Doppeldeutig: Saar-Politik mit dem traditionelle SR-Pausenzeichen?

Von Axel Buchholz

Das neue SR-Pausenzeichen ab 1956 ist ein Motiv aus „ Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“, ein Lied der Bergleute schon seit dem 16. Jahrhundert. Es gehört zur Textzeile „Und er hat sein helles Licht bei der Nacht (schon angezündt, schon angezündt)…“.

Aber auch eine andere Textzeile passt dazu: „Und ewig deutsch mein Heimatland …(Mein Heimatland, mein Heimatland) …“ Sie stammt aus dem Saarlied „Deutsch ist die Saar“. Hanns Maria Lux hatte es schon 1920 auf die Melodie des Steigerliedes geschrieben. Als Kampflied missbraucht, wurde es vor der ersten Saarabstimmung an der Saar und in ganz Deutschland außerordentlich bekannt.

Mit der Melodie des Pausenzeichens konnte man also zwei verschiedene Aussagen verbinden. Alle befragten früheren SR-Mitarbeiter sind sich darüber einig, dass den damaligen Verantwortlichen diese Doppeldeutigkeit durchaus bewusst gewesen sein muss. Was sie sich dabei allerdings dachten – darüber gehen die Meinungen auseinander.

Otto Klinkhammer (Foto: SR)
Otto Klinkhammer

Heinrich Kalbfuss (Foto: R. Oettinger)
Heinrich Kalbfuss

F.J. Reichert (Foto: SR)
Dr. Franz-Josef Reichert

Der frühere SR-Programmdirektor Otto Klinkhammer (damals bereits journalistisch tätig) meint, die Melodie sei 1956 in den Köpfen der Bevölkerung mit dem Text „Deutsch ist die Saar“ fest verankert gewesen. Nicht vorstellbar, dass dies den Verantwortlichen beim SR nicht bewusst war. „Und nicht nur das“, ist Klinkhammer überzeugt. „ Gerade wegen dieser doppelten Aussage haben sie das Motiv gewählt“ .

Heinrich Kalbfuss (ab 1950 frei bei Radio Saarbrücken und später Abteilungsleiter für Schul- Jugend- und Kinderfunk) ist der Ansicht, dieses Motiv sei „in dem Wissen gewählt worden“, dass „ verschiedene Bevölkerungsgruppen Verschiedenes damit assoziieren“ .

Dr. Franz-Josef Reichert (ab 1960 frei beim SR, später Hörfunkdirektor) sagt, diese Doppeldeutigkeit sei „billigend in Kauf genommen worden“. Und Klaus Altmeyer (SR-Pressechef ab 1961) geht davon aus, dass die Verantwortlichen damals „keinen Grund hatten, sich darüber Gedanken zu machen“. Dass ihr Heimatland deutsch sei, hätten sie und die Saarländer „als Selbstverständlichkeit mitempfunden“.

Ein französischer Journalist jedenfalls hat beim neuen SR-Pausenzeichen gar ausschließlich an „Deutsch ist die Saar“ gedacht. Jedenfalls berichtete er das so in der französischen Nachrichtenagentur. Literaturredakteur Fred Oberhauser, damals noch redaktioneller Assistent (seit 1949 frei bei Radio Saarbrücken) erinnert sich mit „absoluter Sicherheit“ daran, diese Meldung während seines Dienstes gelesen und weitergereicht zu haben.

Offiziell allerdings wurde das Pausenzeichen vom SR immer nur als ein Motiv aus dem Steigerlied bezeichnet. Und mit den Jahren schwand auch die Erinnerung daran, dass es dafür noch eine andere Textzeile gibt. Schriftliche Quellen sind dazu nicht bekannt.

Redaktion für den Arbeitskreis SR-Geschichte: Axel Buchholz; Mitarbeit: Frauke Feldmann, Nike Keisinger, Bert Lemmich, Michael Fürsattel, Roland Schmitt

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