Simin Sadeghi und Carl Rolshoven in der SR Lounge (Foto: Christoph Stein)

Ein Muss für Filmfans: Dienstag

Annabell Brockhues   15.01.2019 | 17:43 Uhr

Beim Filmfestival Max Ophüls Preis stehen die Spielfilme im Mittelpunkt. Aber auch in den anderen Wettbewerbsreihen gibt es interessante Stoffe. Simin Sadeghi und Carl Rolshoven geben hier jeden Tag ihre Filmempfehlungen ab.

Welchen Film sollte man gesehen haben?

Carl: Die Dokumentation „Let the bell ring“ ist eine warme Empfehlung. Ich bin null begeistert vom Boxen und habe den Sport auch nie verstanden. Aber der Film zeigt die Philosophie dahinter, dass es auch ein mentaler Sport ist. Die Dokumentation ist in Hochglanzbilder verpackt – so etwas habe ich noch nicht gesehen.

Simin: Das Gegenstück dazu ist die Dokumentation „Letztes Jahr in Utopia“. Filmisch ist es mit relativ einfachen Mitteln umgesetzt, es spielt zum Beispiel an einem Ort, einem Waldstück. Nach einer halben Stunde rätseln, worum es geht, zeigt der Film einen interessanten Einblick hinter die Kulissen einer Reality-Show. Statt an Entertainment und Quoten glauben die Teilnehmer der Show wirklich an das Projekt.

Welcher Spielfilm lohnt sich?

SR Lounge: Talk über "Der Läufer"
Video [SR.de, (c) SR, 15.01.2019, Länge: 04:29 Min.]
SR Lounge: Talk über "Der Läufer"

Simin:Der Läufer“ muss man unbedingt gucken. Weil der Hauptdarsteller Max Hubacher einfach sehr vielseitig ist, er verkörpert seine Rolle bis ins kleinste Detail. Spannend ist, dass der Film nur die Täterperspektive zeigt, wie jemand zum Täter werden kann.

Carl: Was wir aus Schlagzeilen kennen und bei uns Entsetzen hinterlässt, wird versucht aus der Perspektive des Täters zu erklären. Wir lernen, warum das passieren kann. Es ist nur eine Theorie, aber zeigt eine neue Perspektive.

Simin:A Gschicht über d’Lieb“ ist einfach eine schöne Liebesgeschichte. Man wünscht sich die ganze Zeit, dass die Hauptdarsteller zusammenkommen, obwohl sie Geschwister sind. Und dieses „obwohl“ ist von den Filmemachern gewollt. Man kann das an sich nicht gutheißen, aber es ist so liebevoll erzählt. Irgendwann merkt man aber auch, es geht nicht unbedingt um die Liebe, sondern um Aufbruch und Emanzipation.

Carl: Das Historische ist sicher nicht so leicht im ersten Spielfilm zu inszenieren. Aber es ist sehr gut gemacht. Es wird einfach nicht mehr und nicht weniger erzählt, als für den Film wichtig ist.

Und sonst?

Carl: Lolas Bistro ist immer geil! Es ist einfach entspannt – egal, ob man über Filme fachsimpeln oder nur die Atmosphäre genießen will. Hier kann man einfach die Stimmung vom Festival aufsaugen. Und man trifft immer alte Bekannte.

Simin: Es wird übrigens auch getanzt. Es ist schon cool, dann tanzt man irgendwem neben der Hauptdarstellerin oder dem Hauptdarsteller aus dem Film, den man eben noch im Kino gesehen hat.


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