Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor der Völklinger Hütte (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Grewenig-Ende: "Auf zu neuen Ufern!"

Michael Thieser   19.01.2019 | 12:30 Uhr

Der Abschied von Meinrad Maria Grewenig bedeutet eine tiefe Zäsur in der saarländischen Kulturlandschaft. Der bald 65-Jährige ist das Gesicht der Völklinger Hütte. Doch einen neuen Vertrag erhält der langjährige Generaldirektor nicht. Zuzuschreiben hat er sich das selbst. Ein Kommentar von Michael Thieser.

Stimmen SR 2, Michael Thieser (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Michael Thieser

Hunderttausende Besucher, ein durchsaniertes Denkmal - die alte Völklinger Hütte, so wie die heute dasteht, wird auch nach seinem Abschied mit dem Namen Meinrad Maria Grewenig für immer verbunden bleiben. Die Hütte ist, wenn man so will, inzwischen auch längst zu seinem persönlichen Denkmal geworden. Trotzdem muss er nun gehen. Angesichts der Tatsache, dass Grewenig die Ruhestandsgrenze erreicht hat, eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch in diesem Fall wird ein Politikum daraus, eben weil seine Verdienste so groß sind. Aber, und dies ist die Kehrseite: Keine Landesregierung und kein Kulturminister kann es sich auf Dauer erlauben und akzeptieren, sich von einem einzelnen Kulturmanager derart am Nasenring durch die Arena ziehen zu lassen.

Hütte als Kulisse

Grewenig glaubte am Ende, unangreifbar zu sein. Er wollte fünf Jahre mehr, zu den gleichen Konditionen und darüber hinaus freie Hand bei der Wirtschaft- und Finanzplanung, mögliche Verluste inklusive. Nachfragen ließ er nicht zu und empfand diese, wie man hört, zuletzt als eine Art Majestätsbeleidigung bzw. von Unkenntnis und fehlendem Sachverstand geprägt. So etwas geht nicht! Und deshalb haben die Verantwortlichen dem nun ein Ende gemacht. Der Vertrag von Meinrad Maria Grewenig wird nicht verlängert. Er hat sich dies selbst zuzuschreiben. Mit einem Ruhegehalt von rund 10.000 Euro pro Monat kann er sich nun um neue Projekte kümmern. Angeblich hat er bereits konkrete Angebote vorliegen.

Kommentar: "Das Saarland hat ihm viel zu verdanken, trotzdem ist niemand unersetzbar"
Audio [SR 3, Michael Thieser, 19.01.2019, Länge: 03:04 Min.]
Kommentar: "Das Saarland hat ihm viel zu verdanken, trotzdem ist niemand unersetzbar"

Die saarländische Kulturpolitik hingegen muss sich auf die Suche nach einem Nachfolger machen. Einen fertigen Plan B gibt es nicht. Und dies ist auch gut so. Die jetzige Situation bietet die Möglichkeit, einmal innezuhalten. Ältere werden sich noch an die leidenschaftliche und inspirierende Debatte erinnern, als es um den Erhalt der Völklinger Hütte ging, bevor sie als Weltkulturerbe anerkannt wurde. Eine solche Diskussion wäre auch jetzt wieder wünschenswert und jenseits aller Erfolgsmeldungen eine Chance, sich nach 20 Jahren von neuem darüber klarzuwerden, wohin man eigentlich will.

Nicht irgendein Denkmal

Die alte Hütte steht für die Geschichte des Saarlandes sowie für den Wandel von der Eisenindustrie über die Dienstleistungsgesellschaft hin zur Digitalwirtschaft. Diesen Bogen zu spannen, sagen Kritiker, sei Grewenig zuletzt immer weniger gelungen. Der Vorwurf lautet, er habe die Hütte nur noch als Kulisse gesehen, für Inkagold oder die Geschichte der Queen. Die kommende Ausstellung über das Gold der Pharaonen, die Grewenig noch zu Ende bringen will, ist wiederum eine Wiederholung und hat in ähnlicher Form bereits vor über 20 Jahren in Speyer, seiner früheren Wirkungsstätte, stattgefunden.

Es kommt somit auf die Balance an und ein Generationswechsel an der Spitze bietet immer die Möglichkeit, mit völlig neuen Ideen und Konzepten die Zukunft zu denken und dann auch zu gestalten. Die Alte Völklinger Hütte ist nicht irgendein Denkmal, sondern ein wirklicher Champion in der Riege der Weltkulturerbestätten in Europa. An Interessenten für die Nachfolge von Meinrad Maria Grewenig dürfte es deshalb nicht mangeln. Der oder die Neue soll nun mit Ruhe gefunden werden und man darf schon jetzt gespannt sein, was an neuen Ideen und Impulsen am Ende dabei herauskommt.

Wer immer mit privaten Gästen das Weltkulterbe in Völklingen besucht, löst Begeisterung aus und selbst eingefleischte Saarländer sind immer wieder aufs Neue erstaunt, welche Faszination die alten Hochöfen, Förderbänder und Werkstätten auslösen können. Meinrad Maria Grewenig hat dieses Erbe in den letzten zwei Jahrzehnten grandios vermarktet. Das Saarland hat ihm viel zu verdanken, trotzdem ist niemand unersetzbar!

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Mittag auf SR 3 Saarlandwelle vom 19.01.2019 berichtet.

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