Filmrolle (Foto: dpa)

Die Dokumentarfilme im Wettbewerb

 

12 Dokumentarfilme konkurrierten bei der 40. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis um die Gunst der Jury und des Publikums. Wir stellen sie vor.


Congo Calling

Auslandsdokus im Trend
Im Dokumentarfilmwettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis liegen 2019 vor allem solche Themen im Trend, die die jungen RegisseurInnen im Ausland aufgespürt haben: Über die Hälfte der Dokus beschäftigt sich mit Problemen und Kulturen jenseits der Grenze. Martin Breher hat schon vier davon gesehen.

Regie: Stephan Hilpert
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 90 Min.
Franz., Dt., Engl., Kisuaheli mit dt. Ut
Uraufführung

Drei Europäer im Krisengebiet Ostkongo. Sie wollen helfen, doch ihre Lage ist kompliziert. Ein spanischer Wissenschaftler führt seine Kollegen mit Projektgeldern in große Versuchung. Ein deutscher Entwicklungshelfer wehrt sich gegen seinen Ruhestand. Und eine junge Belgierin ist plötzlich mit einem berühmten Regimekritiker zusammen. Drei Perspektiven auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten zwischen Europa und Afrika – und die Frage: Wie hilfreich ist die Hilfe des Westens? 


Die Kandidaten

MOP 19: Dokumentarfilm "Die Kandidaten"
Audio [SR 3, 18.01.2019, Länge: 03:08 Min.]
MOP 19: Dokumentarfilm "Die Kandidaten"

Regie: Michael Schwarz
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 82 Min.
Uraufführung

Generation Y, motiviert, politisch. Sechs rheinland-pfälzische Jungpolitiker·innen der größten Parteien treten im Bundestagswahlkampf 2017 für ihre Überzeugungen an. Was sind das für Personen, die sich hier politisch engagieren? Und wie funktioniert Wahlkampf eigentlich an der Basis, „nah bei de‘ Leut“ und weit weg von Berlin? 


Esta todo bien

Regie: Tuki Jencquel
Venezuela, Deutschland 2018 / Dokumentarfilm / Farbe / 70 Min.
span. mit dt. Ut
dt. Erstaufführung

Als das öffentliche Gesundheitssystem in Venezuela zusammenbricht, werden eine Apothekerin, ein Unfallchirurg, ein Aktivist und zwei Krebspatientinnen mit denselben Fragen konfrontiert wie Millionen anderer Venezolaner: Sollen sie protestieren oder sich fügen, auswandern oder aushalten, die Hoffnung verlieren oder sich an den Glauben klammern? Zusammen steigen sie auf einen Bühne, um sich ihrer Situation zu stellen und mit der kafkaesken Realität ihres Landes zurechtzukommen. 


Helmut Berger, meine Mutter und ich

Interview mit Regisseurin Valesca Peters
Eigentlich wollte Regisseurin Valesca Peters ein Porträt über Helmut Berger, den einst „schönsten Mann der Welt“, drehen. Doch als die Mutter der Regisseurin sieht, was aus ihrem damaligen Idol geworden ist, beschließt sie kurzerhand, Berger zu sich zu holen – in eine 700 Seelen-Gemeinde irgendwo in Niedersachsen.

Regie: Valesca Peters
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe, s/w / 82 Min.
Dt., Engl., Franz., Ital. mit dt. Ut
Uraufführung

Die Mutter der Regisseurin googelt den Filmhelden ihrer Jugend: Helmut Berger. Sie ist schockiert: Von der einstigen Ikone scheint nur noch ein suchtkranker Schatten übrig geblieben zu sein. Sie beschließt, den offenbar katastrophalen Niedergang des einst „schönsten Mannes der Welt“ aufzuhalten. Und so sitzt plötzlich der kapriziöse Schauspieler auf dem Sofa der Mutter in einem niedersächsischen Dorf und bleibt – mehrere Monate. 


Hi, A.I.

"HI, A.I.": Von Robotern und Menschen
Die Dokumentation "HI, A.I." von Regisseurin Isa Willinger zeigt den Versuch, diesen Bedürfnissen mit Robotern zu begegnen. SR-Reporter Martin Breher hat den Film bereits vor seiner Festival-Premiere gesehen und berichtet im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding von seinen Eindrücken.

Regie: Isa Willinger
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 86 Min.
Japan., Engl., Ital., Dt., mit dt. Ut
Uraufführung

Humanoide Roboter sind die neuen Lebewesen. Sie arbeiten an der Rezeption, in Shopping Malls oder als Köche – und sie führen Beziehungen mit Menschen. Wie die charmante Androidin Harmony, mit der der Amerikaner Chuck zu einem Roadtrip quer durch die USA aufbricht. Oder der eigenwillige K.I.-Kobold Pepper, der der Japanerin Sakurai die Einsamkeit vertreiben soll. Wie werden wir mit künstlicher Intelligenz zusammenleben? Was werden wir gewinnen, was verlieren? Ein Film über das Morgen schon im Heute. 


