Conny Plank (Foto: SR/Uschi Baltz)

Conny Plank: Richtig netter Mensch und 'bekloppter Typ'

 

Von Katja Preißner

Als gefeierter Erfolgsproduzent ist Conny Plank in den Annalen der deutsche Popmusik-Geschichte verzeichnet. Während seiner beruflichen Anfangsjahre als Tontechniker bei der Europawelle des Saarländischen Rundfunks und für viele Jahre danach verband ihn mit SR-Kollegin Uschi Müller-Baltz eine tiefe Freundschaft. Sie erinnert sich gern an ihn – wie andere auch.

“Ihr könnt mich mal alle“. Dergleichen bekam man von Conny Plank durchaus gelegentlich zu hören. „Er konnte schon ganz schön frech werden”, erzählt  Uschi Müller-Baltz. Mit ihrem Technik-Kollegen Conny Plank verstand sie sich trotzdem auf Anhieb bestens. “Ich kann mich auch erinnern, wir waren auf dem Saarmessegelände, da war ein Konzert von The Who. Da waren wir privat, und der SR hatte einen Ü-Wagen da und hat die Musik aufgezeichnet.

Da hat sich Conny totgelacht über die Toningenieure, die sonst nur mit Kammerorchestern und Sinfonieorchestern zu tun hatten und das überhaupt nicht auf die Reihe gekriegt haben. Es war nachher nicht zu benutzen, weil alles übersteuert war.” Kein Wunder! Die spezielle Live-Performance von The Who war selbst Uschi Müller-Baltz zuviel. “Ich erinnere mich, dass wir da in einem Pulk waren und die zum Schluss ihre Gitarren in Feuer aufgehen ließen und kaputt gehauen haben. Das hat mir schon nicht mehr gefallen, aber für Conny war es das Ideale!”

Als sie bei sich zuhause in Hamburg  nach Fotos von Conny Plank sucht, stellt sie fest, dass sie einige Passfotos von ihm besitzt! “Conny hatte diese Manie: Damals kamen die Passfoto-Automaten auf und wenn wir unterwegs waren, musste er in jeden Passfoto-Automaten rein und Fotos machen.

Deswegen hab ich davon welche. Der Unterschied (zwischen) der Saarbrücker Zeit und der Kölner Zeit ist schon ganz deutlich an seinem Äußeren zu sehen. Er sah noch 'bekloppter' aus. Da waren dann auch die Haare länger.”

Trotzdem, sie betont es nochmal: Conny Plank sei ein “richtig netter Mensch” gewesen!

Geboren in Hütschenhausen (bei Kaiserslautern), arbeitete Plank von 1963 oder 1964 bis 1966 als Tontechniker beim Saarländischen Rundfunk auf der Europawelle Saar. Wie er nach dem abrupten Ende seiner Zeit als SR-Sendungstechniker dann nach Köln kam, weiß von den SR-Kolleginnen und Kollegen niemand. Uschi Müller-Baltz schätzt, dass Dieter Thomas Heck seine Kontakte spielen ließ. So, wie er ihr später ebenfalls einen Job in Ralf Arnies Hamburger Star-Studio verschaffte. Heck selbst erinnert sich, Plank auf jeden Fall später ans Star-Studio vermittelt zu haben.

In Köln arbeitete Conny Plank ab 1967 im Rhenus-Studio, das dem Mann der Schlagersängerin Margot Eskens gehörte. Dort wurde er an der Seite von Tonmeister und Produzent Wolfgang Hirschmann vom Assistenten zum eigenständigen Produzenten. Natürlich wurden im Rhenus-Studio  Schlager aufgenommen, aber auch anderes: möglicherweise kam Plank hier schon mit Karlheinz Stockhausen in Kontakt. Außerdem erinnert sich Wolfgang Hirschmann, dass Plank das leere Studio nachts für Aufnahmen mit befreundeten Künstlern nutzte.

Vom Assistenten zum Produzenten

Hirschmann kam damals von der EMI, war ausgebildeter Tonmeister, hatte bereits mit Stockhausen, Kagel, Gulda und zahlreichen Jazz-Interpreten gearbeitet. Er gründete später mit Heinz Gietz ein eigenes Studio und wurde in den 90ern Produzent und später auch Manager der WDR-Big Band. Mit Conny Plank verstand er sich sehr gut. Und er erinnert sich, dass Plank im Rhenus-Studio fest angestellt war. Zunächst war Plank sein Assistent: “Er konnte den Maschinenpark dort bedienen. Das war seine Aufgabe. Und dann hat er durch mich die Arbeit am Mischfeld kennengelernt. Ich hab ihn auch teilweise rangelassen, selbst zu machen, und da hat er mir Löcher in den Bauch gefragt.” Hirschmann erkannte schon die besonderen Fähigkeiten seines Kollegen: “Das Wort 'experimentieren' fiel nie. Aber wenn man sich innerlich mit diesem Thema beschäftigt, mit Interpreten Dinge fest zu machen und darzustellen, dann braucht man eine gewisse innere Bereitschaft. Conny hat nach Inspiration gesucht, bei Studiomusikern und anderen. Durch die gute Kommunikation, die er hatte, konnte er ohne vorgefestigte Meinung an Dinge herangehen, die er als neu empfand.”

