv Saar)
Das C&A-Gebäude nach dem Neubau in der Saarbrücker Innenstadt.

Anfang der 1960er Jahre wurde das Hotel Messmer, das so lange eine glamouröse Rolle in Saarbrücken gespielt hatte, abgerissen und machte Platz für ein komplett neues Gebäude. Mit dessen Fertigstellung zog das erste C&A-Kaufhaus im Saarland ein. Mittlerweile ist die Modekette ein paar hundert Meter weitergezogen, das alte Gebäude ist aber trotz Renovierung und Erweiterung im Jahr 1988 im Kern erhalten.

Viktoriastraße in Saarbrücken
Ehemaliges C&A soll zum Hotel werden

Es wurde im Januar vom Filmfestival Max Ophüls Preis als Festivalclub „Lolas Bistro“ genutzt, den Rest des Jahres steht es leer. Gerüchten zufolge soll das Gebäude wieder zu einem Hotel werden, einen neuen Eigentümer gibt es bereits seit vergangenem Jahr.

Paul Burgard würde das begrüßen. Nicht zuletzt, weil eine solche Investition das Umfeld möglicherweise etwas aufwertet. Vielleicht aber auch deshalb, weil an dieser Stelle schon einmal ein glanzvolles Hotel stand, das Teil der saarländischen Kinokultur war.  

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