Szene aus dem Film "Endzeit" (Foto: Pressefoto/Anke Neugebauer)

Endzeit

Eine Rezension von Anne Schubert   16.01.2019 | 00:00 Uhr

Eine Zombie-Apokalypse ist über die Erde hereingebrochen. Nur in Jena und Weimar gibt es noch einige Orte, an denen die verbliebenen Menschen in Sicherheit sind. „Endzeit“ hat all das, was ein Zombie-Film braucht – und doch ist er ganz anders.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

SR Lounge: Endzeit
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2019, Länge: 05:48 Min.]
SR Lounge: Endzeit

Vivi (Gro Swantje Kohlhof) und Eva (Maja Lehrer) könnten unterschiedlicher nicht sein. Eva hat sich zur toughen Killerin entwickelt, seit die Zombies vor zwei Jahren das Regime auf der Erde übernommen haben,  die zurückhaltende Vivi lebt seitdem in einer klinischen Einrichtung, abgeschottet von der „Welt da draußen“. Durch einen Zufall kreuzen sich die Wege der jungen Frauen und sie werden schon bald zu unfreiwilligen Gefährtinnen.

So unterschiedlich sie sind, so sehr sind sie auch auf die Hilfe der anderen angewiesen, um zu überleben und ihr gemeinsames Ziel zu erreichen: Jena – denn dort wird an einem Zombie-Gegenmittel geforscht. Doch ihre Reise in die vermeintlich bessere Zukunft verläuft anders, als sich das die Beiden vorstellen. Auch deswegen, weil sich auf ihrem Weg eine innige Freundschaft entwickelt, mit der sie nicht gerechnet hätten. Aber auch die dauerhungrigen Zombies machen den Frauen mehr als einen Strich durch die Rechnung.

Durch Zombies Demut lernen

Festival-Filmtipp: Endzeit
Audio [SR 1, Julia Lehmann, 16.01.2019, Länge: 02:20 Min.]
Festival-Filmtipp: Endzeit

Regisseurin Carolina Hellsgård ist mutig. Nicht nur, dass sie sich in Zeiten von „The walking dead“ und Co. an einen Zombie-Stoff herantraut, sondern auch, weil sie die Hauptrollen mit Frauen besetzt – und das in einem Genre, das klassischerweise von Männern dominiert ist. Was sich anfänglich wie ein weiterer Zombie-Apokalypse-Überleben-Film anfühlt (und das tut „Endzeit“ richtig gut!), entpuppt sich im Laufe des Films als etwas ganz anderes. Nämlich als etwas feinsinniges, zerbrechliches, verletztes, aber gleichzeitig  geduldiges und stolzes, das zuerst so gar nicht in den apokalyptischen Kontext zu passen vermag – ähnlich wie die Freundschaft zwischen Vivi und Eva.

Hellsgårds  dritte weibliche Protagonistin ist ausgerechnet die Natur. Zugegeben: Etwas plakativ und süßlich dargestellt – ein kleiner Minuspunkt. Etwas weniger dick aufgetragen hätte vermutlich auch dazu geführt, dass der Film, dazu anregt, zu hinterfragen, welche Rolle eigentlich der Mensch in der langen Geschichte der Erde einnimmt beziehungsweise welche Rolle ihm durch sein Handeln und Tun zugestanden wird – und vor allem: wie lange noch. Getreu dem Motto: „Das ist nicht das Ende, das ist der Anfang“. A propos Ende: Auch das hätte ein bisschen weniger lyrisch ausfallen dürfen und ist stark überzeichnet.

Alles in allem ist „Endzeit“ aber dank der professionellen filmischen Leistung, den starken Schauspielerinnen (Maja Lehrer ist für den Nachwuchspreis des Festivals nominiert) und der Story ein unterhaltsamer Film, der neben Action auch Tiefgang bietet.

Regie: Carolina Hellsgård
Deutschland 2018


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