Max Slevogt, -	Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen, 1901, Federzeichnung (Foto: Tom Gundelwein/Stiftung Saarländischer Kulturbesitz)

Slevogt-Werke gehen an Freund-Erben zurück

  23.04.2020 | 14:29 Uhr

Die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz hat mehrere Werke von Max Slevogt an die Erben von Julius Freund zurückgegeben. Sie gehörten ursprünglich zur Privatsammlung des jüdischen Geschäftsmannes, bis die Nationalsozialisten die Werke 1940 beschlagnahmten.

Bei den jetzt formell zurückgegebenen Werken handelt es sich um ein Gemälde, vier Zeichnungen und ein Aquarell. Dank des Entgegenkommens der Familie Freund konnte die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz die Arbeiten zurückerwerben und so für die Sammlung des Saarlandmuseums erhalten. Sie bleiben damit auch weiterhin für die Öffentlichkeit und die Forschung zugänglich. Es handelt sich um folgende Werke:

  • Francisco d’Andrade (Kopfstudie), 1902, Öl auf Leinwand
  • Der Hafen bon Brindisi, 1914, Aquarell
  • Li-Hung-Tschang, 1900, Tuschezeichnung
  • Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen, 1901, Federzeichnung
  • Mungos, 1901, aquarellierte Federzeichnung
  • Klagende Frauen (Klageweiber vor einem Haus), um 1898-1903, Federzeichnung

Die Werke gelangten 1982 mit der Sammlung des zehn Jahre zuvor verstorbenen St. Ingberter Kunstmäzens Franz Josef Kohl-Weigand in die Moderne Galerie des Saarlandmuseums. Ursprünglich waren sie Bestandteil der hochrangigen Sammlung vor allem deutscher Malerei und Grafik des 19. Jahrhunderts, die Julius Freund zusammengetragen hatte.

Die Familie Freund, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde, konnte 1939 nach London flüchten – nachdem sie Zahlungen wie die „Judenvermögensabgabe“ und die „Reichsfluchtsteuer“ geleistet hatten. Mit Wirkung vom 15. Oktober 1940 ließ Reichsführer SS Heinrich Himmler die Ausbürgerung der Familie verfügen und ihren in Deutschland verbliebenen Besitz beschlagnahmen.

Im September 1940 wurde das Ehepaar Freund, damals praktisch mittellos, ausgebombt. Julius Freund erlitt einen Schlaganfall und war fortan gelähmt. Am 11. März 1941 starb er in der Krankenabteilung des Armenhauses von Wigton.

Seine Kunstsammlung hatte Julius Freund bereits im September 1933 in die Schweiz bringen lassen. Nach seinem Tod war seine Frau Clara aus wirtschaftlicher Not heraus gezwungen, sie 1942 bei der Galerie Fischer in Luzern versteigern zu lassen. Teile gelangten dadurch in die Sammlung von Adolf Hitlers Sonderbeauftragtem für den Aufbau eines „Führermuseums“ in Linz.

Nachdem die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz im Zuge ihrer Forschungen die belastete Geschichte der Slevogt-Werke aufgedeckt hatte, ging sie aktiv auf die Erben der heute in Kanada lebenden Familie zu, um gemeinsam eine faire und gerechte Lösung zu erarbeiten.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 23.04.2020.

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