Albert Uderzo (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Asterix-Schöpfer Uderzo ist tot

Sabine Wachs   24.03.2020 | 11:19 Uhr

Seiner Feder entstammen die wohl berühmtesten Gallier der Welt: Gemeinsam mit dem Texter René Goscinny ersann Albert Uderzo die Comic-Abenteuer von "Asterix und Obelix" im Kampf gegen das imperiale Rom. Nun ist der Zeichner im Alter von 92 Jahren gestorben.

"Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten."

Albert Uderzo ist tot
Audio [SR 3, Gerd Heger, 24.03.2020, Länge: 03:04 Min.]
Albert Uderzo ist tot

Es gibt kaum jemanden, der die Bewohner dieses kleinen Fleckchens nicht kennt. Den knollennasigen Gallier Asterix, seinen beleibten Freund Obelix und die restliche renitente Bande, die Julius Cäsar und seine Legionäre regelmäßig in tiefe Verzweiflung stürzen.

Dass es diese wunderbaren Gestalten gibt, verdankt der Comic-Leser ihm: Albert Uderzo. Geboren als Kind italienischer Einwanderer 1927 in der Nähe der Stadt Reims, zeichnete er schon als junger Mann gerne und vor allem gut. Trotzdem, einen Beruf aus dem Talent machen? Uderzo zögerte.

Zeichner dank Disney

Einer hat ihn dann doch überzeugt: „Disney hat mich schon wahnsinnig stark beeinflusst. Ich kannte ihn zwar nicht persönlich, er mich übrigens auch nicht, aber ohne ihn wäre ich wahrscheinlich nie Zeichner geworden. Eigentlich wollte ich Mechaniker werden.“

Eine Person hält einen Asterix-Band in der Hand. (Foto: Imago Images/Teutopress)
34 Asterix-Bände hat Albert Uderzo in seinem Leben gezeichnet. Sie wurden in mehr als einhundert Sprachen und Dialekte übersetzt.

Welch herrliche Figuren und witzige Geschichten wären den Comic-Freunden dieser Welt verloren gegangen. Umpah-Pah, der kleine Indianer, oder auch der Detectiv Luc Junior, allen voran aber Asterix und seine Mischpoke. Die hat Albert Uderzo zusammen mit seinem Kollegen und Texter René Goscinny ins Leben gerufen. Zwei Einwanderkinder - Goscinnys Eltern stammten aus Polen - erfanden also den gallischen Urfranzosen Asterix.

Was Uderzos eigene Leistung dieser genialen Zusammenarbeit mit Goscinny angeht, gab er sich immer bescheiden: „René war ein heller Kopf, ein großartiger Humorist. Ich muss das gar nicht anpreisen, er hat es ja bewiesen. Und nicht nur das. Den Erfolg, den wir hatten, das ist allem voran sein Verdienst. Ich musste ihm einfach nur folgen und bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich bin froh, dass wir zusammengearbeitet haben.“

Zwei Jahre im Nebel

Es war Hochachtung, die Uderzo vor der Arbeit seines Partners hatte, beide verband zudem eine tiefe Freundschaft. Als Goscinny im November 1977 plötzlich stirbt, beschließt Uderzo, mit dem Zeichnen aufzuhören. „Nach seinem Tod war alles vorbei. Ohne ihn wollte ich nicht mehr weitermachen, ich fühlte mich verloren, zwei Jahre war ich in diesem Nebel gefangen.“

Letztendlich waren es die vielen Leser, die den Zeichner und Asterix-Vater wieder aus dem Dunkel zurück in die Realität geholt haben. Sie schrieben ihm Briefen. „Sie sagten mir: Sie sind vielleicht der Autor, aber ohne uns wären Sie nichts, uns verdanken Sie den Erfolg ihrer Figuren. Und damit hatten sie recht. Ich verdanke meinen Lesern unfassbar viel.“

Uderzo machte weiter – allein. Er schickte seine gallischen Helden bis ins Morgenland, ließ das kleine Dorf sogar von Außerirdischen heimsuchen, was nicht bei allen Fans Anklang fand. Doch der Erfolg der neuen Abenteuer gab ihm recht. 34 Asterix-Bände hat Uderzo in seinem Leben gezeichnet. Alle wurden in mehr als einhundert Sprachen und Dialekte übersetzt.

Mit 84 schließlich, entschied sich der Zeichner, sich zurückzuziehen. Übergab die Feder an Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri. Die Figuren, sagte Uderzo, gehören nicht ihm, sie gehören dem Leser. Auch wenn Uderzo nun gegangen ist, sein großer Wunsch wird mit Sicherheit in Erfüllung gehen: „Ich wünsche mir, dass Asterix noch Generationen überdauert.“


Die bisherigen Artikel von sr.de/bd

Sie suchen nach bestimmten Comics - oder wollen einfach nur stöbern? Die bisherigen Artikel unserer Seite zu frankophonen Comics in Deutschland finden Sie hier.


Konzept

Die Comicbegeisterung in Frankreich ist mit dem deutschen Comicmarkt nicht zu vergleichen. Aber sie schwappt auch über die Grenze: Gut die Hälfte aller frankophonen Bücher, die für Deutschland übersetzt werden, sind Comics. Von den Klassikern wie Asterix oder Lucky Luke bis zu heutigen Serien wie Largo Winch oder XIII, von Cartoongrößen wie Sempé oder Pénélope Bagieu bis hin zu den Zeichnern und Zeichnerinnen von Charlie Hebdo oder den Graphic Novels eines Guy Delisle.

Hier bietet SR.de exklusiv für Deutschland eine regelmäßige Auswahl aktueller Titel, aber auch Hinweise auf Klassiker und Gesamtausgaben. Kontakt: gheger@sr.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja