Szene aus dem Film 'Joy' (Foto: Freibeuterfilm)

Joy

Eine Rezension von Annabell Brockhues  

Joy, eine junge Nigerianerin, ist zwischen Menschenhandel und sexueller Ausbeutung gefangen. Um ihre Familie finanziell zu unterstützen, wurde sie von der Zuhälterin Madame nach Wien gebracht. Als Joy angewiesen wird, sich um die Teenagerin Precious zu kümmern, ist ihre eigene Freiheit an das Schicksal der rebellischen Neuen geknüpft.

Auszeichnungen

  • Preis für den gesellschaftlich relevanten Film
  • Bester Schauspielnachwuchs für Joy Alphonsus


Bewertung: Eins von drei Herzen

Die Geschichte von Joy ist schnell erzählt: Als Teenagerin kommt die Nigerianerin nach Wien, geschmuggelt von der Zuhälterin Madame. Mit anderen Frauen lebt sie zusammen in einer kleinen Wohnung. Sie arbeitet, um ihre Schulden bei Madame abzubezahlen. Was übrig bleibt, schickt sie ihrer Familie. Als Joy ihre Schulden fast abbezahlt hat, soll sie sich auf Madames Anweisung um die junge Precious kümmern. Doch Precious weigert sich, auf den Strich zu gehen – und gefährdet dadurch vor allem Joys Freiheit.

Mit Freude, Joy, hat dieser Film nichts zu tun. Der Titel ist vielmehr eine bitterböse Replik auf den Inhalt. Das Drehbuch basiert auf vielen wahren Lebensgeschichten und es ist auch eine berührende Geschichte – nur ist sie nicht stark genug erzählt. Joy kennt weder Freud’ noch Leid, nur eine abgestumpfte Akzeptanz ihrer Lebenssituation. Der Film plätschert dahin, Konflikte kommen plötzlich und auf einen Schlag, anstatt sich langsam aufzubauen. Die Krankheit des Vaters, die Trennung von dem deutschen Freund, der Abschiebebescheid. Und dann verschwinden die Konflikte so schnell, wie sie zuvor gekommen sind.

Hauptrolle unklar

Dem Film fehlt eine deutliche Hauptrolle. Ist es Joy – oder doch Precious? Erst durch Precious' Rebellion bekommt der Film einen deutlichen Konflikt. Die Szenen und Dialoge sind größtenteils improvisiert. Regisseurin Sudabeh Mortezal wollte ihren Schauspielern Raum geben, die Rollen zu entfalten. Aber vielleicht war es zu viel Raum, vielleicht hätten die Schauspieler eine Linie benötigt, um die einzelnen Konflikte deutlicher herauszuarbeiten.

"Joy" kommt insgesamt ohne viel Dialog aus. Das mag den ein oder anderen Zuschauer freuen, denn es kostet Mühe, sich in den afrikanischen Dialekt der Schauspielerinnen reinzuhören. Und es trägt zu der sehr dokumentarischen Erzählweise bei, durch die der Zuschauer in eine Beobachterrolle versetzt wird. Doch zunehmend drängt sich aufgrund der Machart die Frage auf: Ist der Film in der Kategorie „Spielfilm“ eigentlich richtig?


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