Schauspieler des Stücks "Berenike" (Foto: SR)

"Berenike" feiert Premiere in der Alten Feuerwache

Barbara Grech   18.09.2022 | 12:15 Uhr

Das saarländische Staatstheater hat mit "Berenike" in der Alten Feuerwache die Theatersaison eröffnet. Am Samstagabend war Premiere und Barbara Grech hat sich das Stück angeschaut.

Sie müssen sich das so ähnlich vorstellen, wie anno dunnemals bei Prince Charles und Camilla. Man liebt sich tief und innig, darf aber kein Paar sein, weil es die Stellung des Prinzen und das Vorleben, die Herkunft von Camilla verbieten.

So ähnlich verhält es sich im antiken Rom bei Titus, der zum Kaiser ernannt wird und der Königin von Palästina, Berenike. Salopp formuliert duldet das römische Volk keine Kaiserin, die nicht Bio-Römerin ist.

Wenn das Private politisch wird. Wenn man abwägen muss zwischen unendlicher Macht oder privatem Glück. Das hätte ein Ansatz der Inszenierung sein können, daneben der schöne, gewaltige Text, der dieses fragmentarische Theaterstück prägt und der Chefdramaturg Horst Busch offensichtlich inspiriert hat, dieses selten gespielte Stück auf die Bühne zu bringen.

Kritik von Barbara Grech zu "Berenike" in der Alten Feuerwache
Audio [SR 3, (c) SR, 18.09.2022, Länge: 03:08 Min.]
Kritik von Barbara Grech zu "Berenike" in der Alten Feuerwache

Alice Buddeberg führte Regie

Doch all das scheint die Regisseurin Alice Buddeberg nicht so wirklich zu interessieren. Statt auf die Kraft des Wortes, setzt sie auf die Kraft der Bilder. Gleich zu Anfang dieses Theaterabends gibt es eine - gefühlt - 15-minütige Pantomimen-Schau. Entwurzelte Akteure stolpern über die Bühne. Schwarze Säcke werden auf einer Fensterbank gestapelt und es regnet unablässig schwarze Fetzen vom Theaterhimmel.

Pittoreske Bilder - allein was sie mit dem Stück zu tun haben, erschließt sich einem nicht. Auch die zerrissene Seelenlage der drei Hauptakteure scheint im Fokus der Inszenierung von Buddeberg zu stehen. Geradezu expressionistisch lässt sie die Schauspieler das Innere nach Außen kehren.

"Expressionistische Bilderflut"

Doch vor lauter expressionistischer Bilderflut und bisweilen exaltierter Schauspielerei gerät der Abend dann doch immer wieder an den Rand eines Kasperle-Theaters und das obwohl alle drei Akteure sehr gut mit der scheinbar altertümlichen Sprache umgehen, ihr Leben einhauchen, wenn denn mal gesprochen wird!

Das sind die starken Momente des Theaterabends, die aber leider in der zähen Bilderflut untergehen. Und es bleibt der Eindruck: Gewollt - aber nicht gekonnt.

„Berenike“ in der Alten Feuerwache – von Liebe und Politik
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 14.09.2022, Länge: 05:15 Min.]
„Berenike“ in der Alten Feuerwache – von Liebe und Politik

Über dieses Thema wurde auch in der SR3-Sendung "Region am Sonntag" vom 18.09.2022 berichtet.

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