Simin Sadeghi und Carl Rolshoven in der SR Lounge (Foto: Christoph Stein)

Ein Muss für Filmfans: Donnerstag

Annabell Brockhues   16.01.2019 | 20:00 Uhr

Beim Filmfestival Max Ophüls Preis stehen die Spielfilme im Mittelpunkt. Aber auch in den anderen Wettbewerbsreihen gibt es interessante Stoffe. Simin Sadeghi und Carl Rolshoven geben hier jeden Tag ihre Filmempfehlungen ab.

Welchen Spielfilm sollte man gesehen haben?

Simin:Kaviar“ ist, wie ich finde, die einzige richtige Komödie im Spielfilm-Wettbewerb. Die Story ist gut gemacht mit drei Frauen, die gierige Männer über’s Ohr hauen wollen. Die Erzählart ist gut, ich finde das filmisch gut mit diesen Comic-Kapiteln. Ich finde den einfach sehr witzig – ich glaube, der hat gute Chancen auf den Publikumspreis.

Carl: Österreicher haben einfach einen besonderen Humor und den liebe ich einfach. In dem Film trifft er auf russische Gepflogenheiten und Eigenarten und das ist total witzig. Auch „Lysis“ ist unbedingt sehenswert. Die Inszenierung ist sehr ungewöhnlich, denn es gibt keinen Kameramann. Stattdessen übernehmen die beiden Hauptdarsteller die Kamera und filmen sich quasi im Selfie-Modus. Das zieht einen unfassbar rein, man ist so dicht dran, das ist sehr selten. Aber trotz Selfie-Modus super gute Bilder! Und noch dazu ist es unfassbar spannend. Man leidet wirklich mit den beiden Charakteren, es ist ein unglaublich intensiver Film.

Simin: Der Film hat schon fast einen dokumentarischen Charakter. Außerdem gibt es kein Drehbuch, es ist alles improvisiert. Das macht das Ganze manchmal ein bisschen bröckelig, aber auch sehr realistisch. Du hast einfach ganz normale Gespräche statt vorgegebene Sätze. Die beiden Hauptdarsteller, Oliver Masucci und Louis Hoffmann, kennt man übrigens aus der Serie „Dark“.

Welche Dokumentation lohnt sich besonders?

Carl: Ich empfehle „Hi, A.I.“ – der ist bizarr, aber sehenswert. Es geht natürlich um künstliche Intelligenz. Die Autorin ist um die Welt geflogen, und hat sich in Japan angeschaut, wie humanoide Roboter den Alltag erobern, wie damit gearbeitet wird und war dann in den USA.

Simin: Man bekommt so einen Einblick in die Zukunft und weiß nicht so recht – ist die Zukunft vielleicht schon da? Ist das morgen oder erst in 20 Jahren? Ganz besonders spannend fand ich den texanischen Camper mit seiner Sex-Puppe. Das witzige ist, dass die alle den Humanoiden permanent Fragen zu ihrem Gefühlsleben stellen. Die sehen die irgendwann als richtige Menschen an, mit denen man sich unterhält.

Und sonst?

Simin: „Die Kandidaten“ finde ich interessant. Da geht es um die Bundeswahl, um die Bewerber der einzelnen Parteien in Rheinland-Pfalz. Man bekommt einen richtigen Einblick in deren Alltag, wie sie von einer Feier auf die nächste hetzen, ihr Gesicht zeigen, versuchen Wähler zu gewinnen, von Tür zu Tür gehen. Und es kommen alle Parteien vor: Die Grünen-Kandidatin fährt mit dem Fahrrad durch die Gegend und verteilt Flickzeug, der Kandidat von der CDU rennt nur in weißen Hemden rum, aber muss sein eigenes Fahrzeug für den Wahlkampf plakatieren. Den Kandidaten von der AfD fand ich auch interessant – das sind junge Leute, die sitzen beieinander und sprechen dann über rückwärtsgewandte Themen, die ja nun Mal im Parteiprogramm stehen. Es ist spannend, den Alltag von nicht so großen Politkern im Wahlkampf zu sehen.