Die Bahnhofstraße in Saarbrücken (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Studie soll Kriminalität in Saarbrücken analysieren

Markus Person / Onlinefassung: Rebecca Kaiser   03.09.2020 | 18:12 Uhr

Das Innenministerium hat am Donnerstag die Pläne für die erste sicherheitspolitische kriminologische Regionalanalyse für Saarbrücken vorgestellt. Sie wurde ins Leben gerufen, nachdem im Mai nach Zahlen des Bundeskriminalitätsamtes Saarbrücken auf Platz vier der deutschen Großstädte landete.

Betrachtet man die registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner, schafft es Saarbrücken hinter Frankfurt, Berlin und Hannover auf einen unangenehmen vierten Platz. Nun soll mit der Erstellung einer sicherheitspolitischen und kriminologischen Regionalanalyse Ursachenforschung betrieben werden.

Video [aktueller bericht, 03.09.2020, Länge: 3:05 Min.]
Analyse zu Kriminalität in Saarbrücken

Wissenschaftliche Ursachenforschung

Erste kriminologische Regionalanalyse für Saarbrücken
Audio [SR 3, Marukus Person, 03.09.2020, Länge: 02:36 Min.]
Erste kriminologische Regionalanalyse für Saarbrücken

Sie wird vom Institut für Präventives Handeln, der HTW Saar, dem Innenministerium und der Stadt Saarbrücken durchgeführt. Innenminister Klaus Bouillon (CDU) erwartet sich davon viele neue Erkenntnisse zur Kriminalitätsbekämpfung in der Landeshauptstadt: „Wir haben zwar Fakten und Zahlen, aber wir müssen analysieren. Die Statistik für Saarbrücken zeigt, dass wir eine hohe Quote haben, was die Kriminalität angeht.“

Man müsste daher Ursachenforschung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten betreiben. Sobald die Ergebnisse daraus vorlägen, sollen daraus Schlüsse für die Einsatztaktik der Polizei gezogen werden.

Bürgerbefragung geplant

Zu den Fakten zählt zum Beispiel, dass die Saarbrücker Bahnhofstraße wesentlich mehr Einkäufer anzieht, als es für eine Stadt dieser Größe üblich ist. Aber dementsprechend gibt es auch überdurchschnittlich viele Ladendiebstähle.

Zu den bekannten Daten sollen nun mit der Regionalanalyse sogenannte weiche Faktoren durch eine Bürgerbefragung erhoben werden. „Wir wollen genau feststellen, welcher Täterkreis, welche Altersgruppen zu welchen Zeiten dort hingehen. Wir wollen ermitteln, aus wie vielen Kilometer Entfernung die Menschen kommen“ , so Bouillon.

Polizei erhofft sich Impulse

Auch der saarländische Polizeipräsident Norbert Rupp erhofft sich durch die Regionalanalyse Impulse für die Polizeiarbeit. Bislang orientierte sich die Personalverteilung an Unfall- und Straftat-Statistiken und wie viele Bürgerersuchen es gab.

Nun könnte es sein, „dass wir durch diese Regionalanalyse andere, weitere Erkenntnisse bekommen, die uns dort entsprechend auch verleiten, das Personal anders zu verteilen, andere Einsatzkonzepte vielleicht zu fahren“, sagt Rupp. Vielleicht müsse man demnach auch zu anderen Zeiten die Kräfte rausschicken.

Ergebnisse in rund einem Jahr

Neue Erkenntnisse für die Stadt erhofft sich auch der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU). So könne die Regionalanalyse auch andere, grundsätzliche Probleme aufzeigen: „Ich glaube es geht teilweise auch um das Thema Anzeigeverhalten, aber auch um Dinge wie Ordnung und Sauberkeit.“

Somit könne die Untersuchung auch dazu beitragen, dass sich das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger in den einzelnen Stadtteilen mittelfristig verbessert. Noch in diesem Jahr soll es laut Ministerium mit den ersten Bürgerbefragungen und Experteninterviews losgehen.

Die ersten Ergebnisse der Regionalanalyse sollen in etwa einem Jahr vorliegen. Ob man dann die Videoüberwachung, die ja mit der erhöhten Kriminalität begründet wird, wieder abschafft, das wäre eine interessante Frage für die Zukunft.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" am 03.09.2020 berichtet.

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