Blueberry Cover Sierra Comic (Foto: Dargaud/Charlier & Giraud)

Western oder Weltall

Das Werk von Jean Giraud (alias Moebius)

Gerd Heger   19.05.2018 | 08:30 Uhr

Auch in Deutschland sind sie fast komplett erschienen: Die Werke von Jean Giraud, des Vaters von Westernheld Blueberry, der unter dem Namen Moebius Klassiker des Fantastischen Comics geschaffen hat. Am 8. Mai wäre er 80 geworden. sr.de/bd über eine Comiclegende

Jean Giraud (Foto: Rita Scaglia/Dargaud)
Jean Giraud

Den Einstieg ins Schaffen von Jean Giraud gibt es auf zwei Wegen: Zunächst nimmt man sich die monumentale Saga von Leutnant Blueberry vor, mit der so ziemlich alle Jungs in den belgischen und französischen 60ern aufwuchsen – eine zunächst eher typische, aber schon von Beginn an mit unglaublicher Liebe zum Detail gezeichnete, sehr actionbetonte Serie aus dem Wilden Westen, bei der man sich manchmal fragt, ob Sergio Leone sich für seine Spaghetti-Western nicht genau dort bedient hat. Zunächst war Jean-Michel Charlier der Autor – nach dessen Tod übernahm Giraud bis zu seinem eigenen Ableben 2012 auch das Schreiben der Stories. Über das sehr frankobelgische orientierte Magazin Zack kam diese Westernsaga auch damals schon nach Deutschland, heute ist sie in aufwändigen Gesamtausgaben fürs heimische Regal und für die Nostalgie zu bekommen.

Der andere Einstieg unterscheidert sich völlig davon: Moebius nannte er sich, als er begann, fantastische und Science-Fiction-Geschichten zu erzählen… und er schuf, auch als Szenarist, unglaubliche Bilderwelten, Sternenwelten – wie in der ursprünglich als Werbeauftrag für Citroen begonnenen Serie „Sternenwanderer“. In sechs Bänden begeben sich die Sternenreisenden Stel und Atan auf eine fantastische Odysee, deren einzige Logik eine innere zu sein scheint: Wie man, von mysteriösen Pyramiden, seltsamen gesichtslosen Wesen und tyrannischen Planetenbeherrschern auf den Weg zu sich selbst geschickt wird.

Fantastikheld John Difool (Foto: Carlsen/Feest u.a. )
Fantastikheld John Difool

Wer davon angefixt wird, kann sich die Abenteuer von John Difool vornehmen, gemeinsam mit dem Cineasten Jodorowsky erschaffen (mit dem er auch eine sehr feine Abrechnung der intellektuellen 68er in Paris verbrochen hat – „Lust und Glaube“). Filme wie Alien oder das Fünfte Element kann man sich anschauen, bei denen Moebius mitmischte – wenn es ums futuristische Design ging. In eigene Zeichentrick-, Animations- und Realfilmversuche investierte er auch. Um dann doch wieder zu Leutnant Blueberry zurückzukehren – dessen zerknitterte Visage ursprünglich mal Jean-Paul Belmondo nachempfunden gewesen sein soll.

Moebius:  Sternenwanderer 1-6. Schreiber und Leser
Original: Le monde d’Édena  mehrere Verlage

Moebius: John Difool Die Incal Saga Carlsen/Feest
Original: L'Incal Humanoides associés

Jean Giraud / Jean-Michel Charlier „Blueberry“ Ehapa
Original:  Blueberry    Dargaud u.a.


Blueberry: Aufbruch im Westen (Foto: Dargaud 1966 by Charlier & Giraud)
Blueberry: Aufbruch im Westen

Was man sonst noch über BD erfahren kann

Gaston Lagaffe  (Foto: Buchverlag)
Gaston Lagaffe

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Die wichtigsten Comicmessen und -veranstaltungen in der Großregion: Imaginales (Epinal, 24.-27.5.), Strasbulles (Strasbourg, 8.-10. Juni), BD et Illustration (Haut-Koenigsbourg, 7.-15.7.), Festival International de la Bande dessinée (Contern/Luxemburg, 21./22.Juli, zum 25. Mal).


Konzept

Die Comicbegeisterung in Frankreich ist mit dem deutschen Comicmarkt nicht zu vergleichen. Aber sie schwappt auch über die Grenze: Gut die Hälfte aller frankophonen Bücher, die für Deutschland übersetzt werden, sind Comics. Von den Klassikern wie Asterix oder Lucky Luke bis zu heutigen Serien wie Largo Winch oder XIII, von Cartoongrößen wie Sempé oder Pénélope Bagieu bis hin zu den Zeichnern und Zeichnerinnen von Charlie Hebdo oder den Graphic Novels eines Guy Delisle.

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