Szene aus dem Film "Lysis" (Foto: Pressefoto/Zum goldenen Lamm Filmproduktion)

Lysis

Eine Rezension von Annabell Brockhues   16.01.2019 | 23:00 Uhr

Zehn Jahre hatte Felix keinen Kontakt zu seinem Vater. Als seine Mutter bei einem tragischen Unfall stirbt, organisiert der Vater eine Rafting-Tour für die beiden – er hofft, seinem Sohn wieder näher zu kommen. Doch Felix will nicht. Seine Rebellion gegen den Vater hat verheerende Folgen.

Bewertung: Drei von drei Herzen

SR Lounge: Lysis
Video [SR.de, 17.01.2019, Länge: 05:58 Min.]
SR Lounge: Lysis

Felix trägt noch den schwarzen Anzug von der Beerdigung seiner Mutter. Auf dem Rücken hat er einen Wanderrucksack, auf dem Kopf einen Helm mit Action-Cam, um den Oberkörper ein Geschirr zum Abseilen. Ob er Angst habe, fragt sein Vater. Felix schüttelt den Kopf. Und dann geht es los: Vater und Sohn werden aus einem Heißluftballon abgeseilt, direkt an einen Fluss, mitten ins Nichts.

Felix' Vater will die vergangenen zehn Jahre nachholen. Er will Zeit mit seinem Sohn verbringen, sich annähern, Differenzen klären. Ein Abenteuerurlaub zu zweit in der Wildnis scheint ihm dafür passend. Er mimt den Abenteurer, mit aufblasbarem Kanu und Lagerfeuer. Aber er scheitert schon daran, das Wurfzelt aufzubauen.

Dreh im Selfie-Modus

Filmcheck: Lysis
Video [SR.de, 18.01.2019, Länge: 00:53 Min.]
Filmcheck: Lysis

„Lysis“ ist ein Familiendrama. Und es eskaliert schnell. Nach dem Tod der Mutter ist Felix noch nicht bereit für die Annäherung – er rebelliert. Und diese Rebellion bringt nicht nur die angespannte Beziehung zum Vater an neue Grenzen, sondern hat auch ganz praktisch verheerende Folgen.

Die Inszenierung dieses Dramas ist sehr ungewöhnlich, denn es gibt keine richtigen Kameras. Stattdessen übernehmen die beiden Hauptdarsteller Oliver Masucci und Louis Hoffmann die Kamera und filmen sich im Selfie-Modus, mit jeweils einer Kamera auf dem Helm, und einer dritten Kamera, die wahlweise vorne am Kanu klemmt oder auf dem Boden steht. Die Machart erlaubt dem Zuschauer dicht an die Figuren heranzukommen. Erstaunlich ist hier die Qualität der Bilder, die dem Film einen dokumentarischen Charakter verleihen. Dabei gab es kein Drehbuch, es ist alles improvisiert.

Der Film ist stark. Der Zuschauer hat das Gefühl, mit Masucci und Hoffmann in der Wildnis ausgesetzt worden zu sein. Und das ist die perfekte Möglichkeit, sich intensiv mit den Rollen und dem Vater-Sohn-Konflikt auseinanderzusetzen – scheinbar ohne Einfluss eines größeren Filmteams.

Regie: Rick Ostermann
Deutschland 2018


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