Szene aus dem Film "Nevrland" (Foto: Pressefoto/Orbrock Filmprodukion)

Nevrland

Eine Rezension von Leonie Rottmann   15.01.2019 | 20:00 Uhr

Unkontrollierte Angstattacken bringen Jakob immer weiter in eine Welt voller Furcht und Schmerz. Zusammen mit Christian, den er in einem Sex-Chat kennengelernt hat, begibt sich Jakob auf die Suche nach den Ursprüngen seiner Ängste. Jakob kämpft gegen einen unsichtbaren Gegner: seine eigene Vergangenheit.

Auszeichnungen

  • Preis der Jugendjury
  • Bester Schauspielnachwuchs für Simon Frühwirth


Bewertung: Zwei von drei Herzen

SR Lounge: Nevrland
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2019, Länge: 05:56 Min.]
SR Lounge: Nevrland

"Wie kann ich echt sein, wenn ich nichts fühle?" Der 17-jährige Jakob (Simon Frühwirth) hat nur einen sehnlichen Wunsch: Sich wieder lebendig fühlen. Heftige Angstattacken machen ihm allerdings den Alltag schwer und entziehen ihm immer mehr Kontrolle über seine Gedanken und Gefühle. Nachdem er den 26-jährigen Christian (Paul Forman) in einem Sex-Video-Chat kennengelernt hat, macht Jakob eine Reise nach "Nevrland", um die Wunden seiner Seele zu heilen.

Reizüberflutung für den Zuschauer

Der Film von Regisseur Gregor Schmidinger zeigt sensibel den Werdegang eines homosexuellen jungen Mannes, der an seiner Angststörung zu zerbrechen droht und Halt in Sexforen sucht. Im Fokus der Geschichte steht die Angststörung, die Jakob vollständig vereinnahmt und alles andere für ihn unwichtig erscheinen lässt.

Aber auch Jakobs Homosexualität und die pornografischen Angebote im Netz begleiten den Zuschauer fast schon aufdringlich durch den gesamten Film. Das alles ist etwas zu ambitioniert, denn "Nevrland" reißt zwar gesellschaftlich relevante Themen an, führt sie aber nicht zu Ende.

Unbeantwortete Fragen  

Viele beeindruckende Bilder, in denen Jakobs Kampf gegen sich selbst und seine Ängste gezeigt werden, machen die Schwere der psychischen Krankheit noch deutlicher. Auch die Musik wird geschickt eingesetzt: Je mehr Jakobs Ängste wachsen, desto bedrohlicher wird sie.

Es ist spürbar, dass Regisseur Gregor Schmidinger sich umfassend mit der psychischen Krankheit auseinandergesetzt hat. Viele kleine Hinweise, teilweise versteckt und teilweise offensichtlich, zeigen die Facetten der Störung, die für Außenstehende manchmal schwer nachvollziehbar ist – unter anderem durch Wahnvorstellungen, Verfolgungsangst und Panikattacken.

Der Film zeigt zweifellos, wie sich eine Angststörung für Betroffene anfühlen muss. Aber je schlimmer Jakobs Ängste werden, desto größer ist die Gier des Beobachters nach Antworten: Was für ein Mensch ist Jakob? Warum hat er diese Erkrankung? Wie ist sie entstanden? Darauf wartet man in „Nevrland“ allerdings vergeblich.  

Regie: Gregor Schmidinger
Österreich 2019


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