Théodore Gouvy, Komponist aus Saarbrücken (Foto: Joachim Fontaine)

Wir im Saarland - Grenzenlos extra

"Dem Vergessen entrissen" – Der deutsch-französische Komponist Théodore Gouvy

  27.06.2019 | 10:00 Uhr

Am 3. Juli wäre der in Saarbrücken-Schafbrücke geborene Komponist Théodore Gouvy 200 Jahre alt geworden. Zu sehen in einer Extra-Ausgabe von "Wir im Saarland - Grenzenlos" am Montag, 1. Juli um 18.50 Uhr im SR Fernsehen.

Wie kann es passieren, dass ein Komponist vollständig vergessen ist? Wäre da nicht der auffällige Grabstein auf dem Friedhof des lothringischen Städtchens Hombourg-Haut, der vor rund 20 Jahren dem pensionierten Polizisten Sylvain Teutsch keine Ruhe gelassen hat – man wüsste wohl bis heute nichts (mehr) vom musikalischen Werk des Théodore Gouvy.

Erfolge in Paris und Leipzig

Geboren 1918 im heutigen Saarbrücken-Schafbrücke als Sohn einer französischen Industriellenfamilie, feierte er zu Lebzeiten Erfolge zunächst in Paris, später in Leipzig, wo er 1898 starb. Er korrespondierte mit zahlreichen musikalischen Größen des 19. Jahrhundert wie Camille Saint-Saens, Franz Liszt, Ferdinand Hiller, Johannes Brahms oder Hector Berlioz. Als bekennender Franzose, jedoch erst mit 32 Jahren eingebürgert, bewegte er sich zwischen zwei Nationen, die sich spätestens seit dem Krieg von 1870/71 feindlich gegenüber standen. War dieses Spannungsverhältnis der Grund, weshalb man seine Musik nach seinem Tod nicht mehr spielte? Weil sie durch beide Kulturen geprägt war und somit nicht in die nationalistisch gesinnte Epoche passte?

Geschichte der Wiederentdeckung

Der Film, eine lothringische Produktion unter Beteiligung des SR, geht dieser Frage nach und erzählt die Geschichte der Wiederentdeckung des Théodore Gouvy. Und er gibt den Zuschauern die Gelegenheit, die Musik dieses wohl bedeutendsten Komponisten unserer Region "ins Ohr zu kriegen", die inzwischen, dank großen Engagements auf beiden Seiten der Grenze (die Deutsche Radio Philharmonie beispielsweise hat alle seine Sinfonien auf CD eingespielt), wieder einen festen Platz im Repertoire der Romantik gefunden hat.

Théodore-Gouvy-Preis als Hommage

Als Hommage an Théodore Gouvy wird vom Eurodistrict SaarMoselle alle zwei Jahre der nach ihm benannte Kompositionspreis ausgelobt. In diesem Jahr wurde der Preis zum vierten Mal vergeben. Im Anschluss an das Abschlusskonzert der Saarbrücker Komponistenwerkstatt 2019 wählten die Orchestermitglieder der Deutschen Radio Philharmonie am Freitag, 7. Juni, unter den fünf teilnehmenden Nachwuchskomponisten aus Österreich, Deutschland, Italien, Japan und China die Preisträgerin Yang Song aus. Der Théodore-Gouvy-Preis beinhaltet einen Auftrag für ein Orchesterwerk, das mit 5.000 Euro dotiert ist und im Mai 2020 von der Deutschen Radio Philharmonie uraufgeführt wird.

Am Montag, 1. Juli, 18.50 Uhr, im SR Fernsehen.