Lars Eidinger  (Foto: Imago/Seeliger)

Vollblutschauspieler Eidinger im E-Werk

Bettina Rau /Onlinefassung: Axel Burmeister   08.06.2019 | 14:50 Uhr

Mit dem Auftritt von Lars Eidinger hat das deutsch-französische Festival Perspectives am Freitagabend seinen ersten Höhepunkt erlebt. Der Star-Schauspieler zeigte im Saarbrücker E- Werk „soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch“ von Rodrigo Garcia. Schon der Titel ließ vermuten, dass der Abend spannend sein würde.

Cooler geht’s nicht: Lars Eidinger im Bärenkostüm vor Glitzer Mercedes. Autor und Regisseur Rodrigo Garcia hat einen Text entwickelt, der im Grunde zeigt, wie düster es um den modernen Menschen bestellt ist. "Nutten, Drogen, Whisky" - all das will ein Vater seinen Kindern bieten, und mit dem Ersparten in den Prado nach Madrid, um dort Bilder von Goya zu sehen. Die Kinder wollen nach Disneyland, um die Traurigkeit der Welt zu studieren. Ein brillanter Text, bisweilen böse, manchmal poetisch. Eine Inszenierung der Berliner Schaubühne aus dem Jahr 2011.  

Stück soll ermahnen

„Wir sind ja alle schon sehr vielen Reizen ausgesetzt“, sagt Lars Eidinger. „Tagtäglich lassen wir uns daran hindern, wirklich in die Tiefe zu gehen und zu sagen, ich setze mich mal mit Gemälde auseinander oder beschäftige mich mit einem Betrag der darüber hinausgeht, dass mein Konto voller sein könnte oder wann fängt der Schlussverkauf an?“ Wenn man ehrlich zu sich sei, dann sei man weit davon entfernt - und das Stück ermahne einen so ein bisschen, erklärt der Schauspieler.

Mit von der Partie in Madrid: der Philosoph Peter Sloterdijk , der im Sack versteckt philosophische Diskurse ablässt. Absurd. Bei aller Spielfreude und einem Eidinger mit ungeheurer  Bühnenpräsenz: dieses Stück ist Kapitalismuskritik pur, ein düsterer Abgesang des Argentiniers Garcia - atemlos inszeniert als 60 minütiger Monolog. „Heute hatte ich das Gefühl waren die Leute sehr interessiert, aber ich hab so ne Form von Respekt gespürt“. Eidinger in seinem Element.

Nach dem Auftritt im E- Werk legte er noch im Festivalclub Sektor Heimat auf. Seine Erlebnisse in Saarbrücken lassen sich auf Instagram verfolgen.

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