Szene aus dem Film 'Das letzte Land' (Foto: Bade, Barion, Bojahr, Müller)

Das letzte Land

Eine Rezension von Rick Reitler  

Regisseur Marcel Barion hat mit seinem zweiten Spielfilm „Das letzte Land“ eine clevere Hommage an Stanley Kubrick vorgelegt, ohne auch nur im Entferntesten am Thron des Genies zu rütteln. Trotz einiger Längen: ein sehenswertes SciFi-Abenteuer aus Deutschland.

Bewertung: Drei von drei Herzen

SR Lounge: Das letzte Land
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 05:51 Min.]
SR Lounge: Das letzte Land

"2001 – Odyssee im Weltraum" ("A Space Odyssey", USA/GB 1968) von Stanley Kubrick gilt unter Kennern auch nach einem halben Jahrhundert noch immer als der wichtigste Science-Fiction-Film überhaupt. Kaum zu glauben, dass ein deutsches Low-Budget-Filmteam die Chuzpe haben würde, ein ganz ähnliches Abenteuer auf die Leinwand zu bringen. Und dennoch ist genau das passiert: Marcel Barion verbeugt sich mit seinem zweiten Langfilm "Das letzte Land" clever vor dem ganz großen Meisterwerk der Weltraum-Opern, ohne auch nur im Entferntesten am Thron des Genies Kubrick zu rütteln.

Hier wie dort erzählen beide Filme nach einer etwas zähen Exposition eine Heldenreise durch das unendliche Universum. Während Kubrick seinen zentralen Konflikt aus der Beziehung zwischen Mensch und Maschine erwachsen ließ, setzt Barion aber von Anfang an auf das Gegen- und Miteinander zweier Desperados: Den desertierten Polizisten Nowak (Milan Pešl) und den entflohenen Gefangenen Adem (Torben Föllmer) verbindet zwar der gemeinsame Wille zur Flucht von einem entsetzlich unwirtlichen Wüstenplaneten, auf dem die Menschen die Erde nur noch aus uralten Märchen-Überlieferungen kennen - ihr Charakter und ihre Ziele aber könnten auf der gemeinsamen Odyssee kaum unterschiedlicher sein.

Unbedingt sehenswert

Man kann sicher trefflich darüber streiten, ob das anachronistische Set-Design des gestrandeten Raumschiffes, mit dem Nowak und Adem ins Ungewisse aufbrechen, mit all seinen rostigen Schraubenschlüsseln, verstaubten Röhrenfernsehern und brüchigen Baumarkt-Schläuchen als Statement gedacht oder bloß dem niedrigen Produktionsetat geschuldet gewesen sein mag. Viel wichtiger ist die beklemmende Atmosphäre an Bord, die den todtraurigen Plot unterstreicht. Da gibt es keinen augenzwinkernden Humor wie im thematisch verwandten Studenten-Ulk "Dark Star" (USA 1974, Regie: John Carpenter), dafür aber viel klaustrophobische Verzweiflung, die in ihren besten Momenten fast schon an "Das Boot" (D 1981, Regie: Wolfgang Petersen) heranreicht.

Ist das Zwei-Personen-Kammerspiel "Das letzte Land" mit knapp zwei Stunden Dauer zu lang? Schon. Ist es trotzdem ein Meisterwerk? Nicht wirklich. Aber sehenswert? Unbedingt.

Regie: Marcel Barion
Deutschland 2019


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