Szene aus dem Film "Der Geburtstag" (Foto: Pressefoto/Friede Clausz)

Der Geburtstag

Eine Rezension von Anne Schubert   16.01.2019 | 23:00 Uhr

Matthias steht nicht gerade für das Bild eines Vorzeigevaters. Gestresst von der Arbeit, bleibt die Beziehung zu seinem Sohn Lukas oft auf der Strecke. Selbst an ein Geburtstagsgeschenk denkt er nicht. Bei der Feier des Sohnes setzt sich jedoch eine Ereigniskette in Gang, an deren Ende Matthias erkennt, was wirklich wichtig ist.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Lukas (Kasimir Brause) kennt das schon: Sein Vater Matthias (Mark Waschke) hat wieder einmal das anstehende Vater-Sohn-Wochenende abgesagt. Auch der versprochene Zoobesuch muss wegen eines wichtigen Abgabetermins verschoben werden. Immerhin: Zu Lukas siebten Geburtstag kommt Matthias vorbei. Zusammen mit seiner Ex-Frau Anna (Anne Ratte-Polle) hat er eine Feier für seinen Sohn organisiert.

Als die Party vorbei ist und wieder etwas Ruhe einkehrt, merken Matthias und Anna, dass der kleine Julius (Finnlay Berger) noch nicht von seinen Eltern abgeholt wurde. Matthias ist genervt und will den Jungen schnell loswerden. Kurzentschlossen lädt er Julius ins Auto, um ihn nach Hause zu bringen. Eine Tour durch die Stadt beginnt, bei der Matthias nach und nach erkennt, was er bei seinem eigenen Sohn bislang alles falsch gemacht hat.

Autor verarbeitet eigene Erlebnisse

Currywurstreport mit Mark Waschke
Video [SR.de, (c) Pasquale D'Angiolillo, 17.01.2019, Länge: 03:10 Min.]
Currywurstreport mit Mark Waschke

Mit „Der Geburtstag“ ist Autor und Regisseur Carlos Morelli ein gefühlvoller und origineller Film gelungen. Er zeigt, dass man neben dem Alltagsstress und der Arbeit nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren darf: seine Familie und deren Bedürfnisse. Die Moral des Films kommt nicht mit erhobenem Zeigefinger daher. Vielmehr setzt Morelli sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinander: Er verarbeitet seinen Ärger auf den eigenen Vater, den er in seiner Kindheit nicht zum Ausdruck bringen konnte. Das macht den Film authentisch.

Der Film überzeugt auch durch seine technischen Effekte. Morelli wechselt häufig die Kameraperspektiven und lässt die Szenen dadurch lebendig erscheinen. Ob er mit dem schwarz-weiß-Look einen künstlerischen Ansatz verfolgt oder einfach eine nostalgische Ader hat, wird allerdings nicht klar. Dramaturgisch droht der Film ab und zu seinen Faden zu verlieren. Die starke Leistung der Schauspieler lässt darüber jedoch hinwegsehen. Vor allem Mark Waschke schafft es durch sein ausdrucksstarkes Spiel seine Entwicklung vom nachlässigen hin zum aufmerksamen Vater nach außen zu tragen und den Zuschauer mit in seine Gefühlswelt zu nehmen. Ein Film, der das Rad nicht neu erfindet, aber viele Herzen berühren wird.

Regie: Carlos Morelli
Deutschland 2019


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