Entführung aus dem Serail (Foto: Rolf Ruppenthal)

Ein musikalischer Leckerbissen

Barbara Grech   18.08.2018 | 14:47 Uhr

Im Merziger Zeltpalast feierte am Freitagabend die Aufführung der Oper "Die Entführung aus dem Serail" von Wolfgang Amadeus Mozart Premiere. Eine Kritik.

Ganz ehrlich?! Meine Begeisterung für diese Premiere hielt sich im Vorfeld deutlich in Grenzen. Es ist zwar schon eine Weile her, aber die Opern-Premieren im Merziger Zeltpalast habe ich jeweils zwischen mittelmäßig und grauenvoll in Erinnerung. Und dann das:
Die fabelhafte Musik von Mozart intoniert von einem wirklich guten Orchester. Präzise aber nicht zu überdreht dirigiert Stefan Bone und macht diesen Opernabend zu einem musikalischen Leckerbissen. Die Sängerinnen und Sänger bieten respektable bis gute Leistungen und es gibt sogar Momente zum Wegschmelzen, wenn der junge ungarische Tenor Gyula Rab den Belmonte gibt – herrlich.

Oper im Zeltpalast: "Die Entführung aus dem Serail"
Audio [SR 2, Barbara Grech, 18.08.2018, Länge: 03:23 Min.]
Oper im Zeltpalast: "Die Entführung aus dem Serail"

Andreas Gergen inszeniert diese Oper klug, mit durchdachten Effekten – an Wasser und Feuer wird in dieser Inszenierung nicht gespart – und vermeidet so die üblichen Rampen-Arien. Das ist gar nicht so Ohne – denn das Libretto und die Handlung sind doch arg verstaubt: inklusive Sklavenhaltung, Harem und Muslimenverachtung – da bedarf es einer Kniffe um aus diesem Singspiel eine heute noch gültige Aufführung zu machen – von der Musik mal abgesehen.

Längliche Monologe von Zaimoglu

Die Merziger Inszenierung bedient sich deswegen der Figur des Bassa Selim, also dem Haremhalter, der Konstanze und seine Zofe gefangen hält. Er führt als Erzähler durch die Handlung und dessen Text wurde komplett neuverfasst von dem deutsch-türkischen Autor Feridun Zaimoglu, bekannt durch den Roman Kanak Sprak. Eine Art ost-westlicher Diwan-Monolog, hervorragend interpretiert durch den Schauspieler Boris Jacoby.

Doch leider sind diese doch sehr üppigen Monologe auch die einzigen, wenn auch nicht ungewichtigen Wehrmutstropfen in dieser Inszenierung. Sie sind schlicht viel zu lang und ziehen diesen Opernabend in die Länge. Da wäre ein mutiger Dramaturg mit einem kräftigen Strich von Nöten gewesen. Zaimoglu hin oder her.

Also: Wer über das nötige Sitzfleisch verfügt – der wird gut bedient mit der Entführung aus dem Serail im Merziger Zeltpalast.

Video [aktueller bericht, 17.08.2018, Länge: 4:10 Min.]
Die Entführung aus dem Serail in Merzig

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Mittag vom 19.08.2018 auf SR3 berichtet.

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