Eine Weihnachtskrippe mit den Europasternen. (Foto: SR/Photodisc)

"God Jul" - "szczęśliwe święta" - "feliz navidad"

Axel Burmeister   17.12.2018 | 11:03 Uhr

Vom strohgefertigten Ziegenbock in Schweden bis zur spanischen Weihnachtslotterie - in Europa feiern die Menschen mit unterschiedlichsten Bräuchen das Weihnachtsfest. In Polen lässt man an der Weihnachtstafel sogar einen Platz frei - für den unerwarteten Gast.

Weihnachten ist das Familienfest überhaupt - und zwar in ganz Europa. Doch überall gibt es Besonderheiten, die traditionell in den verschiedenen Ländern gefeiert werden. Hier einige Beispiel aus fünf europäischen Ländern.


Weihnachtsbrauch in Frankreich: Mistelzweige statt Tannenbaum (Foto: Imago/Chromeorange)
Weihnachtsbrauch in Frankreich: Mistelzweige statt Tannenbaum

Frankreich

Geht es um französische Weihnachtstradition, spricht man vom Réveillon - dem Weihnachtsschmaus und dem sapin de Noël – dem Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsbaum ist im Elsass noch am verbreitetsten. In anderen Gegenden und Städten Frankreichs wird meist die Wohnung mit Mistelzweigen geschmückt und eine Weihnachtskrippe im Wohnzimmer aufgestellt. Geschenke werden am 24. Dezember gelegentlich unter den Erwachsenen ausgetauscht. Das eigentliche Auspacken findet aber erst am 25. Dezember statt. Für die Kinder liegen die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, die der Weihnachtsmann zuvor gebracht hat. Weihnachten in Frankreich und Deutschland haben vieles gemeinsam, vom Schmücken der Häuser bis hin zur Weihnachtskrippe. In Paris wird übrigens zur Weihnachtszeit eine der größten Weihnachtskrippen weltweit aufgebaut.


Die schwedische Lichterkönigin Lucia mit ihrem Gefolge. (Foto: dpa)
Die schwedische Lichterkönigin Lucia mit ihrem Gefolge.

Schweden

Bereits am 13. Dezember ist mit dem Lucia-Fest in Schweden ein vorweihnachtlicher Höhepunkt erreicht. Dieser Tag ist der Lichterkönigin gewidmet und im ganzen Land finden morgens schon Lucia-Umzüge statt. Mit einem stimmungsvollen „God Jul – Fröhliche Weihnachten“ wird der Heiligabend in Schweden eingeläutet. Allgegenwärtig ist der Julbock, ein aus Stroh gefertigter Ziegenbock, der in Schweden ein charakteristisches Symbol für die Weihnachtszeit ist. Die Figur stammt aus der nordischen Mythologie, in der vor den Wagen des obersten Gottes Thor zwei Ziegenböcke gespannt wurden. Während in anderen Regionen Europas die Kinder am Heiligabend sehnlich auf die Ankunft des Weihnachtsmannes warten, überbringen in Schweden die Kobolde Tomte, Tomtebisse und Nisse die Geschenke. Die vollständig in Rot gekleideten Wichtel kommen der Überlieferung nach mit ihren vollbepackten Rentierschlitten aus den schneebedeckten Weiten Lapplands.


Turron, eine weihnachtliche Spezialität in Spanien (Foto: dpa)
Turron, eine weihnachtliche Spezialität in Spanien

Spanien

Für die Spanier beginnen die Weihnachtsfeiertage mit der Sorteo extraordinario de Navidad, der Weihnachtslotterie. Ab dann gibt es für die Spanier kein Halten mehr. Zu Tausenden stürmen sie in die Läden, um sich Lose für die größte Lotterie der Welt zu besorgen, die es bereits seit 1812 gibt und die immer um die gleiche Zeit in der gleichen Form stattfindet. Am 24. Dezember, der Noche Buena, trifft man sich dann mit der ganzen Familie zu einem üppigen Essen. Neben diversen Köstlichkeiten kommt auch ein spanisches Gericht auf den Tisch, das sich „Turron“ nennt. Es besteht aus Eiern, Mandeln, Honig und Zucker und ist das Highlight auf jeder Festtagstafel. Nach dem Essen gibt es nicht etwa Nachtisch, sondern auf den Tisch kommt dann die „Urne des Schicksals“, ein kleines Gefäß, in dem sich Geschenke befinden, aber auch Nieten. Nun muss jeder Familienangehörige solange in die Urne greifen, bis er ein Geschenk gezogen hat. Und noch etwas ist in Spanien zu Weihnachten grundlegend anders: Die Kinder bekommen ihre Geschenke nicht am 24. Dezember, sondern Bescherung ist erst am 6. Januar.


Österreichischer Brauch zu Weihnachten: Perchte ziehen durchs Land. (Foto: dpa)
Österreichischer Brauch zu Weihnachten: Perchte ziehen durchs Land.

Österreich

Schon von Weitem sind sie zu hören. Scheppernd und klirrend klingen sie durch die kristallklare Nacht. Die Perchten, die in der Weihnachtszeit durch die verschneiten Straßen ziehen, gehören zu den bekanntesten Winterbräuchen in Österreich. Die furchteinflößenden Masken und das laute Glockengeläut dient aber nicht nur dazu, die Zuschauer zu erschrecken: Die Perchten treiben nämlich auch die bösen Geister des Winters aus. Weit ruhiger und besinnlicher als bei den Perchtenläufen geht es beim „Anklöpfeln“ zu. Dieser Brauch wird im Tiroler Unterland gepflegt und zählt laut UNESCO zum immateriellen Kulturerbe Österreichs. In den „Klöpflnächten“, den drei Donnerstagen vor Weihnachten, zieht eine als Hirten verkleidete Gruppe von Sängern und Musikanten von Tür zu Tür. Herzlich werden sie von den Hausbewohnern empfangen, verkünden die Sänger doch in Liedern die Geburt Jesu. Die Hirten erhalten als Dank Getränke, Weihnachtskekse oder eine kleine Jause. In der letzten Nacht der Raunächten, wie die Zeitspanne von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag genannt wird, erleben Winterurlauber in Oberösterreich ein besonderes Schauspiel. „Glöckler“ ziehen in weiße Gewänder gehüllt und mit kunstvollen hell erleuchtenden Glöcklerkappen und Glocken durch die winterlichen Dörfer.


Weihnachtsessen in Polen: traditionell Karpfen (Foto: Imago/ZumaPress)
Weihnachtsessen in Polen: traditionell Karpfen

Polen

Im Einklang mit den christlichen Traditionen fastet man in Polen am 24. Dezember bis zum Abendmahl - und auch dann wird auf Fleisch verzichtet. Daher ist das polnische Abendmahl fleischlos und besteht zumeist aus Fischgerichten wie Hering und Karpfen, aber auch die traditionellen Piroggen und Krautgerichte dürfen nicht fehlen. Oft werden genau zwölf Gerichte serviert, die symbolisch für die Monate eines Jahres und die zwölf Apostel Christi stehen. Eine Besonderheit: Polnische Familien decken einen Platz mehr, falls ein unerwarteter Gast kommt. Nach dem oft Stunden andauernden Abendessen werden die Kinder beschert und man singt gemeinsam die weltweit bekannten Weihnachtslieder. Der Abend endet meistens mit der feierlichen Mitternachtsmesse, der pasterka, zu der die ganze Familie gemeinsam geht und betet.

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