Szene aus dem Film 'Cronofobia' (Foto: Imagofilm Lugano)

Cronofobia

Eine Rezension von Leonie Rottmann   16.01.2019 | 23:00 Uhr

Die kürzlich verwitwete und noch trauernde Anna trifft auf Eigenbrötler Michael. Daraus entwickelt sich eine verstörend-vertraute Beziehung, die auf einem dunklen Geheimnis beruht. Mit vielsagenden Gesten und Blicken zeigt „Cronofobia“, dass die beiden einsamen Menschen mehr als eine zufällige Begegnung verbindet – dabei ist jedes Detail wichtig.

Auszeichnungen

  • Fritz-Raff-Drehbuchpreis
  • Preis des Ministerpräsidenten


Bewertung: Zwei von drei Herzen

Nächtelang beobachtet Michael Suter (Vinicio Marchioni) die junge Witwe Anna (Sabine Timoteo) aus seinem Lieferwagen heraus. Als Privatdetektiv wird er normalerweise für seine Beobachtungen bezahlt. Doch dieser Fall ist anders. Aus persönlichen Beweggründen sucht er Anna auf, die den Tod ihres Mannes nicht verkraftet hat und die Realität nicht sehen will.

Eine schicksalhafte Autofahrt

Als die junge Frau eines Nachts von ihren Eltern vor ihrem Haus bedrängt wird und vor ihnen fliehen möchte, steigt sie kurzerhand in Michaels Lieferwagen ein und lässt sich eine kurze Strecke von ihm mitnehmen. Auf dieses erste, scheinbar zufällige Aufeinandertreffen, folgen weitere Verabredungen. Die beiden kommen sich näher. Und seit Langem ist Michael der erste Mann, den Anna wieder in ihr Haus lässt.

Dort entdeckt Michael einige Hinweise darauf, dass Anna den Tod ihres Mannes weder verkraftet hat noch wahrhaben will: Der Esstisch ist für zwei Personen gedeckt. Durch das verstaubte Geschirr wird klar, dass der Tisch seit dem Tod des Mannes nicht mehr benutzt wurde. Im Kleiderschrank hängen unzählige Männerhemden, von denen sich Anna vermutlich noch nicht trennen konnte. Im Badezimmer findet Michael Hygieneartikel, die eindeutig ihrem Mann gehört haben müssen. Er möchte ihr helfen, den Tod zu verkraften und sieht dafür nur eine Möglichkeit.

Die Geschichte steckt in den Details

Im Laufe einer gefühlvollen, wenn auch manchmal etwas langatmigen Geschichte kristallisiert sich erst nach und nach heraus, welches Schicksal die beiden verbindet. Um die Zusammenhänge zu verstehen, muss der Zuschauer allerdings immer mit voller Konzentration auf kleinste Details achten.

Francesco Rizzi (Foto: Imagofilm Lugano)

Es werden einzelne Szenen gezeigt, die nicht in den Gesamtkontext passen und auch nicht ausreichend eingeordnet werden. Regisseur Francesco Rizzi schafft es trotzdem, die Geschichte von Alleinsein und Verzweiflung mit kurzen, aber aussagekräftigen Dialogen, geschickt gewählten Bildern, interessanten Kameraperspektiven und überzeugenden Schauspielern zu erzählen.

Regie: Francesco Rizzi
Schweiz 2018


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