Let the bell ring

Regie: Christin Freitag
Deutschland 2018 / Dokumentarfilm / Farbe, s/w / 90 Min.
engl. mit dt. Ut
dt. Erstaufführung

Malcolm hat den Punch zum Champion. Das größte Amateurturnier in den USA soll für den 23-jährigen Nachwuchsboxer die Eintrittskarte in die Welt des Profiboxens werden. Als er aber seinen ersten Kampf beinahe verliert, droht sein Traum zu zerplatzen. Auch Malcolms Trainer Jessie wird nervös. Er trauert noch um das Ende seiner eigenen Boxkarriere und fürchtet nun, ein zweites Mal zu scheitern. Die beiden verschärfen das Training drastisch und steigern es bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Doch reichen Talent, Leidenschaft und selbst harte Arbeit nicht aus, um weiterzukommen? 


Letztes Jahr in Utopia

Regie: Jana Magdalena Keuchel, Katharina Knust
Deutschland 2018 / Dokumentarfilm / Farbe / 72 Min.
dt. Erstaufführung

2015 wollte in der Reality-TV-Show „Newtopia“ eine Gruppe von Menschen eine eigene und neue Gesellschaftsform gründen. Das Experiment endete nach kurzer Zeit im Streit. Ein Jahr später kehren sechs Teilnehmer auf das Gelände zurück. Begleitet werden sie von Schauspielern, die signifikante Szenen von damals nachstellen. Im Wechselspiel aus Kamera, Schauspielern, Regisseurinnen, Beobachtern und Akteuren verschwimmen die Grenzen: Wer bekleidete damals welche Rolle und wer bestimmt die Regeln jetzt? 


Macht das alles einen Sinn? - Und wenn Ja - warum dauert es so lange?

Regie: Andreas Wilcke
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 102 Min.
Uraufführung

Frank Castorf hat in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg und als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihm verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem Zuschauer alles abverlangten. Der Film begleitet Castorfs abschließende Spielzeit und ist dabei, wenn sich die Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. 


Mein Bruder kann tanzen

Regie: Felicitas Sonvilla
Österreich 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 60 Min.
Uraufführung

Felicitas versucht, die angeschlagene Beziehung zu ihrem jüngeren Bruder Silvius zu retten. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise quer durch Europa an die Orte ihrer fragmentierten Kindheiten. Felicitas verfolgt ein heimliches Ziel: Silvius soll verstehen, wer in ihrer Künstlerpartnerschaft die Regie führt. Denn Silvius ist ein hochbegabter Musiker – und ohne sein Sounddesign und seine Musik sind Felicitas‘ Filme aufgeschmissen. Doch Silvius hat ganz eigene Vorstellungen davon, was das für ein Film werden soll. 


Playland USA

Regie: Benjamin Schindler
Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 88 Min.
Engl. mit dt. Ut
Uraufführung

Nicht Washington ist die Hauptstadt von Amerika, sondern Hollywood. Oder: Das postfaktische Zeitalter begann 1492. Eine poetische Zeitreise durch die imaginierte Geschichte der USA als moderne Märchenwelt, entlang der Spuren unserer Sehnsucht nach Illusion und Eskapismus – gefangen zwischen Fakt und Fiktion und getrieben von den allgegenwärtigen Realitätsverschiebungen. 


Rote Erde weißer Schnee

Regie: Christine Moderbacher
Österreich 2018 / Dokumentarfilm / Farbe / 71 Min.
Dt., engl. mit dt. Ut
dt. Erstaufführung

Der Traktor, Bindeglied der langjährigen Österreich-Nigeria-Patenschaft, will nicht
in Gang kommen. Die Ernte ist in Gefahr. Also macht sich eine Abordnung auf den Weg ins ehemalige Biafra, darunter der Vater der Regisseurin. Während er mit seinen Patenkollegen den Traktor repariert, erkundet die Tochter mit ihrer Kamera das Gelände. Immer stärker tritt ein Geflecht von Abhängigkeiten hervor – und eine Tochter-Vater-Beziehung, die zwischen Sprachlosigkeit, Distanz und Hingezogenheit schwankt. 


Thinking like a mountain

Regie: Alexander Hick
Deutschland, Kolumbien 2018 / Dokumentarfilm / Farbe / 91 Min.
Chibcha, span., Dt. mit dt. Ut
dt. Erstaufführung

Die Arhuacos wachen in Kolumbien über den Wald, die Gipfel aus Fels und Eis und das empfindliche natürliche Gleichgewicht ihrer Umwelt. Jahrhundertelang verteidigte sich die indigene Gemeinschaft gegen europäische Eroberer, Landbesitzer und Minenunternehmen und floh auf den höchsten Berg des Landes. Doch auch hier ist sie nicht mehr allein. Und der Gletscher, den sie für heilig hält, löst sich unter dem Einfluss der steigenden Temperaturen immer weiter auf. 


Rund um Ophüls 2019
"Das melancholische Mädchen" von Susanne Heinrich hat den Hauptpreis des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis gewonnen. Der Publikumspreis für den besten Spielfilm ging an "Kaviar". Hier gibt es alle Infos zum Festival 2019.

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