Warten auf die nächste Fahrt in Südafrika (Foto: Daniel Dakuna)

Per Anhalter durch die Welt

Matthias Braun   02.02.2020 | 08:56 Uhr

Daniel Dakuna hat eine beeindruckende Reise hinter sich: Innerhalb von zwei Jahren legte der Tholeyer 53.000 Kilometer durch 48 Länder zurück, ausschließlich per Anhalter. Dabei hat er verrückte Geschichten erlebt und besondere Menschen getroffen. Ankommen muss er aber erstmal nicht.

"Eigentlich wollte ich nie reisen", sagt der Endzwanziger, der mit bürgerlichem Namen Daniel Klesen heißt. "Mein Studium hat mich irgendwann mal nach Australien verschlagen, weil ich dachte, das macht sich gut im Lebenslauf. Ich wollte Karriere machen und viel Geld verdienen. Das war mal mein Ziel." Mit seinen unzähligen Tattoos, dem Bart und den langen Haaren sieht er heute nicht mehr aus, als hätte er "mal mit Finanzen gearbeitet". Seinen Job, sein Leben und seine soziale Sicherheit habe er durchaus gemocht, dennoch sei dieses Gefühl, dass es da noch mehr geben muss, nie ganz verschwunden.

Geld weg, Daumen raus

Zum Trampen kam er tatsächlich aus einem sehr pragmatischen Grund. Als er seine erste Australien-Reise nach Neuseeland ausgeweitet hatte, war ihm plötzlich das Geld ausgegangen. Seitdem fängt jeder seiner Trips mit dem ausgestreckten Daumen an. Es sei nicht nur der finanzielle Aspekt, der das Trampen so spannend mache, viel eher seien es die Begegnungen. Er habe beim Trampen sehr viel Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren – und außerdem vollkommen verrückte Geschichten erlebt.

Einmal verbrachte er eine Woche im Bus mit einer Band aus Ecuador, die gerade in Japan auf Tour war. In Schweden war er eine Nacht lang in einem Luftschutzbunker eingesperrt, zusammen mit einem früheren Geschäftspartner von Muammar Al-Gaddafi. Ein anderes Mal landete er durch ein Missverständnis in Ma’an, einer der gefährlichsten Städte Jordaniens. Eigentlich wollte er in die Hauptstadt Amman, der Fahrer hatte ihn aber nicht richtig verstanden.

Hakuna Matata

"Das ist nicht immer etwas, nach dem man sucht", gibt Dakuna lachend zu. "Aber es ist immer eine wertvolle Erfahrung. Außerdem ist man gezwungen, offen für Neues zu werden." Nicht von ungefähr hat er seinen Künstlernamen von dem Ausspruch "Hakuna Matata" abgeleitet, den viele aus dem Film "Der König der Löwen" kennen. Aus dem Swahili übersetzt bedeutet er etwa so viel wie: "Keine Schwierigkeiten." Ganz ehrlich, wie soll der Mann sonst heißen?

Eine sehr prägende Begegnung hatte er auf einer früheren Reise mit einem alten Mann auf der indonesischen Insel Java. "Er stand auf der staubigen Straße vor seinem verfallenen, kaputten Haus, quasi vor dem Nichts, aber als er mich sah, nahm er meine Hand und lachte. Das ging etwa fünf Minuten, und wir konnten uns nicht unterhalten, aber er hat so glücklich gewirkt." Für den Weltenbummler der Anfang eines grundlegenden Umdenkens. "Damals hatte ich noch andere Vorstellungen davon, was Glück eigentlich ist. Mein Traum war immer ein Lamborghini gewesen", erzählt er.

Was bedeutet Glück?

Dass Helfen und Geben für ihn mehr wert sind als materieller Wohlstand, das hat ihm ein junger Mann in Bosnien klargemacht, der als ehemaliger Kindersoldat schreckliche Dinge habe tun müssen. Aus Dankbarkeit, diesem Leben entkommen zu sein, und weil ihm Musik dabei geholfen habe, unterrichte er jetzt kostenlos Kinder in seiner eigenen Musikschule. "Das hat meine kleine deutsche Interpretation von Glück wirklich verändert."

Neben wichtigen Lektionen und tollen Menschen hielt die Reise aber auch Schattenseiten für ihn bereit. "Manchmal habe ich mich wie der einsamste Mensch auf der Welt gefühlt und wollte alles hinschmeißen." Besonders die Trennung von Familie und Freunden sei ihm schwergefallen. Man dürfe das alles auch nicht zu sehr romantisieren, warnt der 29-Jährige. Trotzdem stünden jedem negativen Moment Hunderte positive gegenüber. Er habe gelernt, dass die Welt "mitnichten so schlecht ist, wie sie oft dargestellt wird."

Neue Wertschätzung

In seinen Augen sind es oft die kleinen Dinge, die dazu beitragen. "Wenn ich jemandem die Tür aufhalte oder jemanden zum Lachen bringe, dann habe ich durch diese kleinen Gesten die Welt besser gemacht." Dazu gehörten Wertschätzung und Dankbarkeit, auch diese Dinge habe er unterwegs gelernt. Wie großartig und wertvoll zum Beispiel eine Dusche sein kann, falle einem erst auf, wenn es irgendwo mal nicht 24 Stunden am Tag warmes Wasser gebe.

Mittlerweile sammelt Dakuna Spenden für soziale Projekte in Afrika und hält regelmäßig Vorträge, die die Menschen inspirieren sollen, auch wieder etwas mehr Glück und Dankbarkeit in ihrem eigenen Leben zu finden. Er will zurückgeben, weil er selbst so viel empfangen habe, sagt er. Dabei sieht er sich selbst eigentlich sogar nur als Vermittler: "Wenn ich eine Geschichte von einem armen Bauern in Kirgisistan erzähle, und in Deutschland ändert jemand daraufhin seine Sichtweise auf bestimmte Dinge, dann ist das toll“, sagt er nicht ohne Stolz.

Langfristig nach Südamerika

Daniel Dakuna wird wohl noch oft mit seinem Rucksack an der Straße stehen, bevor er irgendwo ankommen, eine Familie gründen oder sesshaft werden will. Das könnte nach eigenen Angaben in Südamerika sein. Langfristig plant er nämlich, dorthin auszuwandern und eine Strandbar zu eröffnen – der vollkommene Aussteigertraum. Ob und wie das klappt, darüber macht er sich jetzt bewusst keine Sorgen. "Ich gehe Probleme an, wenn sie kommen. Sonst verpasst man zu viel von der Reise."

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