Impressionen vom Comicfestival in Angoulême (Foto: Sabine Wachs)

Zu Besuch auf Europas größtem Comic-Festival

Sabine Wachs   01.02.2020 | 13:18 Uhr

Rund 200.000 Gäste  besuchen das Festival international de la bande dessinée d’Angoulême in diesem Jahr. Die Stilrichtungen reichen von A wie Asterix und Obelix bis Z wie Zombi-Comic.

Comicfestival in Angoulême
Audio [SR 3, (c) SR, 01.02.2020, Länge: 02:16 Min.]
Comicfestival in Angoulême

Was Cannes für den Film ist Angoulême für den Comic. Das Festival international de la bande dessinée d’Angoulême zieht jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher an - absolutes Must-go für alle Comic-Fans.

Schon am Bahnhof in Angoulême tauchen die Besucher ein in die Welt der Bandes Déssinés, wie die Comics auf Französisch heißen. Le Fauve, die schwarze Katze mit den hochgezogenen Augenbrauen, seit Jahrzehnten das Maskottchen des Festivals, begrüßt die Besucher noch auf dem Gleis. Vor dem Bahnhof, an der großen Tafel mit dem Festivalplan steht einen Menschentraube. Mittendrin Guiseppe und seine Freunde - allesamt junge Comicautoren, gerade fertig mit der Uni. Sie kommen aus Bologna: "Wir lieben Angoulême, es ist eine tolle Stadt, überall sind Comics."

Willkommen in Manga-City

Auf dem Festival suchen die jungen Autoren und Zeichner Kontakt zu Verlegern. Sie schätzen das Internationale Comic-Festival. Es ist familiär und gleichzeitig vielfältig. Über Lautsprecher, die in der ganzen Stadt hängen, werden die einzelnen Veranstaltungen – Lesungen, Ausstellungen oder Konzerte angekündigt. Es gibt unfassbar viel zu sehen und einen Überblick über das Festival zu bekommen, das an mehr als zehn Orten stattfindet, ist gar nicht so leicht.

Auf dem Rathausplatz, vor dem Zelt, in dem die Comic-Börse ihre Heimat hat, überlegen Aurélie und Julien gerade, was sie sich als nächstes anschauen wollen. Lieber in die knallbunte und schrille Manga-City, neues entdecken bei den jungen Talenten oder doch in eine Ausstellung? "Wir lesen nicht die gleichen Sachen, aber hier findet jeder was für sich. Auch wenn man unterschiedliche Stilrichtungen mag. Hier findet man die Geschichte der Comics, nicht nur das, was aktuell auf dem Markt ist. Auch kleine Verlage. Und das ist das Interessante. Mir öffnen sich neue Welten. Comics, Reihen, die ich nicht kannte, die ich ohne das Festival niemals kennengelernt hätte."

"The Walking Dead" auf Papier

Aurélie steht eher auf Science-Fiction, Julien liest gerne düstere amerikanische Comics – er freut sich auf die Robert Kirkman-Retrospektive. Eine Ausstellung über das Gesamtwerk des Erfinders der Zombi-Comic-Serie "The Walking Dead". Sie wird im Alpha gezeigt, in der großen Mediatèque von Angoulême, und versetzt das Publikum in die Welt der Zombis, der Zeit nach der Apokalypse: "Hier haben wir die Teufelstür nachgebaut. Das ist eine Schlüsselszene bei 'The Walking Dead', ganz am Anfang. Rick Grimes, die Hauptfigur erwacht aus dem Koma und stolpert im Krankenhaus auf diese Tür zu, die die Menschen verbarrikadiert haben, um die Zombies daran zu hindern, in das Krankenhaus einzudringen", sagt Kurator Philippe Guedj.

Alle drei Minuten, so Guedj, klappert die Tür, vor der eine Blutspur auf dem Boden zu sehen ist. Das zerstörte Krankenhaus, das Bett, in dem Rick Grimes im Koma lag, ein zerstörter Tropf, gerissene Röntgenbildschirme - die Kulisse der Ausstellung ist ein Comic, der die Besucher in seinen Bann zieht. Die Kirkman-Retrospektive ist eines der großen Highlights des Festivals, das seinen Fokus in diesem Jahr auf die Szenaristen setzt. Nicht nur Kirkman, auch Pierre Christin, Szenarist der Science-Fiction-Comics "Valérien et Véronique", wird mit einer Ausstellung über sein Gesamtwerk geehrt.

Straße nach Asterix-Erfinder benannt

"Es war schon lange der Wunsch des Festivals, die Szenaristen zu ehren. Lange Zeit tauchten ihre Namen nur selten auf den Einbänden der Comics auf", sagt Festivalleiter Franck Bondoux. Es seien die Szenaristen, die viele Geschichten erfinden, sie aber nicht immer auch selbst umsetzen. Der bekannteste Szenarist, für Franck Bondoux ist der Asterix-Vater René Goscinny, dem Angoulême sogar eine Straße gewidmet hat. Auch außerhalb der Festivalorte kommt an Comics in Angoulême nicht vorbei. Von den Hauswänden schauen einem Lucky Luke, Jolly Jumper, die Daltons und viele andere Comic-Figuren entgegen. Eine Chocolatier hat kleine, dicke Schoko-Obelixe im Schaufenster und sogar im Friseurladen hängen Gaston-Comics an den Wänden.

"Das war eine richtige Überraschung, als wir hier angekommen sind. Vom Bahnhof über die Läden, hier dreht sich alles um Comics. Hier ist man wirklich mittendrin in der Comic-Stadt. Ich hätte niemals gedacht, dass das Festival eine solche Dimension hat", sagt Lilia, die extra aus der Ukraine nach Angoulême gereist ist. Mit rund 200.000 anderen Besuchern aus aller Welt kann sie noch bis Sonntagabend die magische Atmosphäre in der europäischen Comic-Hauptstadt Angoulême genießen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 01.02.2020 berichtet.


Konzept

Die Comicbegeisterung in Frankreich ist mit dem deutschen Comicmarkt nicht zu vergleichen. Aber sie schwappt auch über die Grenze: Gut die Hälfte aller frankophonen Bücher, die für Deutschland übersetzt werden, sind Comics. Von den Klassikern wie Asterix oder Lucky Luke bis zu heutigen Serien wie Largo Winch oder XIII, von Cartoongrößen wie Sempé oder Pénélope Bagieu bis hin zu den Zeichnern und Zeichnerinnen von Charlie Hebdo oder den Graphic Novels eines Guy Delisle.

Hier bietet SR.de exklusiv für Deutschland eine regelmäßige Auswahl aktueller Titel, aber auch Hinweise auf Klassiker und Gesamtausgaben. Kontakt: gheger@sr.de

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