Altstadtfest Saarbrücken (Foto: IMAGO / Becker&Bredel)

Kultur- und Veranstaltungsbranche in Aufbruchsstimmung

Johann Kunz   01.05.2022 | 20:40 Uhr

Der Sommer kommt, die meisten Corona-Beschränkungen sind bereits gefallen. Für die Kultur- und Veranstaltungsbranche bringen die Monate zwischen Frühling und Herbst wieder mehr Normalität in den Arbeitsalltag - auch wenn man von den Vor-Corona-Zeiten noch ein gutes Stück entfernt ist.

Die Monate April und Mai bedeuteten in der Kultur- und Veranstaltungsbranche seit Beginn der Pandemie ein großes Aufatmen. Oder besser: ein Erwachen nach dem unvermeidbaren Corona-Winterschlaf.

Konzerte und Veranstaltungen im Außenbereich sind mit dem stabileren Wetter wieder besser planbar. Die Corona-Einschränkungen für den Kulturbetrieb sind seit Anfang April weggefallen. Die Bahn für den Festival-Sommer ist also frei. Die Aufbruchsstimmung in der Szene ist deutlich spürbar, aber auch gesät mit Zweifeln und Ungewissheit.

Viele Künstler schon ausgebucht

Norbert Küntzer vom Saarbrücker Kulturamt ist mitverantwortlich für die Organisation des Altstadtfests. Doch das findet dieses Jahr erneut nicht statt. Eine Entscheidung, die nun mit einem neuen Konzept kompensiert werden soll: dem "Kultstadtfest". Es soll das Altstadtfest mit dem Kulturmeilenfest miteinander verbinden und im Juli stattfinden.

Außerdem organisiert die Landeshauptstadt am 25. Mai auch wieder "Die Muschel rockt" im Deutsch-Französischen Garten mit insgesamt acht Konzerten. Küntzer spricht vom "großen Aufbruch" und einer "Befreiung", weil die Corona-Auflagen entfallen. Der Enthusiasmus schwindet jedoch schnell, denn er hoffe inständig, dass "alles einigermaßen normal laufen" werde.

Die Künstler seien "total froh", wieder spielen zu dürfen. Die Programme für die Veranstaltungen stehen bereits fest. Bei der Buchung der Acts habe er beobachtet, dass viele Künstler schon für den gesamten Sommer ausgebucht seien. Dieser Eindruck bezieht sich vor allem auf sehr bekannte Musikgruppen.

Aufbruchsstimmung nicht allgegenwärtig

Für kleinere Gruppen lässt sich das nicht bestätigten. Die saarländische Kultband "Mizzies" kommt im Mai unter anderem in die "Muschel", hat von der großen Sommerextase bisher aber wenig gespürt. Laut Sängerin Martina Gross sei die Band zwar über den gesamten Sommer regelmäßig gebucht. Aber es sei nicht so, dass "die Türen eingerannt" würden.

In der Branche für Veranstaltungstechnik sieht es ähnlich aus. Alexander Kiefer von der Audio Check GmbH für Licht- und Tontechnik spricht von einer "ganz guten Auftragslage" in den nächsten Monaten. Drei bis vier Veranstaltungen pro Woche stünden im Schnitt auf dem Plan. Vor der Corona-Pandemie seien es jedoch mehr gewesen.

"Die Unsicherheit ist enorm"

Dennoch ist Kiefer glücklich, im Sommer wieder mehr auf das Kerngeschäft seiner Firma setzen zu können. Da im Winter kaum Events in Präsenz stattfinden, hat sich seine Firma auf alternative Techniken, wie etwa Video-Streams, konzentriert. Damit komme man gut über die Runden. Die gesamte Branche sei aber weiterhin am Leiden. "Die Unsicherheit ist enorm, viele Freischaffende kehren dem Job mittlerweile den Rücken", beklagt er.

Wie es nach September dann weitergehe, wisse niemand so recht. "Wir wollen definitiv auch wieder langfristig zurück in den Normalbetrieb. Eine schnelle Rückkehr halte ich aber für ausgeschlossen. Wahrscheinlich wird es noch ein paar Jahre dauern", befürchtet Kiefer.

Der Sommer kommt. Er wird aber auch wieder gehen. Für die Kultur ist das ein Sinnbild, das droht, zur traurigen Tradition zu werden. Ob kommenden Winter wieder eine Zwangspause ansteht, ist derzeit noch nicht abzusehen.

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