Szene aus dem Film 'A Gschicht über d´Lieb' (Foto: Zum Goldenen Lamm Filmproduktion)

A Gschicht über d’Lieb

Eine Rezension von Carla Sommer  

Der junge Gregor möchte den Bauernhof seiner Familie Anfang der 1950er Jahre nicht fortführen. Er träumt davon, eine Tankstelle zu eröffnen. Doch für seinen Traum muss Gregor das opfern, was er am meisten liebt: Seine Schwester Maria. Peter Evers' Liebesdrama stellt das Publikum vor eine moralische Herausforderung.

Bewertung: Drei von drei Herzen

SR Lounge: A Gschicht über d'Lieb
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 05:56 Min.]
SR Lounge: A Gschicht über d'Lieb

Ein kleines Dorf im Baden-Württemberg Anfang der 1950er Jahre: Gregor (Merlin Rose) und Maria (Svenja Jung) sind Geschwister und auf einem familiengeführten Bauernhof aufgewachsen. Gregors Vater besteht darauf, dass sein ältester Sohn den Bauernhof eines Tages übernimmt. Doch der impulsive Gregor hat nichts übrig für das Leben als Bauer. Er träumt davon, an der am Dorf vorbeiführenden Bundesstraße eine Tankstelle zu eröffnen. Schließlich willigt der Vater ein, seinem Sohn die Erlaubnis und das nötige Geld zu geben, um seinen Traum zu verwirklichen. Aber nur unter der Bedingung, dass Gregor einen Mann für seine Schwester findet, der an seiner Stelle den Hof weiterführt.

Filmcheck: A Gschicht über d'Lieb
Video [SR.de, (c) SR, 16.01.2019, Länge: 00:43 Min.]
Filmcheck: A Gschicht über d'Lieb

Im Dorf gibt es genug Interessenten, die für eine Hochzeit mit der lebenslustigen Maria in Frage kämen. Doch schon bald wird deutlich, dass Gregor und Maria mehr verbindet als reine Geschwisterliebe. Die anfänglich vorsichtigen Annäherungsversuche der beiden werden bald zu einer leidenschaftlichen Liebe, die gegen alle Regeln verstößt. Als Marias Freundin Anna, die selbst in Gregor verliebt ist, von der Affäre zwischen den Geschwistern erfährt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Mitreißende Leidenschaft der Hauptdarsteller

"A Gschicht über d’Lieb" ist eine poetische, liebevoll erzählte Geschichte über eine verbotene Liebe, die das Publikum bewusst vor ein moralisches Dilemma stellt: Zwar weiß man, wie falsch diese Liebe ist, doch gönnt man Gregor und Maria ihre sinnliche Leidenschaft füreinander so sehr, dass all die Stolpersteine, die dem jungen Paar in den Weg gelegt werden, einen im Kinosessel unruhig hin und her rutschen lassen.

Der Film ist gespickt mit Details. Das Szenenbild ist aufwendig gestaltet und versetzt den Zuschauer mithilfe vieler originalgetreuer Requisiten und Kostüme zurück in die Zeit der 1950er Jahren. Die ruhige musikalische Untermalung passt zur melodramatischen Stimmung des Films. Die jungen Hauptdarsteller wirken beim Imitieren des badischen Dialekts zeitweise etwas bemüht (Svenja Jung stammt aus Rheinland-Pfalz, Merlin Rose ist in Berlin aufgewachsen), spielen ihre Rollen aber so leidenschaftlich, dass man getrost darüber hinwegsehen kann.

Film gewann bereits Drehbuchpreis

Die Geschichte selbst bleibt trotz zahlreicher Verstrickungen authentisch und nachvollziehbar. Für das Drehbuch von „A Gschicht über d’Lieb“ gewann Regisseur Peter Evers bereits 2014 den Thomas-Strittmatter-Preis und auch eine Auszeichnung auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis scheint nicht unwahrscheinlich. Ein Film, den man sich unbedingt anschauen sollte – nicht nur, aber auch, wenn man schon immer mal die Geburt eines Kälbchens auf großer Leinwand sehen wollte.

Regie: Peter Evers
Deutschland 2019


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