Schlumpf-Erfinder Pierre Culliford (Foto: picture alliance/-/IMPS/dpa)

Blaue Bengel

Welterfolg eines Abfallsprodukts der Comicgeschichte

Gerd Heger   22.10.2018 | 08:30 Uhr

Schlumpf, Schtroumpf, Smurf, Pitufo oder Puffo – wer kennt sie nicht? Auf der ganzen Welt haben sie Erfolg - dabei waren die Schlümpfe eher zufällig entstanden. Am 23.10.1958 tauchten sie zum ersten Mal auf, im Comicmagazin Spirou.

Ein minikleines Zimmer in einem Brüsseler Appartement: 2,5 auf drei Meter, voller blauen Dunstes – der Geburtsort der Schlümpfe. Schlümpfeerfinder Peyo war kein Schnellzeichner, schon bald halfen ihm andere bei den vielen Aufträgen. Der junge Schweizer Zeichner Derib war mit dabei.

Punkt sechs klingelte ich, es wurde aufgemacht, da waren Peyo, Deuquet, Walthéry – meine ersten Profizeichner.
Happy Birthday ihr Schlümpfe!
Audio [SR 3, Gerd Heger, 23.10.2018, Länge: 03:12 Min.]
Happy Birthday ihr Schlümpfe!

Blau waren die Schlümpfe aber nicht wegen der verrauchten Atmosphäre, in der die Leute pafften und kritzelten, die jede Woche was liefern mussten fürs berühmte Comicmagazin Spirou: Blau waren sie, weil die Frau von Peyo, Nine Culliford, als Koloristin der tuschegezeichneten Wichte sie gegen den Waldhintergrund absetzen musste.

Zunächst tauchten die Knirpse in einem Abenteuer von Peyos Mittelalterserie „Johann und Pfiffikus“ auf. Sie kamen so gut an, dass sie ein Minialbum bekamen. Die musste man damals rausreißen und selber zusammentackern – wieder ein Riesenerfolg. Der Rest ist Geschichte: Die Kumpels Yvan Delporte, Chefredakteur von Spirou, und Peyo saßen beim Abendessen. Peyo fiel der Name für den Salzstreuer nicht ein. „Gib mir den Schlumpf da“, meinte er. Und plötzlich schlumpfte der Abend zur Schlumpfdiskussion.

Die waren alle Komiker, zutiefst, sie wollten die Leute zum Lachen bringen (Luce Roba, damals Ehefrau eines der Spirouzeichner)

Mit Schlumpffiguren aus Latex und natürlich massenhaft Schlumpfwerbung, so für die Schokopaste Kwatta oder Kellog’s Cornflakes, wurden die „Stroumpfs“ in Belgien und Frankreich wirklich berühmt. Mit einer ersten Zeichentrickserie, damals noch in Schwarzweiß, und über das Magazin von Fix und Foxi dann ab Mitte der 60er setzten sie ihre Erfolgsgeschichte auch in Deutschland fort. So dass auch der Niederländer Vader Abraham ein Jahrzehnt später mit ihnen einen Hit landete.

Cover zum 2. Minialbum "Die schwarzen Schlümpfe" (Foto: Splitter Verlag)
Cover zum 2. Minialbum "Die schwarzen Schlümpfe"

Heute ist das Schlumpfiversum in den Händen eines Syndikats, des belgischen IMPS, und eine wahre weltweite Industrie à la Disney. Was aber nichts daran ändert, dass die Schlumpfigkeit weiterhin weltweit geliebt wird – Kelly Asbury war der Regisseur des ersten Schlumpf-Animationsfilms von 2011:

Wir wollten der Arbeit von Peyo eine Hommage erweisen. Das ändern oder verbessern, ist, glaube ich, eine unmögliche Aufgabe. Und warum auch? Alle Leute, die die Schlümpfe lieben, lieben DIESE Schlümpfe. Wir wollen ihnen nichts anderes geben.  
Neuauflage der Ursprungsabenteuer im alten Format (Foto: Sebastian Knöbber/Buchverlag: IMPS)
Neuauflage der Ursprungsabenteuer im alten Format

Die sechs ursprünglichen Schlumpfalben erscheinen zum Jubiläum bei Toonfish/Splitter in der Originalgröße, wirklich süß - beim selben Verlag auch die liebevoll gestaltete Kompaktausgabe.
Im Original: Les Schtroumpfs Intégrale natürlich beim Originalverlag Dupuis


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Tanzen für den Ruhm (Foto: Reprodukt)
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