Feuerwehrfrau Kathrin Bayer hält nach einem Probe-Einsatz eine Babypuppe im Arm. (Foto: privat)

Kein Puppenspiel: Als Frau bei der Feuerwehr

Manuela Weichsel   21.03.2019 | 15:00 Uhr

Die Zahl der Feuerwehrfrauen nimmt deutschlandweit langsam, aber stetig zu. Kathrin Bayer ist für die Freiwillige Feuerwehr in Riegelsberg im Einsatz. Sie hat ihre große Leidenschaft schon vor elf Jahren gefunden.

Wenn Kathrin Bayer von der Feuerwehr redet, leuchten ihre Augen. Was sie daran so begeistert? „Alles! Die Arbeit an sich macht Spaß, besonders die Einsätze, weil man da Leuten wirklich helfen kann. Und das Adrenalin, was da ausgeschüttet wird!“

Seit elf Jahren ist die 38-Jährige bei der Freiwilligen Feuerwehr in Riegelsberg. Sie ist eine von 1053 Frauen im Saarland, die bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten. Männer gibt es mehr als zehn Mal so viele. Die Zahl der Frauen steigt. Langsam, aber stetig. Sowohl bundesweit als auch im Saarland.

„Fasziniert hat mich die Feuerwehr schon immer“, sagt Kathrin Bayer. „Aber ich hab mich nie getraut.“ Ihr damaliger Freund war bei der Freiwilligen Feuerwehr, wollte das Hobby aber nicht so gerne teilen. Auch von den anderen Männern wusste sie: „Die wollten lieber unter sich sein. Wenn da Frauen dabei sind, fühlen die sich gestört.“

Unkomplizierter Eintritt

Sie hat das akzeptiert - damals war es noch eine Männerdomäne. Frauen bei der Feuerwehr waren einfach nicht so gängig. Aber als sie nach der Trennung zurück nach Riegelsberg kam, fasste sie sich ein Herz und trat in die Freiwillige Feuerwehr ein. Das hätte unkomplizierter nicht sein können. „Ich bin hin - und dann war ich da.“

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Riegelsberg hat sie auch ihren Ehemann kennengelernt. Mittlerweile haben sie zwei kleine Kinder: eine Tochter und einen Sohn. Fast jeden Freitag haben die Feuerwehrleute einen Übungseinsatz. „Wir haben jetzt den Luxus, dass wir für die Dienste einen Babysitter haben. Ansonsten teilen wir uns auf. Wenn wir keine Betreuung für die Kinder haben, geht eben nur einer von uns.“

Familie geht vor

Arbeit und Kinder gehen natürlich vor, sagt Bayer. "Mit Familie hat man schon weniger Zeit für die Feuerwehr, das ist definitiv so." Aber wenn es das Privatleben und die Arbeit zulassen, fühlt sie sich der Feuerwehr schon verpflichtet. „Freiwillig ist eigentlich nur der Eintritt“, lacht Bayer. „Man soll nicht auf der Couch zuhause sitzen bleiben und sagen: Oh nee, auf Einsatz im Regen hab ich jetzt keinen Bock.“

Das gilt für Frauen genauso wie für Männer. „Das ist nicht jedermanns Sache. Man muss schon hart anpacken können. Und man sieht auch Dinge, die man nicht unbedingt sehen möchte. Das verkraftet nicht jeder“, meint Bayer.

Ob sich Männer bei der Freiwilligen Feuerwehr auch mal als Machos verhalten würden? „Schon“, sagt die Feuerwehrfrau „aber das hängt immer vom Typ Mensch ab. Das kann man nicht verallgemeinern.“

Es komme vor, dass Frauen nicht ernstgenommen werden und manche Männer „schon oft vieles besser wissen“. Sexistische Bemerkungen habe sie in Riegelsberg aber noch nie erlebt, sagt sie entschieden. Insgesamt sei das Klima sehr gut. Manchmal bleiben die Feuerwehrleute nach den Diensten noch zum Quatschen in der Wache oder bestellen etwas zu essen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die aktiven Frauen in Riegelsberg kann Bayer aufzählen: „1, 2, 3, 4, 5, 6...ich glaube sechs oder sieben sind es.“ Drei davon haben Kinder. „Wenn man schwanger ist, kann man nicht so viel machen. Und auch wenn man stillt, kann man nicht zum Einsatz, weil man ja vorher nie weiß, wie lange das dauert.“ Manche Frauen kommen dann unregelmäßiger oder auch gar nicht.

Wenn die Kinder groß genug sind, gehen sie oft selbst zur Feuerwehr. Eine der Feuerwehrfrauen in Riegelsberg habe zwei Töchter, die mittlerweile selbst bei der aktiven, also erwachsenen Freiwilligen Feuerwehr sind. Auch Bayer würde sich freuen, wenn ihre anderthalbjährige Tochter irgendwann mal Feuerwehrfrau werden will. Wenn die alt genug ist, sind Frauen in der Feuerwehr wahrscheinlich längst nichts Neues mehr.

In Riegelsberg gibt es seit ein paar Jahren eine eigene Frauenumkleide und die ist fast voll – mit weiblichen Jugendlichen und Erwachsenen. Früher haben sich Männer und Frauen zusammen umgezogen. Für Kathrin Bayer war das kein Problem: „Im Einsatz hat man gar keine Zeit, zu gucken, was der andere für ’ne Unterhose anhat.“