Der Rosenkavalier. Marie Smolka (Sophie); Markus Jaursch (Baron Ochs); hinten: Pauliina Linnosaari (Feldmarschallin); Carmen Seibel (Octavian); Peter Schöne (Faninal) (Foto: Martin Kaufhold/Saarländisches Staatstheater Saarbrücken)

Der Rosenkavalier im Staatstheater

Michael Schneider   24.03.2019 | 12:30 Uhr

Der Rosenkavalier gilt als eine der bekanntesten Opern von Richard Strauss. 1912 brachte er sie erstmals auf die Bühne, und sofort wurde die ironische Handlung rund um den Wiener Hof im 18. Jahrhundert zum Kassenschlager. Nun hat das Saarländische Staatstheater dieses Stück aufgenommen, in der Inszenierung von Jakob Peters-Messer. Am Samstagabend war Premiere im Großen Haus.

Staatstheater inszeniert "Der Rosenkavalier"
Audio [SR 3, (c) SR, 24.03.2019, Länge: 03:13 Min.]
Staatstheater inszeniert "Der Rosenkavalier"

Die reifere Dame trifft sich mit ihrem blutjungen Geliebten zum Tete-à-tete im noblen Wiener Stadtpalast. Und besingt, was sie längst ahnt: Dass alles vergänglich ist und auch die Reize im Laufe der unbarmherzigen Zeit vergehen. Pauliina Linnosaari* gibt die Feldmarschallin Fürstin Weidenberg - und überzeugt nicht nur mit ausdrucksstarker Stimme, sondern auch mit ihrer Bühnenpräsenz - kontrolliert, überlegend und doch auch leidenschaftlich im Zusammenspiel mit ihrem Liebhaber.

Der wird verkörpert von Mezzosopranistin Carmen Seibel. Burschikos tritt sie auf, verkörpert erstmals den jungen Octavian, hin- und hergerissen zwischen seiner Verehrung für die Feldmarschallin und der Schwärmerei für eine Jüngere. In der ebenso jungen wie hochwohlgeborenen Sophie entdeckt der Junge sein neues Ideal, als er ihr die Silberrose zur bevorstehenden Hochzeit überbringt.

Der vierte in diesem Quartett: Markus Jaursch, ebenfalls erstmalig auf der saarländischen Bühne zu sehen. Im Rosenkavalier ist er Baron Ochs auf Lerchenau. Ein Lebemann, bisweilen frivol und vor allem: Einer, der mit seinem intensiven Spiel alle Augen auf sich zieht.

"Solide Opernkunst"

Was auf der Bühne passiert: Durchaus harmonisch, sich von Aufzug zu Aufzug steigernd, solide Opernkunst. Die Kulisse dafür sind elegante Wiener Stadthäuser. Endlos hohe Prachtzimmer und Türengänge, die den Betrachter mit ihrem Prunk fast erschlagen. Sie sind der Rahmen für ein fröhliches Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, verwirrende Maskenbälle und viel Wiener Walzer.

Das alles ist kitschig, zieht die österreichische Donaumonarchie ins Lächerliche und war in dieser Oper immer schon angelegt. Warum aber muss diese Inszenierung sich fast sklavisch ans Original halten? Im Jahr 2019 hätte dem gefeierten Regisseur Jakob Peters-Messer durchaus der ein oder andere ironische Bruch einfallen können. Doch das passiert nicht: Alle Rollen sind in ihrem starren Hofkorsett gefangen, überzeichnet und merkwürdig aus der Zeit gefallen unter ihren bepuderten Adelsperücken.

Und so ist dieser Rosenkavalier am Ende eine weitere Version eines ausgiebig beackerten Stoffs, der wenig Neues einfällt. Immer noch ganz große Oper - nur eben leider mit wenig eigenen Ideen.

* In den Aufnahmen zu diesem Artikel ist nicht Pauliina Linnosaari, sondern die Zweitbesetzung Valda Wilson zu hören. Das SST hat zur Berichterstattung Tonaufnahmen von der Hauptprobe zur Verfügung gestellt. Der Text bezieht sich auf die Besetzung bei der Premiere.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Sonntag vom 24.03.2019 berichtet.

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