Cover der CD "Who's that man" - A Tribute to Conny Plank (Grönland). Vollständige Ansicht bitte klicken.

Auch Uschi Müller-Baltz hatte im Kölner Rhenus-Studio noch mit Conny Plank zu tun: “Wenn er mich angerufen hat, 'Ich hab keine Technikerin, die ist krank, kannst du nicht kommen?', dann bin ich zwei Tage nach Köln gefahren und hab bei ihm gearbeitet.” Viel Wissen in Sachen “Musikschnitt” habe Plank ihr damals mitgegeben, so Uschi Müller Baltz. Im Januar 1970 nahm sie sogar vier Wochen unbezahlten Urlaub, um bei Plank im Rhenus-Studio auszuhelfen. “Da hat er mich angerufen und gesagt, 'Jetzt hat die Technikerin gekündigt'. Damals waren das Regiepult und der Maschinenpark noch in verschiedenen Räumen. Das konnten die noch nicht alleine machen. Deshalb brauchte er ganz dringend jemanden, und ich konnte damals meinem technischen Boss in Saarbrücken klarmachen, dass ich da ganz viel dazu lernen kann.“

Lange blieb Conny Plank damals nicht mehr in Köln. Im Januar 1971 zog Uschi Müller-Baltz nach Hamburg, ging vom SR zu Ralf Arnies Star-Studio (und danach zum NDR, wo sie viele Jahre im Bildschnitt für die Tagesschau gearbeitet hat). Den Wechsel hatte Dieter Thomas Heck vermittelt. “'Der Conny ist auch schon da', sagte er damals”, erinnert sich Uschi Müller-Baltz. Das Studio war “in der Wrangelstraße”, so Müller-Baltz, “eigentlich ein Einfamilienhaus in einer ganz edlen Straße in Eppendorf. Es war nicht das ganze Haus mit dem Studio ausgefüllt. Die Musiker, die Conny da hatte, haben da gewohnt. Es war immer was los, und ich glaub, Herr Arnie fand das nicht so ganz gut. Da war Conny dann auch nicht mehr lange.” Auch im Star-Studio wurden viele Schlager produziert, aber nicht nur, berichtet Uschi Müller-Baltz: “Die erste Lindenberg-Sache wurde im Star-Studio gemacht.”

1974 eröffnete Plank sein eigenes legendäres Studio in Wolperath bei Köln, wo unter anderem Kraftwerks “Autobahn” entstand. In dem ehemaligen Bauernhof lebten dort oft Plank, seine Familie, Mitarbeiter und Musiker auf Zeit zusammen.

Dieter „Thomas“ Heck und Tontechnikerin Uschi Müller-Baltz  im Februar 1971 bei einem Fest im Hamburger Starstudio von Ralf Arnie. Vollständige Ansicht bitte klicken.

Den Mann, mit dem er in Wolperath sein berühmtes Mischpult austüftelte, hatte Conny Plank möglicherweise schon zuvor in Hamburg getroffen: Rüdiger Barth. Der stattete früher nicht nur viele namhafte deutsche Studios mit der entsprechenden Technik aus, er brachte in Deutschland auch die digitalisierte Hörfunk-Studiotechnik auf den Weg.

“Conny hat sein Mischpult nicht selbst gebaut”, korrigiert Uschi Müller-Baltz ein weit verbreitetes Gerücht. “Das hat Rüdiger Barth gebaut. Aber natürlich nach Connys Wünschen. Ich denke, da hat auch einer den anderen befruchtet.” Müller-Baltz erinnert sich, dass in den 60er- und frühen 70er-Jahren “in der Mischpulttechnik noch nicht so viel möglich war. Rüdiger Barth war ein junger Mann, der sich da reinhängte. Er baute Mischpulte, die ersten Acht- und 16-Spurmaschinen. Er hat ganz tolle Sachen gemacht.” Über Barth, mit dem Uschi Müller-Baltz noch länger Kontakt hatte, hörte sie auch noch von Planks Wolperather Studio – zu Plank selbst verlor sie 1973 die Verbindung.

Der Kontakt zwischen Conny Plank und Produzent  Wolfgang Hirschmann hielt bis 1987. Zum letzten Mal trafen sich beide beim Jazz-Festival von Montreux, kurz vor Planks Tod. “Er war ein freundlicher Wikinger-Typ. Sehr normal, höflich, hilfsbereit, forschend, fragend.”

Redaktion für den Arbeitskreis SR-Geschichte: Axel Buchholz (ab); Eva Röder (Gestaltung/Layout), Roland Schmitt, SR-Bibliothek (Bilder/Recherche), Mitarbeit: Uschi Müller-Baltz. 

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