Bernd Kissel, Gerd Heger, Meinhard Maria Grewenig und  Albert Uderzo in Völklingen 2012  (Foto: Privat)

Diesmal ohne Festmahl

Ein persönlicher Nachruf auf Asterix-Schöpfer Albert Uderzo

Gerd Heger   24.03.2020 | 13:19 Uhr

Er starb friedlich in seinem Haus im Pariser Nobelstadtteil Neuilly: Albert Uderzo, einer der beiden Väter von Asterix und Obelix. 2012 war er in Völklingen, wo ihn Gerd Heger bei einer Pressekonferenz im Weltkulturerbe getroffen hat - eine berührende Begegnung.

Derweil am Himmelstor - exklusiv von Bernd Kissel (Foto: Bernd Kissel)
Derweil am Himmelstor - exklusiv von Bernd Kissel
Sie können mir ja ein paar Stücke mitgeben, dann kann ich echter zeichnen.

Mit einem kleinen, leicht ironischen Unterton sagte er das damals, der Große Uderzo. Denn natürlich brauchte er nicht die Ausstellung "Asterix und die Kelten" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, um die Welt der alten Gallier detailgetreu zu zeichnen. Ganz Grandseigneur – dieser auch körperlich große Mann, der an diesem Tag nur Gelassenheit und Coolness ausstrahlte.

Wir dachten damals nicht im Traum daran, dass wir mit einer solchen Figur einen solchen unglaublichen Erfolg haben würden.

Von einem solchen Comicgiganten solch bescheidene Töne zu hören, war beeindruckend. Denn natürlich weiß man im Hinterkopf von Hunderten von Millionen verkaufter Alben, man kennt die unglaubliche Geschichte des Freundespaares Goscinny und Uderzo, die von 1951 bis 1977 dauerte, man weiß um die herausragende Besonderheit des Zeichners Uderzo. In Völklingen 2012 war damals auch der saarländische Zeichner Bernd Kissel dabei, ein großer Verehrer des Asterixpapas.

Was ihn so besonders macht, ist sein lebensfroher Strich. Wenn man sich eine Zeichnung von Albert Uderzo anschaut, geht einem einfach das Herz auf.
Ein großer Moment: Albert Uderzo, Bernd Kissel und Gerd Heger 2012  (Foto: Privat)
Ein großer Moment: Albert Uderzo, Bernd Kissel und Gerd Heger 2012
Als wir die Möglichkeit hatten, eine Figur nach unserem Geschmack schaffen konnten, schufen wir einfach eine Art kleinen Clown, der den fantastischen Humor von René Goscinny transportieren sollte.
Albert Uderzo ist tot
Audio [SR 3, Gerd Heger, 24.03.2020, Länge: 03:04 Min.]
Albert Uderzo ist tot

Sie war schon faszinierend: Die Freundschaft zwischen René Goscinny – der nun wirklich ein Genie des Gags, der Anspielung, des gallischen Humors war – und dem Liebhaber schneller Autos, überhaupt von Schnelligkeit, mit dem unglaublich dynamischen Strich beim Zeichnen. Wie sie es schafften, einen populären Mythos zu schaffen: Asterix und Obelix stehen in der ganzen Welt für eine bestimmte Art, Frankreich zu sehen und seine lebensbejahenden Werte. Und dann ist es ja auch den wenigsten gegeben, sogar in den täglichen Sprachgebraucht überzugehen: wie mit „Die spinnen die Römer“.

Mit 92 Jahren gestorben
Asterix-Schöpfer Uderzo ist tot

So ganz frei von „folie“, auch durchaus unangenehmer, war Albert Uderzo natürlich nicht. Mit den eigenen Kindern legte er sich an, es ging um Geld, er schuf, durchaus auch mit harten Entscheidungen, ein ertragreiches Firmenkonglomerat zur weltweiten Vermarktung der Gallier. Und er machte trotz starker Selbstzweifel allein weiter, als Goscinny auf dem Arztfahrrad beim Belastungs-EKG einen Herzinfarkt bekam. All das war 2012 in Völklingen nicht zu merken. Höflich lobte er die damalige Ausstellung zu Asterix und den Kelten.

Ich habe schon Ausstellungen weltweit gesehen, in Montréal, in Tokyo, in Paris - ihre ist bei weitem die Originellste.
Uderzo, Anne Goscinny und das neue Autorenpaar (Foto: dpa)
Uderzo, Anne Goscinny und das neue Autorenpaar

Und schließlich hatte Uderzo auch die Größe, das Schicksal des kleinen gallischen Dorfes in die Hände eines neuen Autorenduos zu übergeben, Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Ob das Gerücht sich bewahrheit, dass mit Asterix nach seinem Tod nun Schluss sein soll, das wird sich jetzt zeigen. Die Begegnung mit ihm im Saarland jedenfalls war frei von Streitigkeiten und Hickhack oder auch nur Starallüren, sie war einfach nur die mit einer beeindruckend souveränen, feinhumorigen, lebenden Comiclegende. Sein Tod soll einfach gewesen sein, wie seine Familie mitteilte, die nicht weit war. Im Schlaf hörte das Herz auf zu schlagen, in seinem Haus im Pariser Stadtteil Neuilly, mit 92 Jahren – beneidenswert wie das Leben von Albert Uderzo. Und so sollten weder seine Fans, noch die unbesiegbaren Gallier zu lange weinen.

Nur ein Festmahl, das wird es in diesen Zeiten wohl nicht geben. Allerdings soll ab April im lothringischen Manderen auf Schloss Malbruck eine große neue Comicausstellung starten unter dem Titel "Asterix der Europäer". Und die wird ganz sicher auch Albert Uderzo gebührend würdigen.


Eine Anspielung auf die beiden Asterixpapas im aktuellen Band (Foto: Asterix® – Obelix® – Idefix ®/© 2019, Les Éditions Albert René/Goscinny – Uderzo)
Eine Anspielung auf die beiden Asterixpapas im aktuellen Band

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