Nelly Bly: Unerschrocken (Foto: Reprodukt)

Unerschrockene Frauen im Comicporträt

Comicbloggerin Penelope Bagieu auch in Deutschland erfolgreich

Gerd Heger   02.07.2018 | 08:30 Uhr

Comics von Frauen müssen mit den gleichen Vorurteilen kämpfen wie die sogenannte Frauenliteratur – so auch heute noch Pénélope Bagieu. Doch die in New York lebende Comicautorin sieht das gelassen.

„Mein Leben ist total faszinierend“ – unter diesem selbstironischen Titel sind die Geschichten aus dem Leben einer jungen Frau erschienen, die Bagieu als Comicbloggerin bekannt gemacht haben. Das wöchentliche Arbeiten hat sie sich nicht abgewöhnt, so erscheinen die Frauenporträts, die in den beiden Bänden von „Unerschrocken“ zusammengefasst sind, zunächst in der Zeitung Le Monde.

Vorher waren mit Joséphine, einem höchst witzigen und inzwischen auch verfilmten Comic über das WAHRE Leben der Frau um die 30, aber auch mit „Eine erlesene Leiche“ (Carlsen) Alben erschienen, die sie als Meisterin der schwarzhumorigen Story mit ordentlich Lebensgefühl und erträglicher Verzweiflung auswiesen. Frau oder nicht Frau, das ist da völlig egal:

Was mich am meisten interessiert, ist einfach, eine Geschichte zu erzählen. Es geht nicht unbedingt darum, sich nur auf das Wahre zu konzentrieren, darauf zu fokussieren. Ich nehme mir durchaus Freiheiten als Autorin, auch als Zeichnerin. Es soll eine gute, glaubwürdige Geschichte sein, denn es geht ja nicht darum, etwas aus ihr zu lernen,
Peggy Guggenheim: Unerschrocken (Foto: Reprodukt)
Peggy Guggenheim: Unerschrocken

sagt die 1982 Geborene im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. So war „Eine erlesene Leiche“ eine Art Arsen und Spitzenhäubchen 2.0, mit einem verpeilten Großstadtgewächs namens Zoé, die bei der Partnerwahl irgendwie daneben gegriffen hatte – und die auf ziemlich fiese Art ihrer späteren Dreiecksgeschichte eine erfreuliche Wendung gab.

Comic Bagieu Unerschrocken  (Foto: Reprodukt)
Comic Bagieu Unerschrocken

Für ihr aktuelles Projekt hat sie sich über die Biographien von bekannten und unbekannten Frauen der Geschichte und der Gegenwart gebeugt. Zunehmend nutzt Bagieu so Comics für Aufklärung oder Reportage – in diesem Fall mit Porträts außergewöhnlicher Frauen wie der afghanischen Rapperin Sonita Alizadeh oder Muminerfinderin Tove Jansson. Von Josephine Baker bis Peggy Guggenheim sind 30 Frauen mit dabei. Wikipedia war gestern, in einfachen Bildern werden Frauen lebendig, die sich gegen den Strom stellen, die zwar nicht unbedingt besonders anders sind, aber durch ihre Lebensentscheidungen und ihre umgesetzten Träume besonders besonders.

Leseprobe: Unerschrocken (Foto: Reprodukt)
Leseprobe: Unerschrocken

Penelope Bagieu: Eine erlesene Leiche
Carlsen, Graphic Novel, 16, 90 Euro
Original: Un Cadavre Exquis, Gallimard

Penelope Bagieu: Unerschrocken 1 + 2 (Reprodukt)
Im Original: „Les Culotées“ – als Blog für Le Monde hier:


Was man sonst noch über BD erfahren kann

Blueberry: Fort Navajo, Comic (Foto: Dargaud 1965 by Charlier & Giraud)
Blueberry: Fort Navajo, Comic

Sie suchen nach bestimmten Comics - oder wollen einfach nur stöbern? Die bisherigen Artikel unserer Seite zu frankophonen Comics in Deutschland finden Sie hier.

Die wichtigsten Comicmessen und -veranstaltungen in der Großregion: BD et Illustration (Haut-Koenigsbourg, 7.-15.7.), Festival International de la Bande dessinée (Contern/Luxemburg, 21./22.Juli, zum 25. Mal).


Konzept

Die Comicbegeisterung in Frankreich ist mit dem deutschen Comicmarkt nicht zu vergleichen. Aber sie schwappt auch über die Grenze: Gut die Hälfte aller frankophonen Bücher, die für Deutschland übersetzt werden, sind Comics. Von den Klassikern wie Asterix oder Lucky Luke bis zu heutigen Serien wie Largo Winch oder XIII, von Cartoongrößen wie Sempé oder Pénélope Bagieu bis hin zu den Zeichnern und Zeichnerinnen von Charlie Hebdo oder den Graphic Novels eines Guy Delisle.

Hier bietet SR.de exklusiv für Deutschland eine regelmäßige Auswahl aktueller Titel, aber auch Hinweise auf Klassiker und Gesamtausgaben. Kontakt: gheger@sr.de

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